Brustkrebs – SG 320

Brustkrebs – SG 320

vor 1 Tag
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Beschreibung

vor 1 Tag

Du hast vielleicht gemerkt, dass es eine längere Pause bei Slow
German gab. Der Grund ist, dass bei mir Brustkrebs diagnostiziert
wurde. Ich danke Dir für Deine Geduld und ich danke besonders
denen, die mich und meine Arbeit an diesem Podcast finanziell bei
Patreon oder auf slowgerman.com unterstützen. Also: Heute geht es
um das Thema Brustkrebs in Deutschland.


Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in
Deutschland. Jedes Jahr erhalten etwa 75.000 Frauen die Diagnose
Brustkrebs. Das heißt: Jede achte Frau in Deutschland erkrankt im
Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Natürlich können auch
Männer an Brustkrebs erkranken, aber das kommt deutlich seltener
vor. Die Krankheit entsteht, wenn sich Zellen in der Brust
unkontrolliert vermehren und einen Tumor bilden. Dank moderner
Medizin sind die Heilungschancen heute oft deutlich besser als
noch vor einigen Jahrzehnten. Die relative
Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt inzwischen bei etwa 88 Prozent.


Brustkrebs ist keine neue Krankheit. Schon in der Antike
beschrieben Ärzte Veränderungen in der Brust, die vermutlich
Krebs waren. Damals gab es jedoch kaum wirksame
Behandlungsmöglichkeiten. Viele Menschen glaubten, Krankheiten
seien eine Strafe der Götter oder hätten andere mystische
Ursachen. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich die moderne
Medizin. Ärzte begannen, Tumore genauer zu untersuchen und
Operationen wurden sicherer. Trotzdem war Brustkrebs lange eine
Krankheit, über die nur wenig gesprochen wurde.


Auch in Deutschland war das Thema viele Jahre tabu. Viele Frauen
schämten sich, über Veränderungen ihrer Brust zu sprechen.
Außerdem gab es früher weniger Möglichkeiten zur Früherkennung.
Oft wurde Krebs erst entdeckt, wenn der Tumor bereits groß war
oder sich im Körper ausgebreitet hatte. Die Behandlung bestand
meist aus umfangreichen Operationen. Dabei wurde häufig die
gesamte Brust entfernt.


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts machte die
Krebsforschung große Fortschritte. Wissenschaftler lernten immer
mehr über die Entstehung von Tumoren. Neue Medikamente wurden
entwickelt, und die Strahlentherapie wurde verbessert.
Gleichzeitig erkannte man, wie wichtig eine frühe Diagnose ist.
Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser sind meistens
die Behandlungsmöglichkeiten.


Eine wichtige Rolle spielt dabei die Mammographie. Das ist eine
Röntgenuntersuchung der Brust. Mit ihr können auch kleine
Veränderungen sichtbar werden, die man noch nicht ertasten kann.
In vielen Ländern wurde deshalb über organisierte
Früherkennungsprogramme diskutiert. In Deutschland begann das
nationale Mammographie-Screening im Jahr 2005. Heute werden
Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre zu einer
Mammographie eingeladen. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Untersuchung ist gar
nicht schlimm und schnell vorbei. Habt also keine Angst davor.


Das Mammographie-Screening war von Anfang an Gegenstand von
Diskussionen. Befürworter betonen, dass Tumore früher entdeckt
werden können und dadurch die Heilungschancen steigen. Kritiker
weisen darauf hin, dass nicht jede Auffälligkeit tatsächlich
Krebs ist. Manchmal führen Untersuchungen zu falschem Alarm und
damit zu zusätzlicher Belastung für die betroffenen Frauen.
Deshalb erhalten die eingeladenen Frauen heute ausführliche
Informationen über Nutzen und mögliche Nachteile der
Untersuchung.


In den vergangenen Jahren wurden die Ergebnisse des
Screening-Programms wissenschaftlich untersucht. Eine große
Studie zeigte, dass die Brustkrebssterblichkeit bei
Teilnehmerinnen des Programms um etwa 20 bis 30 Prozent niedriger
war als bei Frauen, die nicht teilnahmen. Die Forschenden
werteten dafür Daten aus vielen Regionen Deutschlands aus. Diese
Ergebnisse bestätigen frühere internationale Studien.


