#780 Wie viel Nähe braucht gute Strafverteidigung? Live the Passion of Your Times (Letters to a Young Lawyer 4)
vor 1 Woche
Alan Dershowitz über Leidenschaft im Anwaltsberuf, professionelle
Distanz und die Gefahr der Gleichgültigkeit
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
Kann man eine gute Anwältin oder ein guter Strafverteidiger sein,
ohne innerlich für den Beruf zu brennen? Oder wird man gerade dann
gut, wenn man nicht kalt, sondern wach, engagiert und wirklich
beteiligt arbeitet? In dieser Folge diskutieren die
Strafverteidiger:in Duri Bonin und Nina Langner den zweiten Brief
aus Alan Dershowitz’ Buch Letters to a Young Lawyer: Live the
Passion of Your Times. Im Zentrum steht die Frage: Ist Leidenschaft
im Anwaltsberuf eine Stärke – oder schon ein Risiko? Duri hält
dafür, dass Leidenschaft und Professionalität kein Widerspruch
sind. Für ihn ist Leidenschaft der innere Motor, Professionalität
die Form. Nina fragt, ob das nicht mit dem klassischen Bild des
professionell-distanzierten Juristen kollidiert. Daraus entsteht
ein spannendes Gespräch: Wie nah muss man an einem Fall sein, um
ihn gut zu vertreten? Und wie viel Distanz braucht es, um klar zu
bleiben? Duri warnt vor einer falschen Professionalität, die am
Ende in Gleichgültigkeit kippt. Wenn aus Menschen nur noch Akten
werden, aus Konflikten nur noch Deliktsrubriken und aus
Aufmerksamkeit bloss Routine, beginnt etwas im Beruf zu sterben.
Nina setzt einen anderen Akzent: Sie betont, wie wichtig
Rekonstruktion, Klarheit und gesunde Grenzen sind. Fälle dürfen
nicht das ganze Leben verschlingen. Ein weiteres Thema ist die
Berufswahl selbst. Was bedeutet es für junge Anwältinnen und
Anwälte, der eigenen Neugier zu folgen? Wählt man Fächer, Praktika
und Mandate nach echtem Interesse – oder bloss nach Prestige,
Karrierechancen und äusseren Erwartungen? Interessant ist auch der
Blick auf den einzelnen Fall. Duri sagt sinngemäss: Fälle sind
nicht einfach interessant – sie werden es durch die Art, wie man
auf sie schaut. Genau dort setzt Nina kritisch an. Muss wirklich in
jedem kleinen Fall gleich die grosse Frage stecken? Aus dieser
Reibung entsteht die Erkenntnis: Gute Juristinnen und Juristen
sehen mehr als nur die Aktennotiz. Sie prüfen Plausibilitäten,
hinterfragen schnelle Etiketten und bleiben neugierig, auch wenn
der Fall auf den ersten Blick gewöhnlich wirkt. Diese Podcastfolge
ist mehr als eine Diskussion über Alan Dershowitz oder Letters to a
Young Lawyer. Sie ist ein Gespräch über den Kern juristischer
Arbeit: über Strafverteidigung, über Professionalität, über Nähe
und Distanz, über Berufung und Erschöpfung – und über die Frage,
wie man in einem anspruchsvollen Beruf lebendig bleibt. Die
Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter
https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen
Plattformen zu hören . Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und
abonnieren.
ohne innerlich für den Beruf zu brennen? Oder wird man gerade dann
gut, wenn man nicht kalt, sondern wach, engagiert und wirklich
beteiligt arbeitet? In dieser Folge diskutieren die
Strafverteidiger:in Duri Bonin und Nina Langner den zweiten Brief
aus Alan Dershowitz’ Buch Letters to a Young Lawyer: Live the
Passion of Your Times. Im Zentrum steht die Frage: Ist Leidenschaft
im Anwaltsberuf eine Stärke – oder schon ein Risiko? Duri hält
dafür, dass Leidenschaft und Professionalität kein Widerspruch
sind. Für ihn ist Leidenschaft der innere Motor, Professionalität
die Form. Nina fragt, ob das nicht mit dem klassischen Bild des
professionell-distanzierten Juristen kollidiert. Daraus entsteht
ein spannendes Gespräch: Wie nah muss man an einem Fall sein, um
ihn gut zu vertreten? Und wie viel Distanz braucht es, um klar zu
bleiben? Duri warnt vor einer falschen Professionalität, die am
Ende in Gleichgültigkeit kippt. Wenn aus Menschen nur noch Akten
werden, aus Konflikten nur noch Deliktsrubriken und aus
Aufmerksamkeit bloss Routine, beginnt etwas im Beruf zu sterben.
Nina setzt einen anderen Akzent: Sie betont, wie wichtig
Rekonstruktion, Klarheit und gesunde Grenzen sind. Fälle dürfen
nicht das ganze Leben verschlingen. Ein weiteres Thema ist die
Berufswahl selbst. Was bedeutet es für junge Anwältinnen und
Anwälte, der eigenen Neugier zu folgen? Wählt man Fächer, Praktika
und Mandate nach echtem Interesse – oder bloss nach Prestige,
Karrierechancen und äusseren Erwartungen? Interessant ist auch der
Blick auf den einzelnen Fall. Duri sagt sinngemäss: Fälle sind
nicht einfach interessant – sie werden es durch die Art, wie man
auf sie schaut. Genau dort setzt Nina kritisch an. Muss wirklich in
jedem kleinen Fall gleich die grosse Frage stecken? Aus dieser
Reibung entsteht die Erkenntnis: Gute Juristinnen und Juristen
sehen mehr als nur die Aktennotiz. Sie prüfen Plausibilitäten,
hinterfragen schnelle Etiketten und bleiben neugierig, auch wenn
der Fall auf den ersten Blick gewöhnlich wirkt. Diese Podcastfolge
ist mehr als eine Diskussion über Alan Dershowitz oder Letters to a
Young Lawyer. Sie ist ein Gespräch über den Kern juristischer
Arbeit: über Strafverteidigung, über Professionalität, über Nähe
und Distanz, über Berufung und Erschöpfung – und über die Frage,
wie man in einem anspruchsvollen Beruf lebendig bleibt. Die
Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter
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