Auterion: Das Android der Lüfte

Auterion: Das Android der Lüfte

32 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche
Der Blick auf die Drohnenwirtschaft war lange Zeit ein Blick auf
Fluggeräte: Quadrocopter, Tragflächen, Rotoren. Doch in der Robotik
vollzieht sich derzeit eine Verschiebung der Wertschöpfung, wie man
sie zuvor bei Computern und Smartphones beobachtet hat. Die
Hardware wird zunehmend zur austauschbaren Hülle, zur „Commodity“.
Die Intelligenz und die strategische Kontrolle wandern in den Code.
Lorenz Meier, Co-Gründer und CEO des deutsch-amerikanischen
Softwareunternehmens Auterion, treibt diesen Wandel maßgeblich
voran. Im Podcast erläutert Meier, warum der Westen einen
gemeinsamen Software-Standard benötigt. Meier, der seine
technologischen Wurzeln an der ETH Zürich hat, gilt als Architekt
der modernen Drohnensteuerung. Mit „PX4“ entwickelte er den heute
führenden Open-Source-Standard für Autopiloten. Darauf aufbauend
bietet sein Unternehmen Auterion heute ein Betriebssystem –
„Auterion OS“ – an, das als Bindeglied zwischen verschiedenen
Hardware-Plattformen und den Anwendungen der Nutzer fungiert.
Auterion positioniert sich als das „Android“ für die Robotik. Das
Ziel ist Interoperabilität. Bislang kochte in der westlichen Welt
fast jeder Drohnenhersteller sein eigenes Süppchen mit proprietärer
Steuerungssoftware. Das Ergebnis war eine Fragmentierung, die es
unmöglich machte, Skaleneffekte zu nutzen oder Geräte verschiedener
Hersteller in einem einheitlichen Verbund zu steuern. Auterion
durchbricht diese Logik. Durch das Betriebssystem können Drohnen
unterschiedlicher Bauart und von verschiedenen Herstellern mit
derselben Benutzeroberfläche gesteuert und vernetzt werden. Für den
Nutzer bedeutet das eine massive Vereinfachung: Die Schulung auf
diverse Systeme entfällt, und Daten können nahtlos zwischen den
Geräten ausgetauscht werden. Die Bedeutung dieses Ansatzes geht
jedoch weit über technische Effizienz hinaus; sie ist
hochpolitisch. Der globale Drohnenmarkt wird von chinesischen
Anbietern dominiert. Angesichts wachsender geopolitischer
Spannungen suchen westliche Regierungen, Sicherheitsbehörden und
das Verteidigungsbündnis NATO nach vertrauenswürdigen Alternativen,
die keine sensiblen Daten nach Asien übermitteln. Meier
argumentiert, dass der Westen diesen Rückstand nicht aufholen kann,
indem jedes Unternehmen isoliert versucht, eine bessere Drohne als
DJI zu bauen. Stattdessen liefert Auterion die gemeinsame digitale
Infrastruktur, auf der Hardware-Hersteller aufsetzen können. Dies
ermöglicht eine Art „Software-Defined Warfare“: Die physische
Drohne kann im Einsatz verloren gehen oder ausgetauscht werden,
entscheidend bleiben die KI-gestützte Aufklärung, die Vernetzung im
Schwarm und die Fähigkeit, neue Applikationen – ähnlich wie Apps
auf einem Smartphone – kurzfristig aufzuspielen. Mit diesem Ansatz
hat sich Auterion inzwischen als Systemlieferant für Regierungen
und Verteidigungskräfte etabliert.

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