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  4. #9 Wir essen alle immer Gentechnik. Robert Hoffie, Biotechnologe
„Ih! Gentechnik!“ Wer würde schon freiwillig etwas essen, das
gentechnisch verändert wurde? Also schnell den Aufkleber auf die
Butter in der Auslage kleben. Das Problem: Jede Nutzpflanze in
der Landwirtschaft heute ist das Ergebnis von Zucht. Das heißt:
Ihre Gene wurden massiv verändert.

Die Reflexe scheinen zu sitzen, wenn „Gentechnik-frei“ im
Supermarkt als Gütesiegel auf Lebensmitteln prangt. Ein Paradox,
sagt Robert Hoffie. Er forscht am Leibniz-Institut in Gatersleben
an Methoden, die Gene von Nutzpflanzen sehr gezielt zu verändern.
Das, so Robert, ist auch der entscheidende Unterschied zwischen
heutiger Gentechnik und klassischen Zuchtmethoden: Die
Zielgenauigkeit. Letzere arbeiten mit ungesteuertem Zufall, die
Genschere hingegen erlaubt Eingriffe an der Stelle, wo eine
gewünschte Veränderung sitzt.

Von einer Generation einer Pflanze auf die nächste gibt es immer
wieder Fehler beim Kopieren des genetischen Codes, manchmal
schlicht Schäden, jedenfalls Veränderungen. Ein Züchter macht
nicht viel mehr, als die Pflanzen mit den passendsten
Veränderungen zu identifizieren, um diese wiederum zu vermehren.
Ein eher langwieriger Prozess. In den 1920er Jahren haben Züchter
diesen Vorgang beschleunigt, indem sie die Pflanzen mit
Röntgenstrahlung beschossen haben. Ergebnis: Mehr Mutationen, das
freut das Züchterherz. In den 1950ern dann dasselbe mit
radioaktiver Strahlung. Lecker. Das Ergebnis wurde „Atomic
Gardening“ angepriesen. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar –
allerdings gehen nahezu alle Sorten Braugerste, die heute
weltweit im Einsatz sind, auf genau dieses „Atomic gardening“
zurück. Prost!

Robert weist auf den Faktor Zeit hin. Neben allem anderen braucht
klassische Zucht viel Zeit, um eine Generation Pflanze nach der
nächsten hervorzubringen. Leider zuviel Zeit, gemessen an unserem
knappen Zeitfenster. Die klimatischen Veränderungen, die Böden,
neue Schädlinge und Krankheiten, viele Rahmenbedingungen
verlangen schon in sehr naher Zukunft Pflanzen, die es so heute
noch nicht gibt – und die mit herkömmlicher Zucht auch nicht
rechtzeitig entstehen werden. Wenn wir also in zehn Jahren in
Mitteleuropa noch Landwirtschaft betreiben wollen ...

Da fruchtbares Land unsere knappste Ressource ist, bedeutet wahre
Nachhaltigkeit heute: Ertragssicherung auf minimaler Fläche, um
der Natur unberührten Raum zu geben. Ein Blick in den
Werkzeugkasten der Zukunft – behutsamer, schneller und
natürlicher, als es das Etikett im Supermarkt vermuten lässt.

Zu Gast:

Dr. Robert Hoffie, Biotechnologe am Leibniz-Institut für
Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben

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„#9 Wir essen alle immer Gentechnik. Robert Hoffie, Biotechnologe“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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