5 Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch

5 Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch

33 Minuten

Beschreibung

vor 2 Tagen

Das Brandenburger Tor in Berlin steht in dieser 5. Folge von
„Amor, Psyche und Preußen“ im Focus. Ein Symbol - Bauwerk, das
wie kaum ein anderes die politischen und kulturellenUmbrüche
Deutschlands spiegelt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin Michaela
van den Driesch, die dazu geforscht hat und verschiedene
Schichten zu Tage bringt.
Das Brandenburger Tor war von Anfang an mehr als ein Stadttor.
Sein Architekt Carl Gotthard Langhans konzipierte es als
programmatisches Bauwerk: als architektonische Übersetzung der
attischen Polis nach Berlin. Das Tor war weiß gefasst – als
Anspielung auf parischen Marmor – und sollte den
Anspruchverkörpern, Berlin als „Spree-Athen“ zu etablieren.
Selbst die nächtliche Beleuchtung durch große Kronleuchter war
Teil dieses modernen, auf Wirkung bedachten Konzepts. Architektur
wurde hier zur Bühne politischer und
geistigerSelbstvergewisserung.Bemerkenswert ist auch die
ursprüngliche Bedeutung der Quadriga: Sie stellte eine
Friedensgöttin dar, keine Siegesgöttin. Erst nachden
Befreiungskriegen und der Rückführung der von Napoleon geraubten
Skulptur aus Paris wandelte sich ihre Symbolik – nicht zuletzt
durch das von Karl Friedrich Schinkel ergänzte Eiserne Kreuz aus
den Befreiungskriegen. Anhand derwechselnden Farbfassungen des
Tores – von weiß über café-au-lait bis zu dunklem Grau – wird
deutlich, wie stark politische Systeme ihre jeweilige Ideologie
hier ausgedrückt haben.


Ähnliches gilt für das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den
Linden. Der von Christian Daniel Rauch geschaffene
Bronze-Friedrich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt,
später in der DDR wieder aufgestellt – leicht versetzt,
technischbedingt durch unterirdische Leitungen. Auch hier zeigt
sich: Denkmäler sind Projektionsflächen gesellschaftlicher
Aushandlungsprozesse.Im Gespräch wird Friedrich II. von Preußen
nicht verklärt, sondern in seiner Ambivalenzbetrachtet: als
aufgeklärter Monarch mit Sinn für Kunst und Toleranz, zugleich
als militärischer Machtpolitiker. Gerade diese
Widersprüchlichkeit macht ihn zur interessantesten Figur für
Michaela van den Driesch – und erklärt, warum einDenkmal für den
Preußenkönig schon zu seinen Lebzeiten gefordert wurde.


Ihr Lieblingskunstwerk ist ein architektonisches Ensemble, das
den Gedanken der Volksbildung exemplarisch verkörpert: die
Berliner Museumsinsel. Mit dem Alten Museum, dem Neuen Museum und
dem Pergamonmuseum entstand ein Ort, an dem Bürgerinnen und
Bürger  – sofern sie „sauber gekleidet und gewaschen“ waren
– Zugang hatten. Architektur wurde hier zum pädagogischen
Instrument. Wer nicht reisen konnte, sollte dennoch die Welt
sehen können. Monumentale Rekonstruktionen wie der Pergamonaltar
vermitteltennicht nur Wissen, sondern ein Raumerlebnis, das
Bildung sinnlich erfahrbar machte.
Hier zeigt sich, dass preußische Architektur nicht allein
Machtdemonstration war. Sie war – zumindest im Ideal – Ausdruck
eines Bildungsanspruchs: Die Stadt als Lehrbuch, das Bauwerk als
Medium politischer Idee.


Das Brandenburger Tor steht heute als nationales Symbol und für
den Fall der Mauer.Die ursprüngliche Botschaft verweist auf
Gedanken, die aktueller kaum sein könnten: Dass Architektur
Öffentlichkeit schafft. Dass sie Diskussion ermöglicht. Und dass
sie, im besten Fall, zur Volksbildung beiträgt.


Geplant war es als Friedenstor.

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