Podcaster
Episoden
20.04.2026
31 Minuten
In dieserFolge sprechen wir mit Peter Raue, dem der Berliner Tagesspiegel diesenEhrentitel verlieh. Ein Anwalt, der nie ein politisches Amt innehatte und dochwie kaum ein anderer die Kulturlandschaft mitgestaltet hat. Seine Geschichtebeginnt mit einer Entscheidung: 1961, kurz nach dem Mauerbau, kommt er alsjunger Student nach Berlin – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. EineStadt, die er „nicht allein lassen“ wollte.
Von dort ausentfaltet sich ein Leben zwischen Recht und Kunst, Raue kämpft für enteigneteKunstwerke oder bringt Meisterwerke aus New York nach Berlin.
Preußen istfür ihn kein Ort, sondern ein Spannungsfeld: zwischen Aufklärung und Autorität,zwischen kultureller Blüte und menschlicher Härte. Geschichten wie die desKronprinzen und Katte stehen für eine Kälte, die ebenso prägt wie die großenIdeen von Toleranz und Bildung.
Auch in derheutigen Hauptstadt sieht er diese Ambivalenz: eine Stadt voller Möglichkeiten,aber auch voller Versäumnisse. Große kulturelle Leistungen treffen auf leereMuseumssäle, visionäre Projekte auf fehlende Mittel. Sein Plädoyer ist klar:Kultur braucht Mut, Beweglichkeit – und bürgerliches Engagement.
In dieserletzten Folge der 1. Staffel blicken die Gastgeber Julia Theek und Gert Streidtauch zurück auf die Gespräche - und nachvorn.
Von dort ausentfaltet sich ein Leben zwischen Recht und Kunst, Raue kämpft für enteigneteKunstwerke oder bringt Meisterwerke aus New York nach Berlin.
Preußen istfür ihn kein Ort, sondern ein Spannungsfeld: zwischen Aufklärung und Autorität,zwischen kultureller Blüte und menschlicher Härte. Geschichten wie die desKronprinzen und Katte stehen für eine Kälte, die ebenso prägt wie die großenIdeen von Toleranz und Bildung.
Auch in derheutigen Hauptstadt sieht er diese Ambivalenz: eine Stadt voller Möglichkeiten,aber auch voller Versäumnisse. Große kulturelle Leistungen treffen auf leereMuseumssäle, visionäre Projekte auf fehlende Mittel. Sein Plädoyer ist klar:Kultur braucht Mut, Beweglichkeit – und bürgerliches Engagement.
In dieserletzten Folge der 1. Staffel blicken die Gastgeber Julia Theek und Gert Streidtauch zurück auf die Gespräche - und nachvorn.
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11.04.2026
36 Minuten
Eine Frau, die Europa in Atem hielt. Eine Tänzerin, für die ein KönigGrenzen überschritt. Und eine Geschichte, die klingt wie ein Historienkrimi –aber im preussischen Berlin ihr Drama entfaltet.
Gemeinsam mit der Expertin Dr. Christiane Theobald begeben wir uns aufSpurensuche: von den Bühnen Europas bis zu den Intrigen der preußischenPolitik. Dabei entsteht ein überraschend modernes Bild einer Frau, die nicht nurmit Talent und Training, sondern auch mit klugen Entscheidungen und einemstarken Willen ihren eigenen Weg ging.
Barbarina liebte, riskierte, widersetzte sich – und schrieb damitGeschichte. Ihre Karriere endete mit einem Knall: Skandale, eine heimlicheHochzeit und ein radikaler Bruch mit dem Theaterleben. Und doch bleibt sie bisheute eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des Tanzes – eine Brücke zwischenhöfischer Tradition und künstlerischer Erneuerung.
Was macht eine Künstlerin zur Ikone? War es ihre Virtuosität auf der Bühne,ihre Ausdruckskraft – oder die Tatsache, dass sie sich nicht vereinnahmen ließ?La Barbarina war ihrer Zeit voraus: eine Art „It-Girl“ des 18. Jahrhunderts,bewundert, begehrt und gleichzeitig ein Marketingfaktor. Friedrich der Großewollte sie unbedingt an seinen Hof holen – und scheute dabei nicht vordrastischen Maßnahmen zurück. Eine Tänzerin als Staatsaffäre?
