1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh

1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh

vor 2 Monaten
41 Minuten
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Beschreibung

vor 2 Monaten

Weil Geschichte zunehmend auf Vereinfachung und plakative
Zuweisungen reduziert wird und vor allem die Begriffe "Preußen"
und "Hohenzollern" überideologisiert sind, bietet "Amor, Psyche
und Preußen" differenzierte Wohnzimmergespräche mit Experten.
Dieser Podcast veröffentlicht Recherchen zu einem Buch- und
Filmprojekt und möchte jenseits der gängigen Klischees neue
Sichten auf dieses superkomplexe Phänomen nebeneinanderstellen.
Um etablierte Deutungsmuster zu aktualisieren, bedient er sich
eines Titels, der auf antike Mythologie und Alltagsrezeption
anspielt. Das bietet vielschichtige Assoziationsebenen von
Politik über Begehren bis hin zu festgefahrenen Vorurteilen. Die
Gastgeber sind Julia Theek und Gerd Streidt; für diese erste
Folge ist Dr. Jürgen Luh eingeladen, Historiker und Autor von u.
a. „Der Große. Friedrich II. von Preußen.“ sowie Direktor des
Research Center Sanssouci. Er dekonstruiert die gängige
Vorstellung von Friedrich dem Großen als Bösewicht oder Ikone und
zeigt stattdessen einen komplexen Charakter, der von Ruhmsucht
getrieben, aber auch zu Selbstzweifeln fähig war. Besonders
aufschlussreich ist Luhs Vergleich Friedrichs mit seinem Bruder
Heinrich, der intellektuell ebenbürtig, aber in seinen
Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt war. Diese Gegenüberstellung
verdeutlicht auf subtile Weise die Mechanismen der Macht und des
Einflusses innerhalb der preußischen Monarchie und wirft
gleichzeitig Fragen nach der Bedeutung von Anerkennung und
Selbstverwirklichung auf. Luhs Exkurs über Wilhelm von Humboldt
und dessen Beitrag zur Entwicklung des deutschen
Universitätssystems ist eine weitere Bereicherung des Gesprächs
und unterstreicht die Bedeutung von Bildung und Aufklärung für
die preußische Identität. Ein besonderes Augenmerk gilt in dieser
Episode der kritischen Auseinandersetzung mit historischen Mythen
und Legenden. Luh demontiert die romantische Vorstellung von
Friedrich als Philosoph von Sanssouci und zeigt stattdessen einen
Monarchen, der seine eigene Geschichte rücksichtslos gestaltete
und sich selbst zum "Großen" stilisierte. Auch die dramatisierte
Darstellung der Beziehung zwischen Friedrich und Hans Hermann von
Katte wird entkitscht, wobei Luh die Prozessakten und die
örtlichen Gegebenheiten analysiert.Diese kritische Haltung
gegenüber tradierten Erzählungen ist der Anspruch des Podcasts
und lädt dazu ein, Vorstellungen von Preußen zu hinterfragen.
Jürgen Luh stellt fest, dass Friedrich zwar für die Aufklärung
eintrat, aber am Ende seines Lebens feststellen musste, dass
seine Bemühungen nur begrenzt erfolgreich waren. Trotzdem hielt
Friedrich an dem Grundsatz fest, dass jeder nach seiner Fasson
selig werden könne – eine bis heute aktuelle Forderung."Amor,
Psyche und Preußen" ist kein aufzählender Geschichtspodcast. Es
ist ein intellektuelles Wohnzimmer- Labor mit persönlichen
Blicken auf Entwicklungslinien und besondere Kunstwerke.






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