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09.01.2026
21 Minuten
Von der RAND-Studie zur Nationalen
Sicherheitsstrategie:
Wie Think Tanks Amerikas Kriegspläne schreiben
Ein Standpunkt von Michael Hollister.
Im November 2025 veröffentlichte die Trump-Administration ihre
National Security Strategy. Drei Kernaussagen stechen heraus: Die
EU ist nicht mehr verlässlicher Partner, Russland nicht mehr
Hauptfeind, der strategische Fokus liegt nun auf dem Pazifik. Was
wie eine geopolitische Kehrtwende wirkt, ist in Wahrheit die
Umsetzung eines detaillierten Kriegsplans, den die RAND
Corporation bereits 2016 vorgelegt hat.
Die National Security Strategy 2025: Der Pazifik-Pivot
als Doktrin
Die im November 2025 veröffentlichte National Security Strategy
(NSS) der Vereinigten Staaten markiert einen Wendepunkt in der
amerikanischen Außenpolitik – zumindest auf dem Papier. Während
die Trump-Administration Europa faktisch den Krieg erklärt und
Russland nicht mehr als Hauptfeind definiert, konzentriert sich
Washington nun offen auf das, was interne Strategiepapiere seit
Jahren fordern: die Eindämmung Chinas im Indo-Pazifik. Die NSS
formuliert glaskar:
"Der Indo-Pazifik ist bereits die Quelle von fast der Hälfte
des weltweiten BIP... Um im Inland erfolgreich zu sein, müssen wir
dort erfolgreich konkurrieren."
Weiter heißt es: "Die Abschreckung eines Konflikts um Taiwan,
idealerweise durch die Aufrechterhaltung militärischer
Überlegenheit, ist eine Priorität."
Noch deutlicher wird die Strategie auf Seite 24:
"Wir werden ein Militär aufbauen, das in der Lage ist,
Aggression überall in der Ersten Inselkette zu verweigern."
Diese Formulierungen sind nicht neu. Sie sind auch keine
originäre Trump-Doktrin. Sie sind die wortwörtliche Umsetzung von
Empfehlungen, die die RAND Corporation – eine der mächtigsten und
einflussreichsten Denkfabriken der Welt – bereits 2016 und 2017
in mehreren Studien ausgearbeitet hat.
RAND Corporation: Die Kriegsplanungszentrale mit
akademischem Anstrich
Die RAND Corporation ist kein gewöhnlicher Think Tank. Gegründet
1948 als gemeinsames Projekt der US Air Force und Douglas
Aircraft Company, verfügt RAND über ein Jahresbudget von über 350
Millionen Dollar und beschäftigt ein Heer hochqualifizierter
Experten: Militärstrategen, Physiker, Datenanalysten, Ökonomen
und Politologen – viele mit Regierungs- oder
Geheimdiensterfahrung.
Hauptkunden sind das Pentagon, Homeland Security, verschiedene
Geheimdienste sowie NATO-Partnerstaaten. RAND arbeitet nicht
politisch neutral, sondern entwickelt "Optionen,
Wahrscheinlichkeiten, Risiken" – auf Basis von Simulationen,
Datenanalyse und militärischer Machbarkeitsprüfung. Empfehlungen
aus RAND-Studien sind keine Denkmodelle, sondern werden
regelmäßig zur Grundlage realer Politik.
Die Organisation war maßgeblich an Konzepten wie der
Abschreckungsdoktrin (Mutual Assured Destruction) beteiligt und
prägte das strategische Denken im Kalten Krieg bis heute.
RAND-Mathematiker wie Herman Kahn entwickelten die
"Megadeath"-Kalkulationen – das zynische Durchrechnen von
Millionen Toten als strategische Variable.
...https://apolut.net/wer-schreibt-amerikas-kriegsplane-von-michael-hollister/
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08.01.2026
15 Minuten
Analyse der neuen National Security Strategy
Ein Standpunkt von Michael Hollister.
