Die Münchner Sicherheitskonferenz – SG 317

Die Münchner Sicherheitskonferenz – SG 317

9 Minuten

Beschreibung

vor 1 Tag

Du weißt, dass ich in München lebe. Und heute beginnt hier in
München die Sicherheitskonferenz. Wir Münchner merken das zum
Beispiel dadurch, dass sehr viel Polizei in der Altstadt
unterwegs ist. Dass Autobahnen gesperrt werden. Dass man nicht
mehr durch den Bereich gehen darf, der um das Hotel „Bayerischer
Hof“ liegt. Denn dort findet die Konferenz statt. Und es wird
viele Demonstrationen geben, gegen die Sicherheitskonferenz, aber
auch zum Beispiel für die Menschenrechte im Iran. Das sind doch
genug Gründe, um heute mal über diese Konferenz zu sprechen,
oder?


Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ein jährliches Treffen, bei
dem Politikerinnen und Politiker, Militärs und Expertinnen und
Experten aus vielen Ländern zusammenkommen. Sie ist sozusagen ein
zentrales Forum für internationale Diskussionen über Sicherheit
und Frieden. Man spricht dort über Kriege, Bedrohungen durch neue
Technologien oder geopolitische Spannungen zwischen Staaten. Es
ist aber kein offizielles Staatstreffen, sondern eine privat
organisierte Veranstaltung.


Die Geschichte dieser Sicherheitskonferenz beginnt schon im Jahr
1963. Damals nannte man sie „Internationale Wehrkunde-Begegnung“.
Die Idee dazu hatte Ewald-Heinrich von Kleist, ein Offizier und
Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Sein Ziel war es, dass
sich Länder über Sicherheit austauschen und gemeinsam Probleme
lösen. Beim ersten Treffen waren nur wenige Teilnehmer dabei,
aber wichtige Persönlichkeiten wie der spätere Bundeskanzler
Helmut Schmidt und der US-Politiker Henry Kissinger gehörten
dazu. Das Treffen war bewusst in München, weil der Gründer einen
neutralen Ort suchte, an dem offene Gespräche möglich sind.


Im Laufe der Jahre hat sich die Konferenz stark verändert. In den
ersten Jahren, vor allem während des Kalten Krieges, war sie
relativ klein und diskret. Die meisten Gäste kamen aus Europa und
den USA. Nach dem Ende des Kalten Krieges wuchs die Konferenz
deutlich. Politiker und Staatschefs aus vielen Regionen der Welt
nahmen teil, etwa aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Heute gilt
die Münchner Sicherheitskonferenz als eines der wichtigsten Foren
der Welt, wenn es um Fragen der internationalen Sicherheit geht.


Ein besonderes Merkmal der Konferenz ist, dass sie keine
offiziellen Beschlüsse oder Verträge verabschiedet. Stattdessen
sollen Vertreterinnen und Vertreter von Staaten in ehrlichen
Gesprächen unterschiedliche Standpunkte kennen- und verstehen
lernen. Viele Treffen und Gespräche finden auch im kleinen Kreis
und informell statt. Diese Gespräche abseits der großen Podien
sind oft genauso wichtig wie die offiziellen Diskussionen.


Die 62. Münchner Sicherheitskonferenz findet vom 13. bis 15.
Februar 2026 statt. Sie wird erneut im Hotel Bayerischer Hof in
München organisiert, wie es in den vergangenen Jahrzehnten
Tradition ist. Fun Fact: Das ist übrigens das Hotel, in dem
Michael Jackson sein neugeborenes Kind aus dem Fenster gehalten
hat. Deswegen steht auch eine Michael Jackson-Statue vor der Tür.
Aber zurück zur Sicherheitskonferenz: 1000 Gäste werden erwartet,
aus 120 Staaten. Darunter mehr als 60 Staats- und
Regierungschefs, fast 100 Außen- und Verteidigungsminister sowie
viele weitere hochrangige Politikerinnen und Politiker.


Und damit die alle sicher sind bei der Sicherheitskonferenz, sind
5000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Normalerweise
kommen die nicht nur aus Bayern, sondern auch aus den anderen
Bundesländern. Da gibt es aber diesmal ein Problem, denn es ist
Fasching und Karneval. Andere Bundesländer haben also genug damit
zu tun, diese Veranstaltungen zu schützen. Daher kommt diesmal
sogar Verstärkung aus den Nachbarländern.


Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnet die
Sicherheitskonferenz offiziell. Am Samstag soll der
US-Außenminister Marco Rubio sprechen. Wer kommt noch? Zum
Beispiel der Sohn des 1979 im Iran gestürzten Schahs, Reza
Pahlavi. Vertreter des iranischen Regimes sind nicht eingeladen.
Und auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird
erwartet. Neben diesen großen Reden ist aber vor allem wichtig,
was die vielen Gäste abseits der Kameras und Mikrofone
besprechen.


Interessant fand ich übrigens ein Zitat des Leiters der Münchner
Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Er sagte, man will in
diesem Jahr das „kaputte Fahrrad“ der Beziehungen zwischen Europa
und den USA reparieren. Ich bin sehr gespannt, ob das
funktioniert.


In den vergangenen Jahren war die rechtsextreme und
rechtspopulistische Partei AfD nicht zur Sicherheitskonferenz
eingeladen worden. Letztes Jahr traf sich daraufhin die
AfD-Politikerin Alice Weidel demonstrativ in München mit JD
Vance. Dieses Jahr sind Mitglieder der AfD offiziell eingeladen.


Wir werden in den nächsten Tagen viel über diese Konferenz hören.
Und wir hier in München werden froh sein, wenn die SiKo dann
wieder vorbei ist.


Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg317kurz.pdf

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15