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Beschreibung
vor 4 Tagen
Ich nenne es für mich gerade krebsinduzierte Neurodivergenz.
Nicht, weil Krebs aus einem Menschen einfach einen anderen
Neurotyp macht. Sondern weil eine schwere Erkrankung, Todesangst,
Entzündung, Chemotherapie, Medikamente, Steroide, Kontrollverlust
und die Angst vor einem Rezidiv das Nervensystem so belasten
können, dass in der Akutzeit plötzlich keine Kapazität mehr übrig
bleibt.
Bei mir war diese Kapazität vor allem während der Therapien weg.
Ich hatte keine Kraft mehr, souverän zu wirken, Gespräche
auszuhalten, Rollen zu erfüllen oder weiter so zu funktionieren,
als wäre ich noch derselbe Mensch wie vorher.
Erst später, während der Traumaverarbeitung, habe ich verstanden,
woran das eigentlich lag.
Diese fehlende Kraft war nicht nur eine Folge von Krebs. Sie hat
sichtbar gemacht, wie viel Energie ich schon vorher dafür
verbraucht hatte, zu maskieren, mich anzupassen und gegen meine
eigene Wahrnehmung zu leben.
Krebs hat das nicht erfunden. Krebs hat mir in der Akutzeit nur
die Kapazität genommen, es weiter zu überspielen.
Ein paar Gedanken über krebsinduzierte Neurodivergenz, Maskieren,
Sinnlosigkeit, Akuttherapie, Trauma, Sympathikus, Parasympathikus
und die Frage, warum man nach so einem Kollaps vielleicht gar
nicht mehr ins alte Leben zurück sollte.
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