1. Der Bruch, den niemand sehen will
Es ist eine Zäsur von historischem Ausmaß – und niemand redet
darüber. Während deutsche Politiker über „Kriegstüchtigkeit" und
„Siegfähigkeit" fantasieren, haben die Vereinigten Staaten längst
eine neue strategische Realität geschaffen: Europa ist für
Washington kein Partner mehr, sondern ein Risiko. In der neuen
National Security Strategy (NSS) der USA, analysiert von
Ex-UN-Inspektor Scott Ritter, wird Europa nicht nur auf die
Ersatzbank gesetzt – es wird als ideologischer Gegner bezeichnet,
als Bedrohung für die amerikanischen Interessen und Werte.
Wer jetzt noch von transatlantischer Freundschaft spricht, hat
das Memo nicht gelesen – oder will es nicht verstehen. Denn was
hier formuliert wird, ist eine kalte strategische Abrechnung: Die
USA wenden sich ab. Nicht abrupt, nicht militärisch. Sondern
planvoll, mit maximaler Wirkung. Erst energetisch entkoppeln.
Dann wirtschaftlich entwerten. Und am Ende politisch isolieren.
Was bleibt, ist ein Kontinent, der sich selbst überschätzt, sich
für unersetzlich hält – und dabei nicht einmal mehr als
verlässlicher Verbündeter gilt.
Es ist ein Bruch, der nicht kommen wird.
Er ist bereits da.
2. Der strategische Doppelschlag: Erst schwächen, dann
fallen lassen
Was Washington mit Europa macht, folgt keiner Laune. Es ist ein
strategischer Doppelschlag – und er sitzt.
Erster Schlag: Energetische und wirtschaftliche
Entkopplung.
Mit der Sabotage von Nord Stream – über deren Urheberschaft kein
ernstzunehmender Analyst mehr Zweifel hat – wurde Deutschland das
Rückgrat seiner Industrie gekappt. Der Verlust billiger
russischer Energie hat nicht nur die Produktionskosten
explodieren lassen, sondern auch Investitionen, Standorte, ganze
Wertschöpfungsketten aus dem Land getrieben. Nicht Russland,
nicht China – die USA haben Europa ökonomisch entwaffnet. Mit
voller Absicht.
Zweiter Schlag: Politische Abwertung und
Entsorgung.
Kaum ist Europa energetisch abhängig von amerikanischem LNG,
kommt der nächste Tritt – diesmal auf diplomatischer Ebene. Die
neue National Security Strategy macht klar: Europa ist kein
unverzichtbarer Partner mehr. Wörtlich heißt es, es sei
„alles andere als offensichtlich, ob bestimmte europäische
Länder über Volkswirtschaften und Streitkräfte verfügen werden, die
stark genug sind, um verlässliche Verbündete zu bleiben."
Europa ist, aus Sicht der USA, nicht mehr strategischer
Aktivposten – sondern Sicherheitsrisiko, Ideologie-Problem,
Bündnislast.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst Stecker ziehen – dann
mit den Schultern zucken.
Was wie ein brutales Kalkül klingt, ist es auch. Die USA sichern
ihre Vormacht im globalen System, indem sie potenzielle
Gegenspieler frühzeitig neutralisieren. Deutschland, einst
geostrategisch prädestiniert für Vermittlung, Unabhängigkeit und
wirtschaftliche Stärke, wurde zum nützlichen Idioten, zur burned
asset. Und der Rest Europas gleich mit.
https://apolut.net/die-usa-erklaren-europa-den-krieg-von-michael-hollister/
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07.01.2026
24 Minuten
Das Völkerrecht ist schon lange tot, trotzdem reden noch
alle davon und deutsche Medien echauffieren sich darüber, dass
Trump oder auch Putin in Einflusssphären denken würden, dabei tun
auch Deutschland und die EU nichts anderes. Es ist Zeit, für
einen realistischen Blick auf die Weltpolitik.
Ein Standpunkt von Thomas Röper.
Die Idee zu diesem Artikel ist mir gekommen, als ich bei RT-DE
die zweiteilige Übersetzung eines Artikels von Alexander Dugin
(hier die Links zu Teil 1 und zu Teil 2) gelesen
habe. Dugin wird im Westen fälschlicherweise als Faschist oder
Nationalist bezeichnet, dabei kritisiert er nur den Globalismus
und das, was im Westen als „liberal“ bezeichnet wird. Tatsächlich
ist Dugin ein brillanter Analyst, wobei man, wie bei jedem
Analysten, über seine Analysen und ihre Ergebnisse natürlich nach
Herzenslust diskutieren und streiten kann.
