Ist Deutschland wirklich kriegstüchtig? | Von Hermann Ploppa

Ist Deutschland wirklich kriegstüchtig? | Von Hermann Ploppa

vor 1 Monat
16 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Monat

Aller guten Dinge sind drei. Nach zwei verlorenen Kriegen
muss der dritte Krieg doch wohl für Deutschland zu gewinnen
sein?! Vielleicht mit KI?


Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.


Geboostert und geplustert strotzt unsere Bundesregierung vor
Kriegslust.


Auch wenn die Regierung der USA gerade ein bisschen die
Kriegslust, zumindest was Russland angeht, verdirbt, soll der
Germanenzug gen Osten wieder seinen Schwung aufnehmen, den er
jetzt über achtzig Jahre so schmerzlich vermissen ließ. Unser
geliebter „Verteidigungs“minister Boris Pistorius, der einzige
Minister, der den Wechsel von Scholz dem Kahlen zum Merz dem
Langen politisch überlebt hat, sagte schon im Jahre 2024
männlich-entschlossen der staunenden Öffentlichkeit des
Bundestags: „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein!“ (1) Dreimal
Hurra!


An das Serum „kriegstüchtig“ haben wir uns nach zwei Jahren nun
schon ganz gut gewöhnt. Aber keiner fragt, wie der Pistorius
Boris eigentlich auf die Zielmarke des Jahres 2029 gekommen ist?
War das locker über den Daumen gepeilt? Oder haben die Berater
des wackeren Niedersachsen zur Ermittlung des genauen Knalljahres
eine uns geheime Formel verwendet?


Wie auch immer. Wir sollen also ab 2029 in den Krieg gegen die
bösen Russen ziehen. Die bösen Russen sind bis jetzt, so zeigt
der Ukraine-Krieg uns nur allzu deutlich, erstaunlich
leidensbereit und resilient. Der böse Putin musste bislang noch
kaum junge Männer zum Kriegsdienst in der Ukraine zwingen. Die
jungen Männer melden sich sogar freiwillig für den Dienst an der
Waffe in der Ukraine. Werden unsere jungen deutschen Männer auch
freiwillig und jauchzend zu den Waffen eilen, wenn der Boris sie
im Jahre 2029 herbeiruft? Das darf bezweifelt werden. Während bei
einer Umfrage unter Menschen zwischen 18 und 80 Jahren im Jahre
2025 sage und schreibe 58 Prozent die Wiedereinführung der
Wehrpflicht begrüßten, sah das nach dem Grad der persönlichen
Betroffenheit doch recht unterschiedlich aus (2). Während die
Alten begeistert der Wehrpflicht zustimmen („Also, mir hat das ja
auch nicht geschadet!“), haben die jungen Leute keinen Bock auf
Mord und Totschlag. Nur 14 Prozent der Youngster können sich
vorstellen, Soldat zu werden. Kaum ein Lebensanfänger möchte im
Frost und im Schlamm der Ukraine irgendwelche Projektile um die
Ohren gepfiffen bekommen.


Das ersehnte Ziel der Kriegstauglichkeit in schon drei Jahren
wirkt auf wache Beobachter wie eine Episode aus Don Quixote und
Sancho Pansa. Hat Pistorius womöglich wichtige Komponenten einer
professionellen Kriegsvorbereitung vernachlässigt? Ich erinnere
mich, dass Kriegsvorbereitungen für den Ersten und den Zweiten
Weltkrieg nach gewissen Grundsätzen abliefen. Erstmal muss die
Verkehrsinfrastruktur topp in Schuss sein. Und zwar in alle
Himmelsrichtungen. Man weiß ja nie, wie sich die Feindlage
ändert. Zweitens muss das Humankapital, wie es manche zynische
Kreise zu nennen pflegen; also die real existierenden Menschen,
mit der Regierung einverstanden sein. Zumindest jedoch mit der
Regierung kooperieren können. Die Menschen müssen zudem gesund
und gut motiviert sein. Sie müssen gebildet und kooperativ sein.
Sie müssen wissen, wie man am besten in der Gruppe zusammenwirkt.
Oftmals lässt sich dieser Konsens über verfeindete Gruppen hinweg
nur durch die Erfindung eines gemeinsamen Feindes herstellen. Die
Untertanen werden derweil durch gute Laune von Heinz Rühmann und
Hans Albers bespaßt.


Neben der gesellschaftlichen Harmonie, der intakten Infrastruktur
und dem nötigen Wir-Gefühl ist es aber auch wichtig, dass die
Finanzen einigermaßen im Lot sind. Geld muss einen Wert
repräsentieren.


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