In dieser Podcast-Folge tauchen wir ein in das faszinierende Leben derlegendären Barbarina – geboren als Barbara Campanini. Sie war nicht nur eineder gefeiertsten Tänzerinnen des 18. Jahrhunderts, sondern auch eine Frau, diesich den Regeln ihrer Zeit widersetzte. Zwischen höfischem Glanz, politischemKalkül und leidenschaftlicher Selbstbestimmung entfaltet sich ein Leben vollerDrama, Mut und überraschender Wendungen.
Mit der Gründerin des Staatsballetts blicken wir zurück ins Rokoko: Wie sahder Tanz damals eigentlich aus – lange vor Spitzenschuhen und klassischemBallett? Welche Rolle spielten Künstlerinnen am Hof? Und wie viel Freiheitkonnte sich eine Frau wirklich nehmen?
Diese Folge ist für alle, die Geschichten lieben, in denen Kunst auf Machttrifft, in denen Menschen größer sind als die Rollen, die man ihnen zuschreibt.
Gemeinsam mit der Expertin Dr. Christiane Theobald begeben wir uns aufSpurensuche: von den Bühnen Europas bis zu den Intrigen der preußischenPolitik. Dabei entsteht ein überraschend modernes Bild einer Frau, die nicht nurmit Talent und Training, sondern auch mit klugen Entscheidungen und einemstarken Willen ihren eigenen Weg ging.
Barbarina liebte, riskierte, widersetzte sich – und schrieb damitGeschichte. Ihre Karriere endete mit einem Knall: Skandale, eine heimlicheHochzeit und ein radikaler Bruch mit dem Theaterleben. Und doch bleibt sie bisheute eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des Tanzes – eine Brücke zwischenhöfischer Tradition und künstlerischer Erneuerung.
Was macht eine Künstlerin zur Ikone? War es ihre Virtuosität auf der Bühne,ihre Ausdruckskraft – oder die Tatsache, dass sie sich nicht vereinnahmen ließ?La Barbarina war ihrer Zeit voraus: eine Art „It-Girl“ des 18. Jahrhunderts,bewundert, begehrt und gleichzeitig ein Marketingfaktor. Friedrich der Großewollte sie unbedingt an seinen Hof holen – und scheute dabei nicht vordrastischen Maßnahmen zurück. Eine Tänzerin als Staatsaffäre?
In dieser Podcast-Folge tauchen wir ein in das faszinierende Leben derlegendären Barbarina – geboren als Barbara Campanini. Sie war nicht nur eineder gefeiertsten Tänzerinnen des 18. Jahrhunderts, sondern auch eine Frau, diesich den Regeln ihrer Zeit widersetzte. Zwischen höfischem Glanz, politischemKalkül und leidenschaftlicher Selbstbestimmung entfaltet sich ein Leben vollerDrama, Mut und überraschender Wendungen.
Mit der Gründerin des Staatsballetts blicken wir zurück ins Rokoko: Wie sahder Tanz damals eigentlich aus – lange vor Spitzenschuhen und klassischemBallett? Welche Rolle spielten Künstlerinnen am Hof? Und wie viel Freiheitkonnte sich eine Frau wirklich nehmen?
Diese Folge ist für alle, die Geschichten lieben, in denen Kunst auf Machttrifft, in denen Menschen größer sind als die Rollen, die man ihnen zuschreibt.
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03.04.2026
38 Minuten
Diese Folge führt uns in das Spannungsfeld von Kunst, Politik und Preußen. Julias Interview von 2006 mit Joachim Mückenberger wirdvon Gert kommentiert, der gegen Ende der 24 -jährigen Amtszeit von Mückenberger dessen Pressesprecher war.
