Folge 154: Schwimmen in Israel

Folge 154: Schwimmen in Israel

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

Die ersten Freibäder in Berlin und anderswo in Deutschland sind
bereits geöffnet, aber während wir unter freiem Himmel unsere
ersten Bahnen ziehen, wollen wir weiterhin schauen, wie es
eigentlich andere Länder mit dem Schwimmen so handhaben. Diesmal
geht es nach Israel, wir reden mit Jörg Poppendieck, der seit
2024 als Korrespondent der ARD immer wieder über das Land im
Nahen Osten berichtet und dort auch regelmäßig schwimmen geht.


Für ihn ist es vor allem ein Ausgleich zu der doch sehr
anstrengenden Arbeit dort. Oft geht er deshalb schon früh am
Morgen schwimmen, am liebsten in den Gordon Pool in Tel Aviv, ein
50-Meter-Schwimmbecken mit Aussicht aufs Mittelmeer. Aber warum
braucht es einen Pool, wenn man doch auch im Meer schwimmen
könnte? Das hat sich Jörg auch gefragt und herausgefunden, dass
beim Bau des Gordon Pools in den 1950er Jahren das Wasser im Meer
längst nicht die Qualität hatte wie heute. Damals flossen die
Abwässer noch ungeklärt ins Mittelmeer, was heute nur noch bei
sehr starken Regenfällen vorkommt, wenn die Kanalisation
überlastet ist.


Der Gordon Pool hat das ganze Jahr über geöffnet, bei einer
Wassertemperatur von stabilen 24 Grad, leicht salziges Wasser,
das jeden Tag frisch aus 150 Meter Tiefe gepumpt wird. Ein
öffentliches Bad, von denen es in Israel allerdings nur sehr
wenige gibt. Und wenn, dann sind sie sehr teuer, umgerechnet 20
Euro kann man für den Eintritt dort locker loswerden.


Viele gehen deshalb auch lieber ins Mittelmeer - wenn sie denn
dort leben. Hier herrscht ein reges Treiben, es gibt
Strandspielzeug, das allen zur Verfügung steht, Rettungsschwimmer
haben das Geschehen im Auge und Wellenbrecher parallel zur Küste
sorgen dafür, dass die Strömung auch für unsichere
Schwimmer:innen beherrschbar ist. Quallen und Haie soll es dort
zwar auch geben, aber zumindest Jörg hat noch keine gesehen. Für
orthodoxe Israelis gibt es getrennte Bereiche für Frauen und
Männer am Strand.


Der Talmud sagt übrigens, das Erlernen des Schwimmens sei eine
lebenswichtige Fertigkeit und elterliche Pflicht, diese ihren
Kindern beizubringen - womit allerdings nur die Söhne gemeint
sind. Verpflichtenden Schwimmunterricht an Schulen gibt es nur in
Orten, die in der Nähe der Küste liegen. Während in Westjerusalem
seit 1967 immerhin 18 kommunale Schwimmbäder gebaut wurden, gibt
es in Ostjerusalem kein einziges. 2022 sollte hier endlich ein
modernes Sportzentrum mit drei Schwimmbecken entstehen, doch
dieses Vorhaben wurde durch die Ereignisse am und seit dem 7.
Oktober 2023 erstmal auf Eis gelegt.


Jörg war auch schon mal im Toten Meer, mit 30 Prozent Salzgehalt
allerdings weniger zum Schwimmen als zum Schweben geeignet.
Außerdem gibt es in der Negev-Wüste kleine Oasen, in denen man
schwimmen kann - allerdings eher was für Hartgesottene.


Im Spitzensport hat Israel durchaus Erfolge - Anastasia Gorbenko
gewann 2024 als erste israelische Schwimmerin überhaupt eine
Medaille bei Weltmeisterschaften, Silber über 400 Meter Lagen.
Seit einiger Zeit gibt es zudem einen großen Olympiastützpunkt
nördlich von Tel Aviv.


Jörg erzählt auch, wie es ist, wenn in Israel plötzlich der Alarm
ertönt, weil es zu Luftangriffen kommt. Beim Schwimmen ist ihm
das noch nicht passiert, allerdings gibt es mittlerweile viele
Menschen, die sich so an den Alarm gewöhnt haben, dass sie
trotzdem im Meer schwimmen gehen.


Wenn Jörg in Israel ist, berichtet er auch über das
Westjordanland und den Gaza-Streifen, auch wenn er dort als
Journalist zur Zeit nicht reinkommt. Aber er weiß von Kollegen,
dass die wenigen Schwimmbäder und Pools im Gaza-Streifen durch
den Krieg zerstört wurden und das Mittelmeer nicht ungefährlich
ist. Die Kläranlagen sind ebenfalls kaputt, zudem ist dort die
israelische Marine häufig mit Schnellbooten unterwegs.


Im besetzten Westjordanland gibt es zwar Schwimmbäder, aber
aufgrund der vielen Checkpoints ist es schwer, dorthin zu
gelangen. Und von Ramallah aus kann man zwar direkt aufs
Mittelmeer schauen - aber hin kommt man nicht.
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