Heute gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für
Brustkrebs. Welche Therapie eingesetzt wird, hängt von mehreren
Faktoren ab. Dazu gehören die Größe des Tumors, das Alter der
Patientin und bestimmte biologische Eigenschaften der
Krebszellen. Oft werden mehrere Methoden kombiniert. Dazu gehören
Operationen, Strahlentherapie, Chemotherapie, antihormonelle
Therapie und moderne zielgerichtete Medikamente. In vielen Fällen
kann die Brust erhalten bleiben, was früher oft nicht möglich
war. Das bedeutet, dass sie nicht ganz entfernt wird.


Auch die Forschung zu den Ursachen von Brustkrebs hat große
Fortschritte gemacht. Es gibt nicht den einen Auslöser. Das
Risiko wird von vielen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören das
Alter, bestimmte genetische Veränderungen, hormonelle Einflüsse
und der Lebensstil. Bekannt sind zum Beispiel die Gene BRCA1 und
BRCA2. Frauen mit Veränderungen in diesen Genen haben ein
deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Deshalb
werden Familien mit einer starken Belastung heute oft genetisch
beraten.


In Deutschland gibt es außerdem spezialisierte Brustzentren. Dort
arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen
zusammen. Die Behandlung wird dadurch besser koordiniert. Viele
Patientinnen erhalten dort einen individuellen Therapieplan, der
auf ihre persönliche Situation abgestimmt ist.


Trotz aller medizinischen Fortschritte bleibt Brustkrebs ein
wichtiges Thema für das Gesundheitssystem. Jedes Jahr sterben in
Deutschland noch immer etwa 18.500 Menschen an dieser Krankheit.
Gleichzeitig zeigen die Statistiken, dass die Überlebenschancen
heute deutlich höher sind als früher. Dazu haben bessere
Behandlungsmethoden, eine stärkere Forschung und die
Möglichkeiten der Früherkennung beigetragen.


Was kann ich selber nun erzählen? Bei mir ging alles sehr
schnell. An einem Montag wurde der Brustkrebs entdeckt. Zwei Tage
später war ich für zwei Tage im Krankenhaus und es wurden viele
Tests gemacht, zum Beispiel Ultraschall, Mammografie und eine
Biopsie. Eine Woche später habe ich mit der Therapie begonnen.
Und zu den Kosten? Ich habe bis jetzt sehr wenig selber bezahlt.
Für den Aufenthalt im Krankenhaus musste ich pro Tag 10 Euro
bezahlen. Wenn ich Tabletten bekomme, zahle ich auch 5 bis 10
Euro pro Medikament in der Apotheke.


Auch finanziell sieht es in Deutschland zum Glück recht gut aus.
Wer fest angestellt ist, wird krankgeschrieben und bekommt
daraufhin Geld. Es gibt viele Sozialleistungen. Das bedeutet,
dass man zum Beispiel Hilfe bekommt im Haushalt, wenn es einem
schlecht geht. Ich bin selbständig und nicht fest angestellt.
Aber ich kann zum Glück auch gut weiterarbeiten momentan.


Außerdem gibt es viele Angebote für Erkrankte: Ich kann zu einer
Psychoonkologin gehen, das ist eine spezielle Therapeutin, die
sich mit Krebserkrankungen auskennt. Ich kann ein spezielles
Krafttraining machen. Es gibt viele Möglichkeiten. Ich bin sehr
froh, dass ich diese gute medizinische Betreuung in München in
Anspruch nehmen kann.


So, jetzt weißt Du mehr über Brustkrebs. Bitte hab Geduld, wenn
es mal länger keine Episode gibt. Dann weißt Du, dass ich mich
gerade um meine Gesundheit kümmere. Nächstes Mal geht es
jedenfalls wieder um ein ganz anderes Thema! Bis dahin! Deine
Annik.


Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg320kurz.pdf
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