Podcaster
Episoden
08.01.2026
54 Minuten
Zahnpasta tötet. Mindestens Tulpen. Axel Kaiser macht daraus kein
Geheimnis - und erst recht keinen Marketinggang. Es ist der
drastischste Beleg für eine radikale Erkenntnis: Zahnpasta ist
nicht nur überflüssig, sondern regelrecht gesundheitsschädlich.
Karies ist auch kein natürlicher Zustand, den es zu unterbinden
gilt, sondern schlicht das Ergebnis falscher Pflegegewohnheiten,
eines fest etablierten Geschäftsmodells und einer festen
Überzeugung, die wir seit Kindertagen mit uns herumtragen:
Zähneputzen tut Not. Denttabs hält mit Tabletten zur Zahnpflege
dagegen, einem Produkt, das nicht heilt, sondern schlicht nicht
schadet - und damit alles verändert.
Müssten die Großen der Dentalbranche nicht darauf reagieren? Der
Bruch mit der Zahnpasta wäre offentlichlich zu groß. Nicht aus
Böswilligkeit, sondern aus struktureller Trägheit. Ein Stück
Zellulose, also: Holz, soll die Lösung sein?
Was also, wenn richtig schon immer falsch war? Axel meint dies
durchaus als Aufruf zur Selbstermächtigung. Wer sich gegen die
Überzeugungen aus unserer Kindheit entscheidet, gegen Zahnpasta,
sagt auch: Ich treffe Entscheidungen selbst. Genau darin liegt
der utopische Kern seiner Zahnputztabletten.
Axel und Michael sprechen auch über die Geschichte des
Unternehmens Denttabs. Der Versuch, einen Investor für Wachstum
und Ausbau zu finden, endete im Oktober 2025 - mit der Insolvenz.
Was nach Ende klingt, entpuppte sich als Anfang: Eine
beispiellose Welle der Solidarität begann auf LinkedIn. Die
Verkaufszahlen vervielfachten sich binnen Tagen und schließlich
kam eine unverhoffte Lösung in Form einer gemeinnützigen AG zu
Denttabs. Es hebe die Hand, wer vorher wusste, dass es die Form
einer gAG überhaupt gibt. Über dieses Instrument ermöglicht
Denttabs die unkomplizierte Investition - und sobald Gewinne
entstehen, kommen die den gemeinnützigen Zwecken der gAG zu Gute.
Win win. Und für die Zähne auch: Win.
Axel wird ebenso wie der gAG-Investor Mario Erdmann auf dem "The
Elephant"-Festival am 13. Januar 2026 in Leipzig sprechen. Wer
kurzfristig noch dabei sein will:
https://www.carls-zukunft.de/festival-2026-jetzt-die-letzten-tickets-sichern/
Zu Gast:
Axel Kaiser, Gründer von Denttabs
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25.12.2025
44 Minuten
Wenn zwei Sprachbots einen Podcast machen würden, wäre das
Resultat vermutlich fehlerfrei, formvollendet – und vollkommen
uninteressant. Denn echte Kommunikation lebt von etwas, das
jenseits der Rechenleistung liegt: dem Überraschenden, dem
Unplanbaren, dem menschlichen Impuls, der nicht nur wiederholt,
was schon gesagt wurde. Wolfgang Lüdenbürger-Reidenbach bringt
diesen Gedanken mit einer entwaffnenden Klarheit auf den Punkt:
Künstliche Intelligenz kann helfen, sortieren, neu kombinieren –
aber nicht das echte Neue hervorbringen.
Gerade deshalb ist der kreative Spielraum heute größer denn je.
Weil generative Modelle Routinearbeit übernehmen, bleibt mehr
Raum für Strategien, Ideen, für präzise Visualisierungen und für
inklusives Arbeiten – etwa, wenn Menschen mit ADHS durch KI
erstmals zusammenhängend schreiben können. 2026, sagt Wolfgang,
werde das Jahr der Ideen sein. Ein Jahr, in dem Kommunikation
nicht verschwindet, sondern sich neu erfindet.
Aber all das ist nicht technikgetrieben, sondern haltungsgeladen.
Denn wer Inhalte personalisiert, gestaltet auch Wahrnehmung – und
muss sich fragen, wessen Realität er eigentlich reproduziert.
Dass KI männliche Gesichter besser generiert als weibliche, ist
kein Zufall, sondern ein Bias. Und der ruft nach Aufklärung, nach
Transparenz, nach Verantwortung.
Was also tun? Sich frisch an die Arbeit machen. Nicht als naiver
Optimist, sondern mit einem klaren Blick auf die Unvollkommenheit
– und der Überzeugung, dass das Bessere möglich ist.
Zu Gast:
Wolfgang Lünenburger-Reidenbach, Kommunikations- und
Digitalexperte, Managing Director Germany bei DEPT
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18.12.2025
43 Minuten
Ein Unternehmen, das rechtsextreme Funktionäre zu seinen
Empfängen einlädt, hat sich längst entschieden – nicht für
Dialog, sondern für Normalisierung. Franzi von Kempis bringt in
ihrer Klarheit auf den Punkt, was viele in diffuse Diskurse
verpacken: Haltung beginnt nicht mit der Entscheidung, ob man die
AfD „auch mal einladen“ sollte, sondern damit, sich eine rote
Linie zu setzen – und ihr treu zu bleiben.
