François Bausch: Wir müssen Menschen bewegen, nicht Fahrzeuge. Was wir von Luxemburg lernen sollten.

François Bausch: Wir müssen Menschen bewegen, nicht Fahrzeuge. Was wir von Luxemburg lernen sollten.

vor 4 Tagen
Was passiert, wenn ein Politiker zehn Jahre lang ein Verkehrsministerium führt - im Interesse aller, die mobil sein wollen, und nicht nur Jener, die ein Auto fahren können oder wollen. François Bausch war Verkehrsminister in Luxemburg.
33 Minuten
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Podcast
Podcaster
On the way to new mobility: Katja Diehl spricht alle 14 Tage mit Gästen über Mobilität statt Verkehr, Diversität, New Work, Inklusion, kindergerechte Stadt und das Mobilisieren auf dem Land.

Beschreibung

vor 4 Tagen
François hat eine Stadtbahn gegen den Widerstand von zwei Dritteln
der Bevölkerung gebaut. Er hat Fahrspuren für Autos in
Fahrradinfrastruktur umgewandelt. Und er hat 2020 kostenlosen
Nahverkehr eingeführt - nicht als politisches Gadget, sondern als
Kirsche auf einem Kuchen, den er vorher gebacken hat. Über diesen
Kuchen sprechen wir heute. Aber zuerst ein kurzes Wort in eigener
Sache. Dieser Podcast existiert, weil ich glaube, dass die
richtigen Gespräche geführt werden müssen - auch wenn sie unbequem
sind, auch wenn sie keine schnellen Lösungen liefern, auch wenn sie
länger brauchen als ein Nachrichtenformat - und auch, weil leider
nicht sehr viele intersektional in diesem Bereich arbeiten, also
menschenzentriert für Jene, die immer wieder vergessen werden. Ich
investiere in die Recherche, die Organisation, die Aufnahmen und
Nachbereitung Zeit, die bekanntermaßen Geld ist. Das mache ich
alles ohne Zahlschranke, weil ich möchte, dass alle an dem Wissen
teilhaben können. Zur Finanzierung meines Podcasts suche ich
deshalb Partner*innen, die zu meiner Arbeit und meiner großartigen
Community passen. Unternehmen, Organisationen oder Initiativen, die
Mobilität, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel nicht als
Kulisse nutzen, sondern selbst daran arbeiten. Wenn ihr Teil davon
sein wollt – als Förderer, als Kooperationspartner, als Sponsor
einer Folge oder auch eines ganzen Monats, dann meldet euch! In
dieser Folge sprechen wir über einen Weg, der nicht mit einer
großen Vision begann, sondern mit einer nüchternen
Bestandsaufnahme: eine Hauptstadt, komplett aufs Auto ausgerichtet.
Kaum Fahrradinfrastruktur. Eine Stadtbahn, die seit 30 Jahren
diskutiert wurde, ohne dass etwas passierte. Und
Investitionsrückstände in der Bahn, die sich über Jahrzehnte
aufgestaut hatten. François hat das systematisch abgearbeitet. Erst
als Beigeordneter Bürgermeister der Stadt Luxemburg, wo er einer
zentralen Brücke eine Autospur wegnahm - und damit einen Sturm der
Entrüstung auslöste. Dann als Minister, mit einem
Investitionsprogramm, das Prioritäten setzte, einem nationalen
Mobilitätsplan bis 2035 und dem Leitprinzip, das alles
zusammenhält: Wir müssen Menschen bewegen, nicht Fahrzeuge. Schön,
dass du reinschaltest! Meinen Podcast schon abonniert? Wenn dir
diese oder auch eine andere Folge gefällt, lass´ gern eine
Bewertung da und/oder supporte mich – vom wöchentlichen Newsletter
bis hin zu einzelnen Zahlungen – alles hilft. Eine Übersicht
findest du hier. Anfragen als Speakerin oder Moderatorin gern an
backoffice@katja-diehl.de! Die Stadtbahn ist dabei das
eindrücklichste Beispiel. Als Bausch das Projekt 2013 anschob,
waren nur 38 Prozent der Bevölkerung dafür. Er baute trotzdem -
ließ vorher einen maßstabsgetreuen Holzprototyp mitten in der
Innenstadt aufstellen, sammelte sechs Wochen lang Feedback aus der
Bevölkerung, integrierte Vorschläge sichtbar und öffentlich,
veranstaltete Tage der offenen Tür in der Werkstatt. Als die erste
Strecke eröffnet wurde, kippte die Stimmung: 80 Prozent Zustimmung.
Heute nutzen 140.000 Menschen täglich diese eine Linie. Und niemand
stellt das Projekt mehr in Frage. Der kostenlose Nahverkehr, für
den Luxemburg weltweit bekannt wurde, ist in diesem Gespräch fast
eine Randnotiz - und das mit Absicht. François erklärt, warum er
ihn selbst zunächst für „zu früh" hielt, unter welcher Bedingung er
zugestimmt hat, und warum er bei jedem Interview zum Gratisticket
die Journalist*innen bat, kurz zuzuhören: Dieser sei "nur" die
Kirsche auf dem Kuchen. Den Kuchen muss man erst backen. Das kostet
Investitionen, Qualität, Verlässlichkeit. Wer nur die Kirsche
hinsetzt, schafft Frustration. Deutschland bekommt von François
einen klaren Spiegel vorgehalten. Das Deutschlandticket ohne
Investitionsstrategie, der Tankrabatt als Reflex, das fehlende
Gesamtkonzept - er spart nicht mit Analyse und macht keinen Hehl
daraus, dass er das strukturelle Problem in Deutschland in
fehlenden Plänen sieht.
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