Maren Urner und Arne Semsrott: Was tun, wenn die Demokratie ins Wanken gerät?
vor 1 Woche
In dieser Folge von she drives mobility treffe ich zwei Menschen,
deren Arbeit auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein
könnte – und die doch zum selben Schluss kommen: Veränderung ist
möglich. Nicht durch Abwarten.
Podcast
Podcaster
On the way to new mobility: Katja Diehl spricht alle 14 Tage mit Gästen über Mobilität statt Verkehr, Diversität, New Work, Inklusion, kindergerechte Stadt und das Mobilisieren auf dem Land.
Beschreibung
vor 1 Woche
Maren bringt einen Begriff in die Runde, der hängen bleibt:
emotionale Unreife. Nicht als Beleidigung, sondern als Diagnose.
Wenn Parteien keine klaren Haltungen einnehmen, wenn Angst und
Unsicherheit in Floskeln verpackt werden, wenn niemand wirklich
darüber spricht, was die Menschen wirklich bewegt – dann betreiben
wir Pseudo-Politik. Aushandlungsprozesse, die an der Oberfläche
kratzen, aber nie an die Wurzeln gehen. Das Wort radikal kommt von
radix – Wurzel. Und genau da schauen wir nicht hin, sagt Maren. Wir
sehen das Laub, das fällt, aber nicht, was den Baum trägt. Arne
ergänzt die strukturelle Dimension: Die klassischen demokratischen
Parteien haben ihre Verbindungen zur Zivilgesellschaft gekappt –
zur Kirche, zu Verbänden, zu engagierten Öffentlichkeiten. Und wenn
diese Korrektur von außen fehlt, wenn keine Ideen und Impulse mehr
hineinkommen, dann beschleunigt sich der Radikalisierungsprozess
von innen. Ich freue ich mich über deinen Support! Meinen
Podcast schon abonniert? Wenn dir diese oder auch eine andere Folge
gefällt, lass´ gern eine Bewertung da und/oder supporte mich von
Ko-fi bis Wero: hier. Warum die AfD emotionale Räume besetzt,
die andere aufgegeben haben Es geht gar nicht um Argumente, sagt
Maren. Es geht um das Gefühl von Zugehörigkeit. Die AfD geht dahin,
wo demokratische Parteien nicht mehr hingehen: auf Volksfeste, an
Stammtische, an Grillpartys. Sie bietet das, was unser soziales
Zusammenleben im Kern ausmacht. Und wenn Menschen dann befragt
werden, warum sie die AfD gewählt haben, können sie oft kein
Argument nennen – weil es kein Argument war. Es war eine Emotion.
Es war: die haben mich gesehen. Wenn man das versteht, versteht man
auch, warum Lachen über Rechtschreibfehler in Nazi-Posts keine
politische Strategie ist. Man trifft nicht das Argument – man
trifft die Identität. Und dann fühlt sich die Person angegriffen,
nicht überzeugt. Hoffnung ist nicht Optimismus – und das ist der
Unterschied Der wohl wichtigste Moment der Folge kommt, wenn Maren
erklärt, was Hoffnung wirklich ist. Nicht Wunschdenken. Nicht
Optimismus. Nicht magical escape fantasies. Hoffnung ist, in der
Forschungssprache, die Überzeugung, you can get there from here.
Sie besteht aus zwei Zutaten: der Willenskraft, von A nach B zu
kommen – und der Vorstellung konkreter Wege, wie das gelingen
könnte. Wer beides hat, ist ein High Hoper. Wer eines davon nicht
hat, bleibt passiv. Und das, sagt Maren, ist politisch relevant:
Passive Menschen lassen sich leichter manipulieren. Wer glaubt,
nichts verändern zu können, verändert nichts. Wer keine Wege sieht,
fängt nicht an. Ein schönes Bild, was Maren findet: Angst und
Hoffnung sind Erzfeindinnen - aber Angst tarnt sich gern als
Hoffnung. Sie beschäftigt sich mit der Zukunft, sie fühlt sich
bedeutsam an. Aber sie lähmt. Hoffnung hingegen aktiviert. Und sie
hat kein Verfallsdatum. Arne sagt dazu: Ich bin kein Optimist, ich
bin Pessimist. Pessimismus des Geistes, vielleicht Optimismus des
Tuns. Genau das, sagt er, ist Hoffnung: nicht zu glauben, dass es
gut wird – sondern zu handeln, weil Handeln der einzige Weg ist.
Gegenmacht: Was Zivilgesellschaft wirklich kann Arnes neues Buch
ist, wie er selbst sagt, das letzte Kapitel seines vorigen Buches –
ausgebreitet. Das vage Hoffnungskapitel, das in vielen Sachbüchern
hilflos am Ende klebt, ist hier die eigentliche Mitte. Er hat sich
angeschaut, wo Zivilgesellschaft wirksam ist und warum. Was er
gefunden hat: Es gibt überall Menschen, die mit Witz, Charme und
Cleverness Veränderungen bewirken. Über direktdemokratische
Verfahren wie den Hamburger Zukunftsentscheid. Über lokale
Bündnisse in Sachsen-Anhalt, die Mehrheiten organisieren, bevor
überhaupt gewählt wird. Über Initiativen wie Berlin Autofrei – die
auch dann ein Erfolg sind, wenn sie nicht zur Abstimmung gelangen.
