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  4. 6. Stimmführer, Cembalo und zweite Geige – musikalische Geschwister Folge 6 mit Prof. Ulrike Liedtke
Eine neue Facette des preußischen Kulturerbes – eine der
spannensten Musikentwicklungen Mitte des 18. Jahrhunderts. Zu
Gast ist die Brandenburger Landtagspräsidentin und
Musikwissenschaftlerin Professorin Ulrike Liedtke, und sie zeigt
Preußen als Labor musikalischer Umbrüche. Im Zentrum steht
Friedrich II. – nicht der Feldherr, sondern der Flötist. Der
König übte täglich und komponierte 121 Sonaten, vier Sinfonien
und vier fabelhafte Flötenkonzerte. Abends wurde in Sanssouci
musiziert, unter der künstlerischen Leitung seines Flötenlehrers
Johann Joachim Quantz. Und Friedrich ordnete sich unter – eine
bemerkenswerte Pointe: Der absolute Monarch wollte im Ensemble
spielen, zuhören, reagieren, sich einfügen. „Sonst geht Musik
nicht“, sagt Liedtke trocken. Begleitet wurde er unter anderem
von Carl Philipp Emanuel Bach, damals als „der große Bach“
gefeiert – nicht sein Vater. Emanuel Bach komponierte so frei, so
experimentierlustig, dass seine Fantasien beinahe in die Moderne
greifen. Fehlende Taktstriche, abrupte Tempiwechsel – hier wird
nicht repräsentiert,hier wird ausprobiert. Überhaupt sind es die
Umbrüche, die Liedtke faszinieren: der Übergang von barocker
Polyphonie zur vorklassischen Klarheit, vom kunstvollen
Stimmengeflecht zur Melodie mit Begleitung. Was später als
„Mannheimer Schule“ berühmt wurde, hat schon in Ruppin und
Rheinsberg begonnen. Preußen als Ideenschmiede der Klassik? Eine
gut begründete Behauptung.Eine Lieblingsfigur dieser
musikalischen Betrachtung ist Friedrichs Schwester Wilhelmine von
Bayreuth. Sie spielte virtuos Cembalo, komponierte und schrieb
mit Agenore eine Oper, die so gar nicht ins barocke
Happy-End-Schema passt: keine Apotheose, kein versöhnlicher
Schlusschor – stattdessen Tragödie. Ihr Markgräfliches Opernhaus
in Bayreuth, heute UNESCO-Welterbe, zeugt vom Ehrgeiz einer Frau,
die Kunst als Selbstermächtigung betrieb. Täglich üben,
komponieren, inszenieren – Aufklärung als Haltung.Und dann ist da
noch der „Teufelsgeiger“ Franz Benda. Virtuose aus Böhmen,
geflohener Leibeigener, später Konzertmeister. Seine
Violinkonzerte galten lange als anonym – bis sie ihm wieder
zugeschrieben werden konnten. Benda steht für eine abenteuerliche
Musikerbiografie zwischen Abhängigkeit und Aufbruch. Preußische
Hofmusik war kein Nebenjob; sie war Hochleistungssport mit
Probenzeiten von vier bis sieben Uhr – täglich. Überraschend ist
auch der Blick auf Friedrichs Bruder, den lange Zeit verkannten
und von Friedrich abgestellten Prinz Heinrich von Preußen.
Während Friedrich der „Stimmführer“ war – Flötensolist und
Taktgeber –, spielte Heinrich im übertragenen Sinn die „zweite
Geige“. Doch gerade er öffnete sein Rheinsberger Theater für
Reformideen, engagierte französische Künstler und brachte mit
Christoph Willibald Gluck die Opernreform voran. Hier tritt der
Chor als Stimme des Volkes auf, hier wird Aufklärung
praktisch.Ein weiterer Höhepunkt der Episode ist die legendäre
Begegnung zwischen Johann Sebastian Bach und Friedrich II. 1747
in Potsdam. Das berühmte „königliche Thema“ – spröde, sperrig –
sollte Bach improvisierend verarbeiten. Er tat es, ärgerte sich
später über sich selbst und schuf das Musikalische Opfer.
Hofmusik als intellektuelles Kräftemessen.Am Ende entsteht wieder
eine anderer Fokus - weniger Marsch, mehr Modulation, weniger
monarchisches Geltungsbewußtsein mehr Experiment. Zwischen Krieg
und Konzert existierten tatsächlich zwei Welten – und Friedrich
hielt sie strikt getrennt. Militärmärsche hat er nie komponiert.
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„6. Stimmführer, Cembalo und zweite Geige – musikalische Geschwister Folge 6 mit Prof. Ulrike Liedtke“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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