Dugins Artikel ist im Original unter der Überschrift „Die Welt
steht am Rande eines großen Krieges“ erschienen. Ich will hier
nicht seine These wiederholen, die er schon in der Überschrift
genannt hat, sondern auf die Frage eingehen, warum es kein
Völkerrecht mehr gibt und wie deutsche Medien ihre Leser für dumm
verkaufen.
Dugins Artikel beginnt mit folgendem Absatz:
„Dieser Text ist eine philosophische Reflexion über den Angriff
auf Venezuela und die Operation zum Regimewechsel im Iran. Ich bin
überzeugt: Angesichts der aktuellen Ereignisse in der Weltpolitik
ist nun jedem endgültig klar geworden, dass es kein Völkerrecht
mehr gibt. Es existiert nicht mehr.“
Diese auf den ersten Blick simple Feststellung kann man in
abgeschwächter Form derzeit sogar in deutschen Medien lesen, wenn
sie über Trumps Vorgehen berichten, wobei sie das eher im
Zusammenhang mit Trumps Gelüsten nach der Annektierung Grönlands
als wegen Trumps Angriff auf Venezuela schreiben. Schon diese
Tatsache, dass deutsche Medien sich scheuen, das wegen Venezuela
genauso deutlich zu sagen, wie bei Grönland, zeigt, dass nicht
Trump das Problem ist, sondern dass es viel tiefer sitzt.
Wie funktioniert Völkerrecht?
Dugin beschreibt im ersten Teil seines Artikels, wie das
Völkerrecht historisch entstanden ist, was für jeden an
Geschichte Interessierten sehr lesenswert ist. Wichtiger ist aber
die Essenz dessen, was Dugin dazu schreibt.
Damit es tatsächlich Recht geben kann, müssen alle Beteiligten
das Recht anerkennen und es einhalten. Und es muss die
Möglichkeit geben, Rechtsbrecher zu bestrafen. In Staaten ist
dafür die Staatsmacht zuständig, also Staatsanwälte und Gerichte,
die die Einhaltung des Rechts überwachen und Verstöße bestrafen,
und die Polizei, die dafür sorgt, dass die Entscheidungen von
Staatsanwälten und Gerichten auch befolgt und umgesetzt werden.
In der internationalen Politik gibt es zwar einige internationale
Gerichte und es gibt als oberste Instanz auch einen Gerichtshof
der UNO, aber es gibt keine Polizei, die dafür sorgt, dass das
Völkerrecht und die Urteile dieser Gerichte auch umgesetzt und
eingehalten werden.
Die Folge davon ist offensichtlich: Staaten halten sich nur an
das Völkerrecht, solange sie nicht so mächtig sind, dass sie
straffrei ausgehen, weil niemand die Macht hat, sie für Verstöße
zur Verantwortung zu ziehen.
Daher gab es in der Geschichte nicht viele Perioden, in denen es
tatsächlich ein allgemein gültiges (und von allen eingehaltenes)
Völkerrecht gegeben hat. Das kann nämlich nur funktionieren, wenn
es viele ungefähr gleich starke Staaten gibt, die alle daran
interessiert sind, dass die beschlossenen Regeln auch von allen
eingehalten werden, sich also alle gegen einen „Störenfried“, der
die allgemein anerkannten Regeln (das Völkerrecht) bricht,
zusammentun und ihn gemeinsam bestrafen.
...https://apolut.net/es-gibt-kein-volkerrecht-mehr-nur-noch-das-recht-des-starkeren-von-thomas-roper/
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06.01.2026
8 Minuten
Seit gestern befindet sich Nicolás Maduro in Gewahrsam in
den USA. Die Anklageschrift gegen ihn liest sich wie eine Farce,
die erhobenen Vorwürfe erweisen sich als haltlos.
Ein Standpunkt von Michael
Straumann.
