Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt

17 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Gerade aus dem Arztzimmer raus und schon wieder vergessen, worum
es ging?


Ein Thema, dem sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von
„LandMEDchen“ widmet.


Das dieses Phänomen ist kein Einzelfall, kein Zeichen von
mangelndem Interesse oder niedrigem IQ, sondern es gibt Studien,
die das unterstreichen. Patient:innen vergessen unmittelbar nach
dem Arztgespräch zwischen 40 und 80% der erhaltenen
Informationen.


Von dem, was behalten wird, ist ein erheblicher Anteil auch noch
falsch.


Besonders betroffen sind dabei Informationen über neue Diagnosen,
Therapieempfehlungen, Risiken, Nebenwirkungen und komplexe
Behandlungspläne.


Doch warum passiert das?


Zunächst wegen kognitiver Überlastung. Medizinische Gespräche
sind komplex, das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann aber nur
eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten.


Zudem können Emotionen die Erinnerungen blockieren, vor allem
Angst, Stress und Unsicherheit. Das Gehirn schaltet in einen
Schutzmodus und priorisiert die emotionale Verarbeitung statt der
sachlichen Speicherung von Informationen.


Der dritte Grund ist die Fachsprache, in der Ärzt:innen gerne
verharren. Diese ist super für den Austausch untereinander,
allerdings nicht für das Gespräch mit den Patient:innen.


Die Therapietreue leidet enorm darunter, wenn wir zu viele
Fachwörter verwenden.


Ein weiterer komplizierender Faktor ist der Zeitdruck, der ein
großes Problem im Gesundheitssystem ist. Kurze Gespräche erhöhen
die Informationsdichte, gleichzeitig sinkt die Rückfragequote.


Viele Patient:innen stellen gar keine Fragen, weil sie nicht
stören wollen, nicht unwissend wirken wollen oder weil ihnen der
Zeitdruck zusetzt.


Die Patient:innen sind also nicht schuld, es ist eine ganz
normale Reaktion, dass man nicht alles behält. Hierfür benötigt
man nun eine Strategie. Es ist völlig okay, nachzufragen.


An Ärzt:innen empfiehlt Andrea: Wiederholungen und
Zusammenfassungen steigern die Erinnerungsquote. Sie selbst nutzt
in ihrer Praxis Zettel, in denen die wichtigsten Informationen zu
den Diagnosen zusammengefasst sind. Zudem schult sie ihr
Personal, sodass diese auch bei der Beantwortung von Fragen
unterstützen können.


Ein weiterer Tipp: Eine Abkürzung im eigenen Kontext muss nicht
die gleiche in einer anderen Fachrichtung sein. Diese erschweren
also das Verständnis.


Begleitpersonen erhöhen zudem die Sicherheit. Andrea hat in
letzter Zeit öfter gehört, dass Begleitpersonen aus dem
Behandlungszimmer geschickt werden, was sie sehr traurig findet.
Denn diese erhöhen die Therapietreue. Eine Begleitperson wird oft
aus Unsicherheit mitgenommen – dann soll sie auch dabeibleiben.
Zudem werden mehr Informationen behalten und es gibt weitere
Rückfragen.


Die Frage ist also: Warum erwarten wir überhaupt, dass
Patient:innen sofort alles verstehen und behalten? Wir brauchen
Übersetzung der Fachsprache, Zeit und Wiederholungen.


Das hilft bei der Therapietreue und sorgt so auch für weniger
Komplikationen auf lange Sicht.








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