Und das alles, so Arne, wird kaum berichtet. Nicht weil es nicht da
wäre. Sondern weil die Menschen, die das Richtige machen, keine
Zeit haben für Kommunikation.
emotionale Unreife. Nicht als Beleidigung, sondern als Diagnose.
Wenn Parteien keine klaren Haltungen einnehmen, wenn Angst und
Unsicherheit in Floskeln verpackt werden, wenn niemand wirklich
darüber spricht, was die Menschen wirklich bewegt – dann betreiben
wir Pseudo-Politik. Aushandlungsprozesse, die an der Oberfläche
kratzen, aber nie an die Wurzeln gehen. Das Wort radikal kommt von
radix – Wurzel. Und genau da schauen wir nicht hin, sagt Maren. Wir
sehen das Laub, das fällt, aber nicht, was den Baum trägt. Arne
ergänzt die strukturelle Dimension: Die klassischen demokratischen
Parteien haben ihre Verbindungen zur Zivilgesellschaft gekappt –
zur Kirche, zu Verbänden, zu engagierten Öffentlichkeiten. Und wenn
diese Korrektur von außen fehlt, wenn keine Ideen und Impulse mehr
hineinkommen, dann beschleunigt sich der Radikalisierungsprozess
von innen. Ich freue ich mich über deinen Support! Meinen
Podcast schon abonniert? Wenn dir diese oder auch eine andere Folge
gefällt, lass´ gern eine Bewertung da und/oder supporte mich von
Ko-fi bis Wero: hier. Warum die AfD emotionale Räume besetzt,
die andere aufgegeben haben Es geht gar nicht um Argumente, sagt
Maren. Es geht um das Gefühl von Zugehörigkeit. Die AfD geht dahin,
wo demokratische Parteien nicht mehr hingehen: auf Volksfeste, an
Stammtische, an Grillpartys. Sie bietet das, was unser soziales
Zusammenleben im Kern ausmacht. Und wenn Menschen dann befragt
werden, warum sie die AfD gewählt haben, können sie oft kein
Argument nennen – weil es kein Argument war. Es war eine Emotion.
Es war: die haben mich gesehen. Wenn man das versteht, versteht man
auch, warum Lachen über Rechtschreibfehler in Nazi-Posts keine
politische Strategie ist. Man trifft nicht das Argument – man
trifft die Identität. Und dann fühlt sich die Person angegriffen,
nicht überzeugt. Hoffnung ist nicht Optimismus – und das ist der
Unterschied Der wohl wichtigste Moment der Folge kommt, wenn Maren
erklärt, was Hoffnung wirklich ist. Nicht Wunschdenken. Nicht
Optimismus. Nicht magical escape fantasies. Hoffnung ist, in der
Forschungssprache, die Überzeugung, you can get there from here.
Sie besteht aus zwei Zutaten: der Willenskraft, von A nach B zu
kommen – und der Vorstellung konkreter Wege, wie das gelingen
könnte. Wer beides hat, ist ein High Hoper. Wer eines davon nicht
hat, bleibt passiv. Und das, sagt Maren, ist politisch relevant:
Passive Menschen lassen sich leichter manipulieren. Wer glaubt,
nichts verändern zu können, verändert nichts. Wer keine Wege sieht,
fängt nicht an. Ein schönes Bild, was Maren findet: Angst und
Hoffnung sind Erzfeindinnen - aber Angst tarnt sich gern als
Hoffnung. Sie beschäftigt sich mit der Zukunft, sie fühlt sich
bedeutsam an. Aber sie lähmt. Hoffnung hingegen aktiviert. Und sie
hat kein Verfallsdatum. Arne sagt dazu: Ich bin kein Optimist, ich
bin Pessimist. Pessimismus des Geistes, vielleicht Optimismus des
Tuns. Genau das, sagt er, ist Hoffnung: nicht zu glauben, dass es
gut wird – sondern zu handeln, weil Handeln der einzige Weg ist.
Gegenmacht: Was Zivilgesellschaft wirklich kann Arnes neues Buch
ist, wie er selbst sagt, das letzte Kapitel seines vorigen Buches –
ausgebreitet. Das vage Hoffnungskapitel, das in vielen Sachbüchern
hilflos am Ende klebt, ist hier die eigentliche Mitte. Er hat sich
angeschaut, wo Zivilgesellschaft wirksam ist und warum. Was er
gefunden hat: Es gibt überall Menschen, die mit Witz, Charme und
Cleverness Veränderungen bewirken. Über direktdemokratische
Verfahren wie den Hamburger Zukunftsentscheid. Über lokale
Bündnisse in Sachsen-Anhalt, die Mehrheiten organisieren, bevor
überhaupt gewählt wird. Über Initiativen wie Berlin Autofrei – die
auch dann ein Erfolg sind, wenn sie nicht zur Abstimmung gelangen.
Und das alles, so Arne, wird kaum berichtet. Nicht weil es nicht da
wäre. Sondern weil die Menschen, die das Richtige machen, keine
Zeit haben für Kommunikation.
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