Flucht aus der DDR – SG 315
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vor 3 Wochen
Heute habe ich wieder ein Thema aus der deutschen Geschichte
mitgebracht, wobei das noch gar nicht so lange her ist. Ich
möchte über die Flucht aus der DDR sprechen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland wie du
wahrscheinlich weißt in vier Besatzungszonen geteilt. Die
Gewinner USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien teilten sich
das Land auf. Aus diesen Zonen entstanden später zwei Staaten:
die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche
Demokratische Republik im Osten. Das war eine große Umstellung
für die Menschen, das können wir uns alle vorstellen. Viele
Menschen verließen in den ersten Jahren die DDR und gingen in den
Westen. Zwischen 1949 und 1989 sollen das insgesamt rund 3,8
Millionen Menschen gewesen sein. Um das zu stoppen, baute die DDR
im Jahr 1961 die Berliner Mauer. Sie trennte Ost- und West-Berlin
und wurde im Laufe der Zeit immer stärker gesichert.
Warum wollten die Menschen fliehen? Vor allem, weil sie Freiheit
wollten. Die DDR war ein diktatorisches Regime. Man wollte den
realen Sozialismus aufbauen, an sich eine gute Idee und das hat
auch in Teilen funktioniert. Aber eben nur in Teilen. Die
Menschen durften den Staat oder die Regierung nicht offen
kritisieren, es gab also keine Meinungsfreiheit. Die
Staatssicherheit, kurz Stasi, bespitzelte Menschen. Das bedeutet,
dass sie sie ausspionierte. Also heimlich überwachte. Man fühlte
sich also ständig überwacht und beobachtet. Es gab auch keine
Reisefreiheit. Oft entschied der Staat auch über die Berufswahl
der Menschen, man durfte also nicht immer den Weg gehen, den man
eigentlich gehen wollte.
Viele reisten dennoch legal aus, unter bestimmten Umständen war
das möglich. Der Rest war sozusagen eingesperrt. Wer raus wollte,
musste fliehen.
So, wie können wir uns die Teilung Deutschlands, also vor allem
die Mauer, vorstellen? Ich war leider nie vor der
Wiedervereinigung in Berlin. Ich war 13, als die Mauer fiel. Aber
natürlich kenne ich die Teile der Mauer, die heute noch stehen
und ein Denkmal sind. Die Mauer bestand allerdings nicht nur aus
Beton. Es gab Zäune, Gräben, Wachtürme, Scheinwerfer und
bewaffnete Grenzsoldaten. Auch an der ganzen innerdeutschen
Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik gab es ähnliche Anlagen.
Fluchtversuche waren lebensgefährlich. Viele Menschen wurden
entdeckt, verhaftet oder sogar erschossen. Trotzdem versuchten
immer wieder Menschen zu fliehen, auf ganz unterschiedliche
Weise. Etwa 140.000 bis 150.000 Menschen
schafften es in dieser Zeit zu fliehen.
Einige Menschen versuchten ihre Flucht über die Luft. Diese
Versuche nennt man heute „Mauerflüge“. Sie waren besonders
riskant, weil der Luftraum streng kontrolliert war. Die DDR
überwachte den Himmel mit Radar und hatte eine Flugabwehr.
Normale Bürger durften keine Flugzeuge besitzen oder frei
fliegen. Trotzdem fanden einige Menschen kreative Lösungen.
Ein sehr bekannter Mauerflug fand zum Beispiel im Jahr 1979
statt. Zwei Familien aus Thüringen bauten in ihrer Freizeit einen
großen Heißluftballon. Sie nähten dafür Stoffbahnen zusammen und
konstruierten einen Brenner. In einer Nacht starteten sie dann
mit acht Personen an Bord. Der Ballon stieg hoch genug, um die
Grenze zu überqueren, und landete schließlich in Bayern, also in
Westdeutschland. Diese Flucht wurde später weltweit bekannt. Sie
zeigte, dass auch einfache Materialien und viel Planung zu einer
erfolgreichen Flucht führen konnten. Aber was für einen Mut diese
Menschen haben mussten! Es gibt übrigens auch einen Spielfilm zu
diesem Thema, er heißt „Ballon“ und ist von 2018.
Neben Heißluftballons gab es auch andere Fluggeräte, die zur
Flucht verwendet wurden. Manche Menschen nutzten kleine
Motorflugzeuge oder Ultraleichtflugzeuge. In einzelnen Fällen
starteten sie von improvisierten Plätzen in der DDR und flogen
sehr niedrig, um nicht vom Radar entdeckt zu werden. Das war
extrem gefährlich, denn ein technischer Fehler oder schlechtes
Wetter konnte tödlich sein. Außerdem drohten bei Entdeckung lange
Haftstrafen.
Insgesamt waren aber Mauerflüge natürlich sehr selten im
Vergleich zu anderen Fluchtarten. Die Menschen sind eher durch
Tunnel geflohen oder mit gefälschten Papieren. Aber die
Mauerflüge bekamen viel Aufmerksamkeit, weil sie so spektakulär
waren.
An dieser Stelle muss ich aber auch erwähnen, dass es viele
Menschen nicht geschafft haben, zu fliehen. Es ist nicht so
leicht, verlässliche Zahlen zu finden, gesichert sind wohl 140
Menschen, die den Fluchtversuch über die Berliner Mauer nicht
überlebt haben. Sie wurden entweder von Grenzsoldaten erschossen
oder sie ertranken in der Spree. Rund 500, manche gehen auch von
doppelt so vielen aus, starben an der Grenze der DDR zur BRD. Und
das nur, weil sie ihre Freiheit wollten und dort leben, wo sie
selber es wollten. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor,
oder?
Noch ein Schlüsselwort, das du in diesem Zusammenhang kennen
musst: Republikflucht. So bezeichnete man damals die Flucht aus
der DDR. Wenn du die Wörter in diesem Text nicht verstehst, dann
schlag sie bitte nach. So vergrößerst du deinen Wortschatz mit
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