Podcaster
Episoden
28.02.2026
40 Minuten
Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die
preußischeGeschichte sehr kritisch, er selberspricht von
Hass-Liebe. Seine jüngsteGraphic Novel widmet er aber
Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin,einst umrankt von
Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert
zurnationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit
Charme,Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein
Historiker, sondern einkünstlerischer Chronist. Einer, der auch
kritisch ist – vor allem zurWiederaufbau preußischer Schlösser
und vor allem der Garnisonkirche. Erbewundert die ästhetische
Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher– und
bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken
undspäterer nationalistischer Vereinnahmung.
Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in
daseinfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung,
lebenslustig, modischstilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie
mit ihrem Mann durch Kassel reiste,pilgerten Studenten aus
Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zuerhaschen.
In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal
fürkonservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe,
die heute nochberühren. Politisch trat sie in einem Moment auf
die große Bühne, als Preußenam Boden lag: nach der Niederlage
gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnungmit Napoleon Bonaparte
wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin,die dem
mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion,
wasRealität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment,
in dem eine Frauin einer von Männern dominierten Machtwelt
Haltung zeigt. Obwohl sie ihrempazifistischen Gatten vom
„schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III.,zeichnet
Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich
zerrissenenHerrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und
Gewalt zutiefstablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze,
vielleicht auch politischeImpulsgeberin. Eine echte
Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – dasallein bricht
schon mit vielen Klischees.
Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die
Möglichkeitender Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren
Bild vor allem ausIdealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine
Frau, deren Aussehen nur ansatzweisein Gemälden, Büsten und einer
Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht überGestaltwandel, Mode,
Projektionen – und über die Herausforderung, Charme undEleganz
sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen.
Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo
beginntDeutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins
Kaiserreich? Und wasmachen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen
Grabmälern, Klassizismus undIndustriezeitalter – von Johann
Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel –entfaltet sich ein
Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch
diesePodcastfolge guckt hinter die Klischees -
mit Beziehungen, Briefen oder Bildern.
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26.02.2026
38 Minuten
Diese Folge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute
fasziniert : Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich
1813, als Mann verkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf
gegen Napoleon an. Unter dem Namen August Renz kämpfte sie als
Soldatin, wurde schwer verwundet und starb kurz darauf. Nach
ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur
patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert
widmeten ihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den
berühmten Trauermarsch zum Tod einer Heldin.
Doch wer war Eleonore Prochaska? Was trieb sie an? Patriotismus,
Freiheitsdrang, persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach
einem anderen Leben jenseits enger Geschlechterrollen? Für diese
Fragen haben wir dieKunstwissenschaftlerin, Musikerin und
Konzeptkünstlerin Beate Klompmaker eingeladen.
Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als
Titelmusik. Beate nähert sich Prochaska nicht nur historisch,
sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war
eine Zeichnung der jungen Frau, die sie in einer Ausstellung
entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges
Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin,
eine mediale Installation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten
Briefen Prochaskas. Klompmaker übertrug die Figur in die
Gegenwart, in einem künstlerischenBlog-Projekt ließ sie
„Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistan berichten. Über
soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene
Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt
der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität
verschwammen bewusst.
Das Gespräch weitet sich von der historischen Figur hin zu
aktuellen Fragen: Wie entsteht Mythos? Wann kippt Erinnerung in
Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungen um?
Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen
Identitätssuche, Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und
gesellschaftlicher Ambivalenz.
Die Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und
Gegenwartsfragen – und zeigt, wie eine historische Jugendliche
Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung
und politische Verantwortung anstoßen kann.
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21.02.2026
37 Minuten
In dieser Folge steht noch einmal Friedrich der Große im
Mittelpunkt –aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Zu Gast ist
die Künstlerin und Autorin Sybille Prinzessin von Preußen, die
sich intensiv mit der preußischen Geschichte und insbesondere mit
Friedrichs Persönlichkeit auseinandergesetzthat. Gemeinsam mit
dem Historiker Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen
veröffentlichte sie Bücher über Friedrichs Denken aus
künstlerischer wie familiärer Sicht.
Thema ist eine oft übersehene Facette: Friedrichs Verhältniszu
Tieren – insbesondere zu seinen Windspielen. Für Sybille von
Preußen sind die Hunde kein exzentrisches Accessoire, sondern
Ausdruck einer tiefen Sensibilität. Enttäuscht von politischen
Intrigen und menschlicher Unzuverlässigkeit, habe Friedrich in
seinen Tieren etwas „Unverstelltes“ und„Echtes“ gefunden. Seine
Kritik an der Jagd im „Anti-Machiavell“,verfasst im Dialog mit
Voltaire, zeige eine für das 18. Jahrhundert bemerkenswerte
ethische Haltung gegenüber der Kreatur. Besonders berührend ist
die Schilderung eines Briefwechsels zwischen Friedrich und seiner
SchwesterWilhelmine, in dem beide aus der Perspektive ihrer Hunde
schreiben – ein kreativer Weg, nach Jahren des Schweigens wieder
zueinanderzufinden. Tiere werden hier zu Vermittlern von
Versöhnung und Empathie.
