Behind Max Richard Leßmann

Behind Max Richard Leßmann

vor 1 Tag
Wie aus täglichen Instagram-Gedichten ein Spiegel-Bestseller wurde
1 Stunde 20 Minuten
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Podcast
Podcaster
Behind the Scenes. Der Branding, Marketing und Business Podcast

Beschreibung

vor 1 Tag

Max Richard Leßmann arbeitet mit Worten. Mit 14 gründete er eine
Band, davor schrieb er schon Gedichte. Über die Musik kam er mit
Künstlern verschiedener Genres in Kontakt. Seit fast neun Jahren
postet er jeden Tag ein Gedicht auf Instagram. Heute hat er knapp
180.000 Follower, einen Spiegel-Bestseller und einen Roman
geschrieben, "Sylter Welle", eine Liebeserklärung an seine
Großeltern.


Sein erstes einschneidendes Kunsterlebnis: mit etwa zehn hörte er
Falcos "Genie" im Radio und war so aufgewühlt, dass er die
Polizei anrufen wollte. Da merkte er, was Kunst in einem auslösen
kann. Als Kind mit ADHS hat er sich oft verloren gefühlt, ist
angeeckt, hatte das Gefühl, im System Schule nicht zu
funktionieren. Aber in der Musik, im Theater, in der Literatur
war auf einmal etwas, das er konnte.


Die ersten drei Jahre hat seine tägliche Gedicht-Routine kaum
jemanden interessiert. Er hat in den luftleeren Raum geschrieben.
Dann wurde es geteilt, eine Community entstand. Warum er
weitermachte, obwohl es niemanden interessierte? Er würde keine
Videos machen, die niemand guckt. Aber er würde jeden Tag
schreiben, auch wenn es niemand liest. Das ist seine natürlichste
Ausdrucksform. Oft nimmt er sich gar nichts vor, die Worte setzen
sich in ihm zusammen, fließen aus dem Stift, und er ist selbst
überrascht.


Mit 16 oder 17 traf er Casper nach einem Konzert in Flensburg,
vor 120 Leuten, noch vor dem XOXO-Album. Casper sagte ihm: diesen
Text hätte ich gerne selber geschrieben. Dieser Moment hat ihn
über Jahre getragen, durch tiefe Täler gebracht, weil da ein
Mensch war der ihn verstand. Später durfte er an einem
XOXO-Refrain mitarbeiten, der wurde aber nicht genommen. Wieder
das Gefühl: nicht gut genug. Aber Caspers Wertschätzung war so
groß, dass er ihn an Prinz Pi weiterempfahl. Aus dem Niederschlag
wurde ein Umweg. So kam er zum Album Kompass ohne Norden, später
zum Hinterland-Song La Rue Morgue, zur Arbeit mit Clueso.


Die Arbeit mit Casper war immer das Schwierigste. Einmal saß er
mit Casper, Drangsal, Arzumjot und Olsen zwei Stunden lang an
einer einzigen Zeile. Leichtigkeit ist für ihn, auch wegen seiner
psychischen Geschichte, oft ein schwer erreichbarer Zustand. In
der Kunst aber entstehen die besten Sachen genau dann, wenn man
leicht ist und Spaß hat. Mit Clueso schreit er sich vor Freude
an.


Sein Schreiben ist Befreiung. Er sitzt in einem fensterlosen Raum
und schafft sich Türen und Fenster durch Worte. Mit Stift und
Papier kommt er aus der Depression, aus den dunklen Gedanken.
Seine höchste Form: in einfachen, klaren, knappen Worten komplexe
Gefühle zu kondensieren, sodass jemand denkt, genau so versuche
ich es schon immer zu erklären.


An Schreibblockaden glaubt er nicht. Das Gefühl, dass nichts
rauskommt, hat mit Erwartungen, Ängsten und Bewertungen zu tun,
nicht mit der Sache selbst. Solange man Gedanken hat, kann man
schreiben.


Die rosa Balaclava trägt er das ganze Jahr, auch im Sommer. Eine
Art Rückzugsort mit Fenstern nach draußen, eine
365-Tage-Umarmung.


Sein bester Ratschlag kam von Herbert Grönemeyer. Es ging ihm an
dem Tag nicht gut, er fühlte sich wie vorm Tor mit einem Krampf
im Bein. Grönemeyer sagte: ändere nicht dein Rezept. Der größte
Fehler erfolgreicher Leute sei zu denken, jetzt müsse man
besonders clever sein. Bleib bei dem, wie du es immer gemacht
hast, das hat dich hierher gebracht. Der schlechteste Ratschlag,
den er oft bekam: das ist kein Beruf, davon kann man nicht leben.


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