Schloss und Park von Sanssouci – hier sind auch die anderen preußischen Schlösser und Gärten mit gemeint – waren auch eine internationale Bühne. Wie ging die DDR mit dem preußischen Erbe um? Anfangs galt Preußen als Symbol für Militarismus und Reaktion – etwas, das so gar nicht zum sozialistischen Selbstbild passte. Doch mit der Zeit änderte sich diese Sicht. Die DDR begann, Geschichte differenzierter zu betrachten und suchte nach einer eigenen nationalen Identität. Und plötzlich wurde auch Friedrich der Zweite sogar wieder der „Große“ – nicht als Held, aber als ambivalente Figur zwischen Aufklärung und Machtpolitik.
Hier kommt Mückenberger ins Spiel. Er war eine spannende Figur der DDR-Kulturpolitik, eng mit dem Zentralkomitee der SED, aber als DEFA-Chef entlassen, 12 unter seiner Leitung produzierte Filme wurden 1965verboten.1965 – 91 Generaldirektor der Schlösser und Gärten in Potsdam-Sanssouci war er nicht nur Verwalter historischer Orte, sondern auch ein geschickter Navigator im politischenSystem. Er wusste, was erlaubt war – und wo man Spielräume nutzen konnte. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie Kultur selbst in unter starker ideologischer Kontrolle nicht nur Propaganda war, sondern auch echte Begeisterung und Fachkompetenz möglich machte.
Besonders spannend wird es bei der legendären Friedrich-Ausstellung von 1986. Sie war ein kulturelles Großereignis – mit riesigem Besucherandrang, internationalen Leihgaben und politischer Brisanz. Menschen standen stundenlang an, um einen König zu sehen, der wenige Jahre zuvor noch ideologisch abgelehnt wurde. Und wie schafft man es, ein solches Projekt durch ein politisch sensibles Umfeld zu manövrieren?
Andererseits: die DDR brauchte Devisen, und der Handel mitKunst und Antiquitäten war ein heikles, oft umstrittenes Mittel, um an harte Währung zu kommen. Mückenberger selbst geriet in diese Maschinerie – und reflektiert später kritisch darüber. Hier öffnet sich ein brisantes Spannungsfeld zwischen kulturellem Erbe und wirtschaftlichem Druck.
Der Podcast wirft auch einen Blick hinter die Kulissen: auf absurde bürokratische Hürden, auf improvisierte Lösungen und auf die Herausforderungen einer Planwirtschaft, in der selbst ein Ausstellungskatalog zum Problem werden konnte. Gleichzeitig zeigt sich, wie viel Idealismus und Engagement in den beteiligten Fachleuten steckte – von Kunsthistorikern bis zu Gärtnern.
Auch die internationale Dimension kommt nicht zu kurz. Ob sowjetische Soldaten, die Sanssouci als Teil ihres Bildungsprogramms besuchten, oder polnische Restauratoren, die maßgeblich an der Wiederherstellung derAnlagen beteiligt waren – der Podcast zeigt, wie vernetzt selbst ein scheinbar nationales Kulturerbe war. Und immer wieder blitzt Humor auf: in kleinen Anekdoten, in ironischen Kommentaren und in Momenten, in denen die Ernsthaftigkeit des Systems für einen Augenblick ins Absurde kippt. Am Ende bleibt die Frage: Wie unabhängig kann Kultur wirklich sein? Dieser Podcast liefert Stoff zum Nachdenken. Und er macht Lust darauf, tiefer einzutauchen in die DDR- Geschichte, die viel komplexer ist, als oft dargestellt.
Schloss und Park von Sanssouci – hier sind auch die anderen preußischen Schlösser und Gärten mit gemeint – waren auch eine internationale Bühne. Wie ging die DDR mit dem preußischen Erbe um? Anfangs galt Preußen als Symbol für Militarismus und Reaktion – etwas, das so gar nicht zum sozialistischen Selbstbild passte. Doch mit der Zeit änderte sich diese Sicht. Die DDR begann, Geschichte differenzierter zu betrachten und suchte nach einer eigenen nationalen Identität. Und plötzlich wurde auch Friedrich der Zweite sogar wieder der „Große“ – nicht als Held, aber als ambivalente Figur zwischen Aufklärung und Machtpolitik.