Haltung ist kein Selbstgespräch. Sie zeigt sich dort, wo andere
zuschauen: im Team, im Unternehmen, auf der Weihnachtsfeier. Wer
sich über menschenfeindliche Positionen empört, aber keine
Konsequenz folgen lässt, macht Empörung zur Pose. Franzi fordert
eine Führungskultur, die sich nicht hinter Unsicherheit
versteckt, sondern klar macht: In dieser Organisation gelten
Werte – nicht nur in der Schublade, sondern im Alltag.
Ihr Blick auf die AfD ist dabei doppelt scharf: als Gefahr und
als Symptom. Wer ihre Funktionär*innen einlädt, stellt nicht nur
den Stuhl – er stellt auch eine Bühne. Und wer meint, das sei
Dialog, verkennt, dass die Gegenseite gar keinen Dialog will. Die
Einladung ist kein neutraler Akt, sie ist ein politischer.
Die eigentliche Aufgabe liegt bei denen, die sich sicher fühlen
dürfen: Haltung zu zeigen, wo andere sich das nicht leisten
können. Denn nicht die radikale Minderheit entscheidet über
unsere Zukunft, sondern die schweigende Mehrheit – wenn sie
endlich aufhört zu schweigen.
Zu Gast:
Franzi von Kempis, Politik- und Kommunikationsberaterin
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11.12.2025
40 Minuten
Beton kann mehr als tragen – er kann Verantwortung übernehmen.
Ruth Beniermann von ecoLocked zeigt, wie sich die CO₂-Schleuder
in eine CO₂-Senke verwandeln lässt. Ihr Ansatz: Biokohle aus
Abfallstoffen, die durch Pyrolyse stabilisiert und dem Beton
beigemischt wird. Das Ergebnis: ein dunklerer Beton, der nicht
mehr nur Fundament ist, sondern Zukunftsspeicher. Drei Kilogramm
CO₂ pro Kilogramm Material – nicht als Kompensation irgendwo
verrechnet, sondern physisch eingebaut und sichtbar.
Ruth denkt diesen Wandel nicht als technologische Spielerei,
sondern als systemische Intervention. Denn die grauen Emissionen
des Bauens – jene, die entstehen, bevor ein Gebäude überhaupt
genutzt wird – sind längst zu den eigentlichen Klimakillern
geworden. Doch während der Wille zum Wandel wächst, fehlt oft die
Entscheidungsgewalt: Zwischen Projektentwicklern, Investoren,
Betonwerken und Architekturbüros verheddert sich die
Verantwortung.
ecoLocked begegnet dem mit einer Strategie der Allianzen.
Überzeugt wird nicht mit Pathos, sondern mit Pilotprojekten. Der
Treppenhaus-Test ersetzt die Großbaustellen-Utopie. Es geht um
greifbare Beweise, dass Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern
ein Marktargument ist. Und um Haltung. „We are not slowing down“
steht auf ihrer Website – ein Satz, der keine Zukunft verspricht,
sondern baut. Schicht für Schicht, Kubikmeter für Kubikmeter.
Zu Gast:
Ruth Beniermann, Business Development bei ecoLocked
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04.12.2025
46 Minuten
Der gefährlichste Irrtum über Datenschutz ist vielleicht der
Glaube, es handle sich um ein Verhinderungsrecht. Dabei ist es
ein Freiheitsrecht – oder genauer: eine infrastrukturelle
Voraussetzung für Freiheit in digitalen Gesellschaften. Marit
Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein,
macht das deutlich, ohne in normativen Pathos zu verfallen. Sie
spricht präzise über Machtasymmetrien zwischen Individuen und
Behörden oder Konzernen – und über den Anspruch, diese
auszugleichen.
Im Zentrum ihrer Argumentation steht nicht die Empörung über
Überwachung, sondern die Forderung nach Selbstbestimmung. Das
klingt nüchtern, ist aber radikal. Denn wer Selbstbestimmung
will, muss die Systeme verstehen, die Entscheidungen über uns
treffen. Besonders dann, wenn diese Systeme auf Künstlicher
Intelligenz basieren, die ihrerseits vergangene Verzerrungen
perpetuieren und verstärken kann.
Marits Plädoyer: Machtkontrolle beginnt bei den Daten, die noch
gar nicht existieren – und bei der Architektur, mit der sie
erhoben und verarbeitet werden. Wer hier auf Sorgfalt setzt,
nicht auf blinden Fortschrittsglauben, betreibt keine
Technikfeindlichkeit, sondern schützt die Grundlage
demokratischer Souveränität. Dazu gehört auch, wie Michael Carl
zugespitzt formuliert, ein „Planspiel der Abhängigkeiten“: Was
passiert, wenn Cloud-Dienste ausfallen oder politische
Entscheidungen Zugriff auf unsere Systeme erzwingen?
Datenschutz wird in dieser Perspektive zur Verteidigungslinie der
Freiheit – nicht gegen Technik, sondern gegen ihre unreflektierte
Anwendung.
Informationen zur Open-Source-Strategie des Landes
Schleswig-Holstein:
https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/digitalisierung/linux-plus1
Zu Gast:
Dr. h.c. Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz und
Informationsfreiheit Schleswig-Holstein
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Über diesen Podcast
Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie
gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung.
Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die
Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und
Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt.
Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen. Die Gespräche sind
ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt
Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was
Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht.
Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als
Praxis. Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft:
https://carls-zukunft.de
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