3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker

3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker

38 Minuten

Beschreibung

vor 6 Tagen

Diese Folge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute
fasziniert : Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich
1813, als Mann verkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf
gegen Napoleon an. Unter dem Namen August Renz kämpfte sie als
Soldatin, wurde schwer verwundet und starb kurz darauf. Nach
ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur
patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert
widmeten ihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den
berühmten Trauermarsch zum Tod einer Heldin.


Doch wer war Eleonore Prochaska? Was trieb sie an? Patriotismus,
Freiheitsdrang, persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach
einem anderen Leben jenseits enger Geschlechterrollen? Für diese
Fragen haben wir dieKunstwissenschaftlerin, Musikerin und
Konzeptkünstlerin Beate Klompmaker eingeladen.
Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als
Titelmusik. Beate nähert sich Prochaska nicht nur historisch,
sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war
eine Zeichnung der jungen Frau, die sie in einer Ausstellung
entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges
Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin,
eine mediale Installation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten
Briefen Prochaskas. Klompmaker übertrug die Figur in die
Gegenwart, in einem künstlerischenBlog-Projekt ließ sie
„Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistan berichten. Über
soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene
Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt
der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität
verschwammen bewusst.


Das Gespräch weitet sich von der historischen Figur hin zu
aktuellen Fragen: Wie entsteht Mythos? Wann kippt Erinnerung in
Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungen um?
Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen
Identitätssuche, Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und
gesellschaftlicher Ambivalenz.
Die Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und
Gegenwartsfragen – und zeigt, wie eine historische Jugendliche
Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung
und politische Verantwortung anstoßen kann.

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