Hier kommt Mückenberger ins Spiel. Er war eine spannende Figur der DDR-Kulturpolitik, eng mit dem Zentralkomitee der SED, aber als DEFA-Chef entlassen, 12 unter seiner Leitung produzierte Filme wurden 1965verboten.1965 – 91 Generaldirektor der Schlösser und Gärten in Potsdam-Sanssouci war er nicht nur Verwalter historischer Orte, sondern auch ein geschickter Navigator im politischenSystem. Er wusste, was erlaubt war – und wo man Spielräume nutzen konnte. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie Kultur selbst in unter starker ideologischer Kontrolle nicht nur Propaganda war, sondern auch echte Begeisterung und Fachkompetenz möglich machte.
Besonders spannend wird es bei der legendären Friedrich-Ausstellung von 1986. Sie war ein kulturelles Großereignis – mit riesigem Besucherandrang, internationalen Leihgaben und politischer Brisanz. Menschen standen stundenlang an, um einen König zu sehen, der wenige Jahre zuvor noch ideologisch abgelehnt wurde. Und wie schafft man es, ein solches Projekt durch ein politisch sensibles Umfeld zu manövrieren?
Andererseits: die DDR brauchte Devisen, und der Handel mitKunst und Antiquitäten war ein heikles, oft umstrittenes Mittel, um an harte Währung zu kommen. Mückenberger selbst geriet in diese Maschinerie – und reflektiert später kritisch darüber. Hier öffnet sich ein brisantes Spannungsfeld zwischen kulturellem Erbe und wirtschaftlichem Druck.
Der Podcast wirft auch einen Blick hinter die Kulissen: auf absurde bürokratische Hürden, auf improvisierte Lösungen und auf die Herausforderungen einer Planwirtschaft, in der selbst ein Ausstellungskatalog zum Problem werden konnte. Gleichzeitig zeigt sich, wie viel Idealismus und Engagement in den beteiligten Fachleuten steckte – von Kunsthistorikern bis zu Gärtnern.
Auch die internationale Dimension kommt nicht zu kurz. Ob sowjetische Soldaten, die Sanssouci als Teil ihres Bildungsprogramms besuchten, oder polnische Restauratoren, die maßgeblich an der Wiederherstellung derAnlagen beteiligt waren – der Podcast zeigt, wie vernetzt selbst ein scheinbar nationales Kulturerbe war. Und immer wieder blitzt Humor auf: in kleinen Anekdoten, in ironischen Kommentaren und in Momenten, in denen die Ernsthaftigkeit des Systems für einen Augenblick ins Absurde kippt. Am Ende bleibt die Frage: Wie unabhängig kann Kultur wirklich sein? Dieser Podcast liefert Stoff zum Nachdenken. Und er macht Lust darauf, tiefer einzutauchen in die DDR- Geschichte, die viel komplexer ist, als oft dargestellt.
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28.03.2026
34 Minuten
In dieser Folge ist der Starhistoriker Christopher Clark zuGast. Im Mittelpunkt seines letzten Buchs steht ein überraschender Archivfund aus Clarks Forschung: der Fall des charismatischen Predigers Johannes Ebel.Seine Predigten ziehen immer größere Menschenmengen an, besonders Frauen fühlen sich von ihm angezogen und verstanden. Doch dann kursieren schockierende Gerüchte: von einer geheimen religiösen Gemeinschaft, angeblichen sexuellen Ausschweifungen und spirituellen Experimenten. Die Vorwürfe eskalieren zu einem öffentlichen Skandal, der die preußische Regierung beschäftigt. ChristopherClark zeigt, wie sich aus einer lokalen Geschichte ein faszinierender Blick auf die großen Konflikte der Zeit entwickeln lässt. Gleichzeitig räumt er mit vielen Klischees über Preußen auf – einem Staat, der oft zu militärisch dargestellt wird, dessen Geschichte aber viel widersprüchlicher und vielfältiger ist.
