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Beschreibung
vor 1 Monat
Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die
preußische Geschichte sehr kritisch, er selber spricht von
Hass-Liebe. Seine jüngste Graphic Novel widmet er aber Luise.
Eine heute kaum noch bekannte Königin, einst umrankt von
Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert zur
nationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit
Charme, Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein
Historiker, sondern ein künstlerischer Chronist. Einer, der auch
kritisch ist – vor allem zur Wiederaufbau preußischer Schlösser
und vor allem der Garnisonkirche. Er bewundert die ästhetische
Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher – und
bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken und
späterer nationalistischer Vereinnahmung. Gerade deshalb ist
Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in das einfache
Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung, lebenslustig, modisch
stilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie mit ihrem Mann durch
Kassel reiste, pilgerten Studenten aus Göttingen zu Fuß dorthin,
nur um einen Blick auf sie zu erhaschen. In Berlin führte sie den
Walzer bei Hofe ein – ein Skandal für konservative Kreise. Und
sie schrieb leidenschaftliche Briefe, die heute noch berühren.
Politisch trat sie in einem Moment auf die große Bühne, als
Preußen am Boden lag: nach der Niederlage gegen Napoleon 1806.
Die berühmte Begegnung mit Napoleon Bonaparte wurde später zum
Mythos verklärt – die schöne Königin, die dem mächtigen Eroberer
gegenübertritt. Doch was war Projektion, was Realität? Ehrt
interessiert weniger das Pathos als der Moment, in dem eine Frau
in einer von Männern dominierten Machtwelt Haltung zeigt. Obwohl
sie ihrem pazifistischen Gatten vom „schändlichen Frieden“ abrät.
Friedrich Wilhelm III., zeichnet Ehrt zögerlich oder hölzern,
aber auch als – als innerlich zerrissenen Herrscher, der das
Grauen des Krieges erlebt hatte und Gewalt zutiefst ablehnte.
Luise war für ihn Partnerin, Stütze, vielleicht auch politische
Impulsgeberin. Eine echte Liebesbeziehung im preußischen
Königshaus – das allein bricht schon mit vielen Klischees. Neben
historischen Einordnungen geht es immer wieder um die
Möglichkeiten der Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren
Bild vor allem aus Idealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine
Frau, deren Aussehen nur ansatzweise in Gemälden, Büsten und
einer Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht über
Gestaltwandel, Mode, Projektionen – und über die Herausforderung,
Charme und Eleganz sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu
verfallen.Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen,
wo beginnt Deutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins
Kaiserreich? Und was machen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen
Grabmälern, Klassizismus und Industriezeitalter – von Johann
Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel – entfaltet sich ein
Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch diese
Podcastfolge guckt hinter die Klischees - mit Beziehungen,
Briefen oder Bildern.
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