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  4. Depression und der Umgang damit in der Hausarztpraxis | Dr. Andrea Morawe erklärt
Unipolare Depression ist eine der häufigsten und gleichzeitig am
meisten unterschätzte Erkrankungen in der hausärztlichen Praxis.

Dr. Andrea Morawe erzählt davon in dieser neuen Folge von
„LandMEDchen“ evidenzbasiert.

Die 12-Monatsprävalenz liegt bei 8-10% und die
Lebenszeitprävalenz bei 15-20%. Das heißt: Jede fünfte Person
wird in seinem Leben statistisch gesehen an einer Depression
erkranken – Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Das Rezidivrisiko liegt nach einer erstmaligen Episode bei 50%
und steigert sich auf 70% nach einer zweiten Episode.

Die Depression tarnt sich meist über somatische Beschwerden:
Chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen,
Konzentrationsdefizite und unspezifische Bauchschmerzen.

Depression ist keine Serotonin-Mangelerkrankung, wie man sie
früher betrachtet hat. Chronischer Stress ist ein zentraler
Trigger. Eine biologische Vulnerabilität trifft auf eine
psychosoziale Belastung.

Es gibt bei der Diagnose Haupt- und Zusatzkriterien. Aus der
Kombination der Kriterien kann der Schweregrad der Depression
abgeleitet werden.

Andrea nutzt sehr gerne den PHQ-9-Fragebogen zur
Selbsteinschätzung der Patient:innen.

Frauen wird häufiger eine Depression zugeschrieben. Männer reden
seltener über emotionale Belastungen, Frauen hingegen schon.

Schlafstörung, Appetitveränderungen, Schuldgefühle, Ängste, tiefe
Traurigkeit – das sind Symptome, die bei Frauen öfter auftreten.

Bei Männern sind die Symptome deutlich different, sie zeigen
Reizbarkeit, Aggressivität, Alkohol- und Substanzmissbrauch und
eine gewisse Impulsivität. Das klassische Bild der
niedergeschlagenen Persönlichkeit sieht man weniger.

Die Suizidrate bei Männern ist erheblich höher als bei Frauen in
Deutschland. Das liegt u.a. daran, dass die unipolare Depression
bei Männern häufig nicht erkannt oder fehltinterpretiert werden.

Risikogruppen für eine Depression sind postportale Frauen,
einsame und ältere Personen, Arbeitslose, Patient:innen mit
kardiovaskulärer Erkrankung, hoher Leistungsdruck und pflegende
Angehörige.

Es gibt zudem eine bidirektionale Verknüpfung von Depressionen
und somatischen Erkrankungen. Andrea macht deswegen immer eine
weiterführende Diagnostik, um Differentialdiagnosen in Betracht
zu ziehen.

In Bezug auf die Therapie orientiert sich Andrea an der
nationalen Versorgungsleitlinie und unterscheidet dabei zwischen
leichter, mittelgradiger und schwerer depressiven Episode.

Bei der leichten Diagnose setzt sie auf die Aktivierungsphase:
Bewegungstherapie, Gespräche, Schlafhygiene und Me-Time.

Bei der mittelgradigen Episode setzt sie auf Psychotherapie und
Antidepressiva. Viele Kolleg:innen ziehen hier gerne schon
Psychiater hinzu.

Bei einer schweren Episode zieht sie die stationäre Behandlung in
Erwägung, hier wird es komplexer.

Wichtig ist auch die Abfrage der Suizidalität. Die Suizidrate
steigt nicht dadurch, dass man die Patient:innen darauf
anspricht.

Die Versorgungssituation sieht nicht gut aus in Deutschland, sie
hat sich deutlich verschlechtert nach der Corona-Pandemie. Andrea
bindet die Patient:innen zur Überbrückung in der
Ergotherapie-Praxis an.

Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle. Wichtig ist: Dran
denken!

Bevor Andrea genderspezifische Fortbildungen absolviert hat,
hätte sie viele Fälle nicht erkannt, vor allem bei Männern.

Das Thema ist immer noch stark stigmatisiert, deswegen ist es
umso wichtiger, dass Ärzt:innen und MFAs besonders hellhörig
sind.

Depression ist häufig, ernst zu nehmen und biologisch erklärbar.
Sie ist keine Charakter- oder Willensschwäche.

Folg Andrea auf Instagram:
https://www.instagram.com/andrea.morawe/

Zum

Podcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen

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Podcast auf Spotify:
https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu

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Podcast bei Apple Podcast:
https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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