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21.03.2026
33 Minuten
Preußische Kulturgeschichte riecht manchmal nach Orangenblüten, schmeckt nach Kirschen – und endet gelegentlich mit Kartoffeln auf einem Grab.
Schon der junge Kronprinz Friedrich, der spätere II., schwärmt von seinem Weinberg, seinen Kirschen und Melonen. Obst war ein Pausensnack und die Krönung der Tafel, Prestigeobjekt, Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon hatte einst gewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum glücklich sein. Inspiration für die Terrassen von Sanssouci? Kirschen im Winter waren eine luxuriöse Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden die Obstbäume so kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Früchte trugen. Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen zierten die Tafelrunde.
In der Folge 8 mit Jörg Kirschstein wurde sie als preußischer Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf König Friedrichs Grab in Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kuriose Szenen: Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen, oder Kränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber auch ganz praktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil sie die schlechten Sommer der „kleinen Eiszeit“ besser überstand als Getreide. Und die Stallfütterung verbesserte.
Ein weiterer Protagonist der Folge ist Fürst Hermann von Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender, Ballonfahrer, Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein Gesamtkunstwerk, seine Hauptqualität der Geschmack. Er dokumentierte, was auf seiner Tafel serviert wurde, wer zu Gast war und wie man stilvoll lebte. Diese „Tafelbücher“ geben Einblick in eine Welt, in der Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden – nur Fleisch oder nur Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist Teil einer Inszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte Pückler-Eis trägt zwar seinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum auf. Beliebter war eine besondere Kartoffelzubereitung – ein Hinweis darauf, dass im 19. Jahrhundert selbst fürstliche Küchen längst von der neuen Knolle geprägt waren.
Neben Geschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den Schlössern standengroße Potpourri-Vasen, gefüllt mit getrockneten Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchte lieferten eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen und Früchten ließ sich Parfum gewinnen.
Am Ende führt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen Großvater für Luise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen genutzt und beschreibt unterhaltsam echte Volksfeste.
Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis, dass Symbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.
Schon der junge Kronprinz Friedrich, der spätere II., schwärmt von seinem Weinberg, seinen Kirschen und Melonen. Obst war ein Pausensnack und die Krönung der Tafel, Prestigeobjekt, Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon hatte einst gewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum glücklich sein. Inspiration für die Terrassen von Sanssouci? Kirschen im Winter waren eine luxuriöse Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden die Obstbäume so kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Früchte trugen. Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen zierten die Tafelrunde.
In der Folge 8 mit Jörg Kirschstein wurde sie als preußischer Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf König Friedrichs Grab in Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kuriose Szenen: Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen, oder Kränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber auch ganz praktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil sie die schlechten Sommer der „kleinen Eiszeit“ besser überstand als Getreide. Und die Stallfütterung verbesserte.
Ein weiterer Protagonist der Folge ist Fürst Hermann von Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender, Ballonfahrer, Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein Gesamtkunstwerk, seine Hauptqualität der Geschmack. Er dokumentierte, was auf seiner Tafel serviert wurde, wer zu Gast war und wie man stilvoll lebte. Diese „Tafelbücher“ geben Einblick in eine Welt, in der Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden – nur Fleisch oder nur Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist Teil einer Inszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte Pückler-Eis trägt zwar seinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum auf. Beliebter war eine besondere Kartoffelzubereitung – ein Hinweis darauf, dass im 19. Jahrhundert selbst fürstliche Küchen längst von der neuen Knolle geprägt waren.
Neben Geschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den Schlössern standengroße Potpourri-Vasen, gefüllt mit getrockneten Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchte lieferten eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen und Früchten ließ sich Parfum gewinnen.
Am Ende führt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen Großvater für Luise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen genutzt und beschreibt unterhaltsam echte Volksfeste.
Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis, dass Symbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.
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Über diesen Podcast
Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder
Ideologie 14 Interviews in der 1. Staffel „Mit welchem Vorurteil,
mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie
gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber
Julia Theek & Gert Streidt.
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