Dieses Foto ging gestern um die Welt: Venezuelas Präsident
Nicolás Maduro wurde als Geisel gezeigt – gekleidet in einen
grauen Nike-Tech-Jogginganzug, mit roten Lärmschutzkopfhörern und
schwarzer Gesichtsmaske. (Foto im Anhang)
Seit Jahren köchelt der Konflikt zwischen den Vereinigte Staaten
und Venezuela vor sich hin – doch seit letztem September hat sich
die Lage spürbar zugespitzt. Es begann mit den Angriffen des
US-Militärs auf Boote aus Venezuela, die mutmasslich Drogen in
die Vereinigten Staaten schmuggelten. Bei mindestens 19
Einsätzen kamen etwa 105 Menschen ums Leben.
Im Dezember verhängte die US-Regierung
eine Seeblockade gegen Venezuela, wobei zwei
venezolanische Öltanker beschlagnahmt wurden. Pünktlich zu
Heiligabend folgte der erste Angriff auf venezolanischem
Terrain. Nun gipfelte der militärische Schlagabtausch gestern in
der Entführung Maduros. Beim Angriff auf Caracas wurden 40
Menschen getötet.
Amerikanische Elite-Spezialeinheiten brachten Maduro nach New
York, wo er sich nun vor Gericht verantworten soll. Der Prozess
soll in den kommenden Tagen beginnen. In
Venezuela ernannte der Oberste Gerichtshof unterdessen
die Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur neuen Präsidentin. Sie
fordert die USA auf, Maduro freizulassen, und erklärte, Venezuela
werde niemals eine Kolonie der Vereinigten Staaten sein. Zugleich
wirft sie Washington vor, es gehe einzig um die Ausbeutung der
Ressourcen des Landes.
Seit Monaten bezichtigt die Regierung von Donald Trump Maduro des
«Drogenterrorismus». Er arbeite mit Drogenkartellen zusammen und
helfe ihnen, Kokain und Fentanyl in die Vereinigten Staaten zu
schmuggeln. Zudem behauptet Washington, Venezuela habe den USA
Erdöl gestohlen – Ölreserven und Fördergebiete, die 1976
verstaatlicht wurden. Was ist an den Vorwürfen dran?
Venezuela ist kein Fentanyl-Hotspot
Tatsächlich ist Venezuela jedoch keine bedeutende Quelle für
Fentanyl oder andere Drogen, die in die Vereinigten Staaten
gelangen. Entgegen der öffentlichen Rhetorik der Trump-Regierung
gehen die US-Behörden nicht davon aus, dass Maduro venezolanische
Drogenkartelle anführt. Ein internes Lagepapier des Office
of the Director of National Intelligence vom 7. April, das
auf Erkenntnissen aller 18 US-Geheimdienste basiert, kommt zu dem
Schluss, dass die Maduro-Regierung mit hoher Wahrscheinlichkeit
keine Politik der Zusammenarbeit mit Drogenkartellen verfolgt und
weder deren Bewegungen in die USA noch deren Aktivitäten dort
steuert. Die Geheimdienste konnten demnach nicht feststellen,
dass die venezolanische Regierung Kartelle kontrolliert. Vielmehr
geht Caracas gegen diese vor, was eine strategische oder
systematische Kooperation beider Seiten höchst unwahrscheinlich
macht.
...https://apolut.net/willkur-statt-beweise-von-michael-straumann/
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05.01.2026
17 Minuten
Warum die Vulkangruppe den Alltag braucht, den sie
verachtet
Ein Standpunkt von Alvaro Zapata.
Berlin, 3. Januar 2026. In den frühen Morgenstunden bricht im
Südwesten der Hauptstadt die Stromversorgung zusammen. Nicht
punktuell, nicht für Minuten, sondern flächig und über Stunden,
teils Tage. Betroffen sind Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und
Lichterfelde. Rund 45.000 Haushalte, dazu etwa 2.200 gewerbliche
und institutionelle Anschlüsse. Schulen bleiben geschlossen,
Kitas improvisieren, Pflegeeinrichtungen schalten auf Notbetrieb.
Aufzüge stehen still, Heizungen fallen aus, medizinische Geräte
laufen auf Reserve. Bei winterlichen Temperaturen. Es ist kein
technischer Defekt. Es ist Sabotage. Der Staatsschutz ermittelt
wegen Brandstiftung. Kurz darauf taucht ein Bekennerschreiben
auf. Absender: die Vulkangruppe.