Ein weiterer Fokus liegt auf Friedrichs Religionsverständnis.
Anders als viele europäische Herrscher seiner Zeit setzteer auf
religiöse Toleranz. Am Beispiel des Berliner Hedwig-Doms –
gedacht als eine Art Pantheon für verschiedene Glaubensrichtungen
– wird deutlich, wie sehr ihn der Gedanke eines
überkonfessionellen Miteinanders prägte. Inspirationerhielt er
unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Isaac Newton,
dessen Vorstellung einer beseelten Schöpfung Friedrich kannte und
schätzte. Und durch eine fast vergessene Figur : Graf Rothenburg.
Er hatte als einziger einfestes Gästezimmer im Schloss Sanssouci
und war ein enger Vertrauter Friedrichs. Er schenkte ihm sein
erstes Windspiel, Biche, die auf einem Gemälde im Schloss zu
finden ist, Nach seinem frühen Tod sagte Friedrich II.
„er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“ Bis heute
spielt er in der Geschichtsschreibung aber kaum eine Rolle.
Die Folge bringt mehrere neue Aspekte und Einsichten in
dieDiskussion und plädiert insgesamt für eine
differenziertere Betrachtung der preußischen Geschichte. Am Ende
bleibt eine zentrale Botschaft, die über das 18. Jahrhundert
hinausweist: Toleranz, Verantwortung und der respektvolle Umgang
mit Mensch und Tier sind keine modernen Erfindungen – sie waren
bereits Teil eines aufgeklärten Denkens.
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19.02.2026
41 Minuten
Warum der Podcast?
War Friedrich ein Großer?
Und der kleine Bruder auch?
Zu Gast ist Dr. Jürgen Luh, Historiker & Autor u.a. von “Der
Große. Friedrich II. von Preußen.“
„Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder
welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der
ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt. Mit
dem preußischenKulturerbe haben sie sich beide immer wieder
befasst. Und bitten zum Gespräch Sir Christopher Clark , Rainer
Ehrt, Jörg Kirschstein, Dr. Beate Klompmaker , Barbara
Kuster, Prof. Ulrike Liedtke, Dr. Jürgen Luh, Sibylle Prinzessin
von Preußen, Prof. Peter Raue , Barbara Schneider-Kempf ,
Dr.Christiane Theobald, Michaela van den Driesch und aus
dem Archiv ein Interview von 2006 mit dem Generaldirektor
der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam - Sanssouci
1966- 1992 - Joachim Mückenberger.
In dieser 1. Folge von Amor, Psyche und Preußen begrüßen wirden
Historiker Dr. Jürgen Luh, Direktordes Research Center
Sanssouci und einer der führenden Experten zu Friedrich
demGroßen. Er betrachtet den König nicht nur als Herrscher,
sondern alsvielschichtige Figur, deren Wirken bis heute
nachhallt. Die Folge erzählt, wieLuhs Forschungen das Bild
Friedrichs geprägt haben, insbesondere in der Vorbereitungauf den
300. Geburtstag des Königs. Seine Arbeiten legen ein neues
Verständnisnahe, wie der König als Mäzen, Politiker und
Impulsgeber in seine Kulturwelt prägteund aktuell nachwirkt.
Dr. Jürgen Luh, promovierter Historiker, leitet das
„ResearchCenter Sanssouci. Für Wissen und Gesellschaft“- eine
Forschungskooperation derStiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg, der UniversitätPotsdam und der
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Ausgehend
vomgeistigen und materiellen Kulturerbe Brandenburg-Preußens,
werden Fragestellungenund Projekte interdisziplinär entwickelt
und präsentiert. Seine Forschungsschwerpunkte sind
dieGeschichte des Heiligen Römischen Reiches, die Militär- sowie
diebrandenburgisch-preußische Geschichte. Seit 2008 ist Dr.
Jürgen Luh in der SPSGfür Wissenschaft und Forschung zuständig.
Er kuratierte u. a. die Ausstellungen„Die Kaiser und die Macht
der Medien“ 2005-2006, „Macht und Freundschaft“ 2008sowie 2012
die Jubiläumsausstellung „Friederisiko“ zum 300.
GeburtstagFriedrichs des Großen im Neuen Palais in Potsdam. Er
ist Autor u.a. der Bücher„Der Große. Friedrich II. von Preußen“
(2011) und „Der kurze Traum derFreiheit. Preußen nach Napoleon“
(2015) und “Der Große Kurfürst – Sein Lebenneu betrachtet” (2020)
und Der Kronprinz und das Dritte Reich. Wilhelm vonPreußen und
der Aufstieg des Nationalsozialismus. (2023)
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Über diesen Podcast
Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder
Ideologie 14 Interviews in der 1. Staffel „Mit welchem Vorurteil,
mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie
gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber
Julia Theek & Gert Streidt.
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