2. Tafelrunde, Toleranz & Tierliebe mit Sibylle Prinzessin von Preußen
37 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
In dieser Folge steht noch einmal Friedrich der Große im
Mittelpunkt –aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Zu Gast ist
die Künstlerin und Autorin Sybille Prinzessin von Preußen, die
sich intensiv mit der preußischen Geschichte und insbesondere mit
Friedrichs Persönlichkeit auseinandergesetzthat. Gemeinsam mit
dem Historiker Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen
veröffentlichte sie Bücher über Friedrichs Denken aus
künstlerischer wie familiärer Sicht.
Thema ist eine oft übersehene Facette: Friedrichs Verhältniszu
Tieren – insbesondere zu seinen Windspielen. Für Sybille von
Preußen sind die Hunde kein exzentrisches Accessoire, sondern
Ausdruck einer tiefen Sensibilität. Enttäuscht von politischen
Intrigen und menschlicher Unzuverlässigkeit, habe Friedrich in
seinen Tieren etwas „Unverstelltes“ und„Echtes“ gefunden. Seine
Kritik an der Jagd im „Anti-Machiavell“,verfasst im Dialog mit
Voltaire, zeige eine für das 18. Jahrhundert bemerkenswerte
ethische Haltung gegenüber der Kreatur. Besonders berührend ist
die Schilderung eines Briefwechsels zwischen Friedrich und seiner
SchwesterWilhelmine, in dem beide aus der Perspektive ihrer Hunde
schreiben – ein kreativer Weg, nach Jahren des Schweigens wieder
zueinanderzufinden. Tiere werden hier zu Vermittlern von
Versöhnung und Empathie.
Ein weiterer Fokus liegt auf Friedrichs Religionsverständnis.
Anders als viele europäische Herrscher seiner Zeit setzteer auf
religiöse Toleranz. Am Beispiel des Berliner Hedwig-Doms –
gedacht als eine Art Pantheon für verschiedene Glaubensrichtungen
– wird deutlich, wie sehr ihn der Gedanke eines
überkonfessionellen Miteinanders prägte. Inspirationerhielt er
unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Isaac Newton,
dessen Vorstellung einer beseelten Schöpfung Friedrich kannte und
schätzte. Und durch eine fast vergessene Figur : Graf Rothenburg.
Er hatte als einziger einfestes Gästezimmer im Schloss Sanssouci
und war ein enger Vertrauter Friedrichs. Er schenkte ihm sein
erstes Windspiel, Biche, die auf einem Gemälde im Schloss zu
finden ist, Nach seinem frühen Tod sagte Friedrich II.
„er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“ Bis heute
spielt er in der Geschichtsschreibung aber kaum eine Rolle.
Die Folge bringt mehrere neue Aspekte und Einsichten in
dieDiskussion und plädiert insgesamt für eine
differenziertere Betrachtung der preußischen Geschichte. Am Ende
bleibt eine zentrale Botschaft, die über das 18. Jahrhundert
hinausweist: Toleranz, Verantwortung und der respektvolle Umgang
mit Mensch und Tier sind keine modernen Erfindungen – sie waren
bereits Teil eines aufgeklärten Denkens.
Weitere Episoden
40 Minuten
vor 4 Tagen
In Podcasts werben
Kommentare (0)