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  4. Folge 153: SEZ - Es wird nie wieder, wie es war
Heute machen wir mal eine Reise in die Vergangenheit: Als das
Berliner Sport- und Erholungszentrum SEZ 1981 eröffnet wurde, war
es nicht nur für die DDR, sondern europaweit einzigartig. Das
multifunktionale Gebäude sah aus wie ein Raumschiff, ein
futuristischer Spaßtempel, der nicht nur architektonisch
hervorstach, sondern schon im ersten halben Jahr mehr als zwei
Millionen Besucher anlockte. Das Herzstück war eine
Schwimmlandschaft mit sieben teils ineinander laufenden Becken,
Wellenbad, Sprungturm, Kaskadenbecken, Außenbecken, einer
Saunalandschaft und so genannten Bräunungsebenen, kurz: Solarien.
Doch das SEZ war noch viel mehr: Es gab allein zehn verschiedene
gastronomische Einrichtungen, eine Eis- und eine Rollschuhbahn,
Fitnessstudios, eine Sporthalle, eine Bowlinganlage, Gymnastik-
und Ballettsäle, Veranstaltungsräume, eine Kampfsportschule,
einen Friseur, einen Kindersportgarten und vieles, vieles mehr.

Es war ein Geschenk der SED, um das Volk bei Laune zu halten,
hieß es damals - und das Volk war begeistert. Auch im Westteil
der Stadt, dort allerdings auch ein wenig neidisch, denn so eine
ungewöhnliche Anlage suchte man hier vergebens.

Heute ist das SEZ schon seit vielen Jahren eine Ruine.
Eingezäunt, mit blinden Fenstern und voller Graffities liegt das
Gebäude völlig leblos an der Landsberger Allee im Berliner
Stadtteil Friedrichshain. Seit Jahren brennt der Streit darum. ob
man das SEZ wiederbeleben oder doch besser abreißen soll. Seit
Jahren kämpfen Initiativen für den Erhalt, will die Stadt hier
lieber Wohnungen bauen.

Wir wollten wissen: Wie war das damals eigentlich? Und haben uns
sehr gefreut, dass wir einen der letzten Badleiter des SEZ für
unseren Podcast gewinnen konnten: Jürgen Reinhardt, mittlerweile
86 Jahre alt. Mit dabei auch die Schwimmmeisterin Brigitte Kabbe,
die ihm damals zur Seite stand, sowie die Sportlehrerin Monika
List, die sogar 1981 bei der Eröffnung dabei war. Wir treffen uns
zum Kaffeeklatsch in Jürgen Reinhardts Wohnung in Berlin-Treptow.
Und spätestens als er den Rettungsring hervorholt, den ihm seine
damaligen Kollegen und Kolleginnen zum 60. Geburtstag geschenkt
haben, schwelgen alle wieder in Erinnerungen.

Alle drei haben ihre Arbeit im SEZ über alles geliebt. Und von
ihr profitiert: Wer im SEZ angestellt war, konnte eine
Neubau-Wohnung aus dem so genannten SEZ-Kontingent bekommen.
Jürgen schwärmt vor allem vom Kollektiv, von der Gemeinschaft im
SEZ. Brigitte von der herrlichen Schwimmlandschaft, auch wenn man
immer wieder aufpassen musste, dass man nicht den Überblick
verliert. Wenn sich Erwachsene zu sehr für Kinder interessierten,
beispielsweise. Oder jemand die Sanitäranlagen mit Kot
verschmierte. Und Monika schwärmt von der Bauzeit des SEZ, die
sie ebenfalls schon miterlebt hat: „Das war damals schon
herrlich!“ Jürgen erzählt von der Interflug, die im Becken
Rettungsversuche geübt hat. Von der Mitternachtssauna. Dem
Weihnachtsschwimmen. Und der Love-Parade, die in den 1990ern auch
im SEZ mal Station machte.

Rund 1000 Sportlehrer:innen arbeiteten zur DDR-Zeit im SEZ,
berichtet Monika. Und dass sie mal einen Surf-Kurs ausarbeiten
sollte, was sie heute noch amüsiert. Und Brigitte erinnert sich
an ganze Busladungen, die angefahren kamen, um das SEZ zu
besuchen.

Was deutlich wird: Dass der Westen in der Nachwendezeiten solche
Lieblingsorte wie das SEZ nicht wertschätzen konnte, dass der
Berliner Senat es am Ende zugelassen hat, dass ein solcher
Publikumsmagnet erst an einen Investor geht und dann mehr oder
weniger verfällt - das trifft nicht nur unsere drei
Gesprächspartner bis ins Mark. Auch uns wird nochmal bewusst, wie
rüde man damals (und mitunter bis heute) mit dem umgegangen ist,
was die Identität vieler Menschen im Osten ausmacht.

Denn auch wenn sich die drei am Ende einig sind, dass man das SEZ
wohl nicht mehr wiederbeleben kann - der Schmerz über dieses Ende
und das Gefühl auch der eigenen Wertlosigkeit wirkt bis heute
nach.
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„Folge 153: SEZ - Es wird nie wieder, wie es war“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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