Damit ist der Tatbestand klar. Und damit endet jede bequeme
Ausrede.
Denn was hier angegriffen wurde, ist kein Konzern, kein Investor,
kein „Symbol kapitalistischer Ausbeutung“. Angegriffen wurde der
Alltag. Das Nervensystem einer Stadt. Menschen, die nichts
entscheiden, nichts steuern, nichts repräsentieren. Pflegekräfte,
Kinder, Alte. Wer nach diesem Anschlag noch von „Industriekritik“
spricht, lügt.
Der Rückblick auf 2025 ist aufschlussreich. Damals traf es die
Gigafactory von Tesla in Grünheide. Die Deutung lag bereit wie
ein vorgefertigtes Textbausteinlager: Protest gegen
Großindustrie, Kritik am „grünen Kapitalismus“, Widerstand gegen
amerikanische Konzerne. Medien sortierten ein, Politik
relativierte, Kommentatoren diskutierten über Elon Musk. Den
bösen Trump-Fanboy. Alles passte. Alles war vertraut. Alles war
bequem.
Doch schon damals war das ein Kategorienfehler. Tesla war nicht
das Ziel. Tesla war die Bühne. Der Konzern bot Projektionsfläche,
moralische Anschlussfähigkeit, mediale Reichweite. Die Tat lebte
nicht von ihrer offiziellen Bedeutung, sondern von ihrer
Sichtbarkeit. Es ging den Attentätern vor allem um das
persönliche Vorkommen im öffentlichen Raum.
2026 fällt diese Tarnung in sich zusammen. Wer keine Fabrik mehr
angreift, sondern Wohnviertel. Wer nicht Produktionsmittel
sabotiert, sondern Pflegeheime und Schulen. Wer nicht Symbole
trifft, sondern Menschen im Alltag. Der betreibt keinen Protest.
Er betreibt Verunsicherung. Der Stromausfall ist kein
Kollateralschaden, er ist der Zweck.
Hinzu kommt ein Widerspruch, der fast komisch wäre, wäre er nicht
so entlarvend: Die Vulkangruppe ist auf eine funktionierende
Infrastruktur angewiesen, um ihre eigene Zerstörung überhaupt
wirksam werden zu lassen. Fiele der Strom wirklich flächig aus,
gäbe es keine Liveticker, keine Eilmeldungen, keine Talkshows,
keine Schlagzeilen. Ohne Netz kein Echo. Ohne Echo keine
Existenz. Diese Sabotage lebt vom Restbetrieb. Sie ist parasitär,
nicht revolutionär.
Die Täter sitzen währenddessen nicht im Dunkeln. Sie sitzen im
Warmen. Mit Strom. Mit Internet. Mit Endgeräten. Und sie
verfolgen genüsslich, wie ihr Name durch Tagesschau, Bild,
Frankfurter Allgemeine Zeitung und taz wandert. Das ist der
eigentliche Ertrag der Tat. Nicht die Abschaltung. Die Erwähnung.
Der Anschlag ist der Eintrittspreis in den Klatschspaltenbetrieb.
Die Infrastruktur ist das Ticketbüro.
An diesem Punkt verschiebt sich die Analyse zwangsläufig. Weg von
der Frage, wogegen diese Gruppe kämpft, hin zu der Frage, wovon
sie lebt. Die Antwort ist schlicht und unerquicklich: von
Aufmerksamkeit. Die Vulkangruppe braucht den „Spießer-Alltag“,
den sie rhetorisch verachtet, als Energiequelle. Ohne
funktionierende Normalität kein Blackout. Ohne Blackout keine
Schlagzeile. Ohne Schlagzeile keine Bedeutung.
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Über diesen Podcast
"Standpunkte" ist der zweite Podcast, der bei Apolut sechsmal pro
Woche erscheint und Themen aus den unterschiedlichsten
Wissensbereichen aufgreift. In ausführlicher, vertiefender Art und
Weise werden dem Zuhörer politische, gesellschaftliche aber auch
ökologische Zusammenhänge näher gebracht.
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