#7 Die Energiewende wird im Netz entschieden. Hauke Jürgensen, Siemens Energy

#7 Die Energiewende wird im Netz entschieden. Hauke Jürgensen, Siemens Energy

vor 4 Tagen
43 Minuten
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Beschreibung

vor 4 Tagen

Das verkannte Zukunftsthema in der Energiewende: Ohne Netze ist
alles nichts. Ein Gespräch mit Hauke Jürgensen, Senior VP Grid
Solutions bei Siemens Energy, über (fast) alles, das man über die
Stromnetze von heute und morgen wissen muss.


Die Energiewende scheitert nicht zuerst am Windrad, sondern an
der Illusion, Strom sei bloß etwas, das aus der Steckdose kommt.
Tatsächlich ist Elektrizität ein permanenter Balanceakt im Netz:
Frequenz, Spannung, Last, Trägheit. Früher erledigte die Physik
einen Teil dieser Arbeit fast nebenbei. Die großen rotierenden
Massen der Kraftwerke pufferten das Netz, ohne dass irgendwer
darüber sprechen musste. Wann immer alle Haushalte gleichzeitig
die Waschmaschine bestückt oder Fabriken große Stromverbraucher
angeschaltet haben, die Trägheit der Kraftwerksmaschinen sorgte
für Stabilität. Jetzt, da diese Welt verschwindet, muss
Intelligenz an ihre Stelle treten - in Form von Software,
Leistungselektronik und Maschinen, die in Millisekunden
entscheiden und reagieren kann.


Hauke Jürgensen, verantwortlich für Stromnetze bei Siemens
Energy, beschreibt damit eine stille Revolution. Das Netz wird
vom passiven Leitungsgebilde zur lernfähigen Infrastruktur.
Wobei: Warum nutzen wir nicht einfach Batterien? Antwort: Viel zu
langsam. Hauke beschreibt ein Vorreiterprojekt mitten in
Niedersachsen. Hier löst eine neue Generation von
Superkondensatoren (für das Bild im Kopf: Jede Menge Coladosen in
einer gut abgeschirmten Lagerhalle) das Problem; kann binnen
Millisekunden Leistung und Frequenz stabilisieren, bevor der
Mensch überhaupt bemerkt, dass etwas aus dem Takt geraten ist.
Denn das ist das Ziel: Niemand soll etwas bemerken, dann ist
alles gut im Netz.


Darin steckt auch eine politische Pointe: Wer über Energie redet,
aber Netze übersieht, verwechselt Erzeugung mit Versorgung. Das
Rückgrat der neuen Welt sind nicht allein Solarparks und
Offshore-Anlagen, sondern Korridore, Schalter, Algorithmen und
Menschen, die Unsichtbares beherrschbar machen. Die beste Zukunft
des Stroms bleibt deshalb eine, in der alles komplizierter wird –
und für uns trotzdem so wirkt, als sei es ganz einfach.


Zu Gast:


Hauke Jürgensen, Senior VP Grid Solutions bei Siemens Energy


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