OE3000 - Episode 5 - Die Unterschiede zwischen Organisationen und anderen sozialen Systemen

OE3000 - Episode 5 - Die Unterschiede zwischen Organisationen und anderen sozialen Systemen

18 Minuten

Beschreibung

vor 2 Wochen

Ich bin Robin, und in Episode 5 von OE3000 wird es verschwommen.


Was unterscheidet einen Verein von einem Freundeskreis? Ein
Unternehmen von einer Familie? Die Frage klingt simpel, aber die
Antwort ist kompliziert. Grenzen zwischen verschiedenen sozialen
Gebilden sind keine Mauern – es sind durchlässige Membranen, an
denen verschiedene Logiken kollidieren.


Es beginnt harmlos. Eine Gruppe trifft sich zum Spielen. Pen
& Paper, Brettspiele. Anfangs zuhause, dann wird's eng.
Jemand schlägt vor, einen Raum zu mieten. Plötzlich braucht es
einen Mietvertrag, ein Bankkonto, jemanden der Beiträge
einsammelt. Und wenn man schon dabei ist – warum nicht als
Verein? Eine Satzung wird entworfen, ein Vorstand gewählt. Was
gerade passiert ist? Eine unsichtbare Linie wurde überschritten.
Was als spontanes Treffen unter Freunden begann, ist eine
Organisation geworden. Der Formalisierungsprozess – niemand plant
ihn so, er passiert einfach. Jeder kleine Schritt erscheint
vernünftig. Aber kumulativ transformieren diese Schritte die
fundamentale Natur dessen, was gemeinsam getan wird.


Dann das Familienunternehmen. Formal gibt es Geschäftsführung und
Aufsichtsrat. Aber wo werden Entscheidungen getroffen? Am
Esstisch beim Sonntagskaffee. Die Geschäftslogik sagt: Stell die
beste Person ein. Die Familienlogik sagt: Der Neffe braucht einen
Job. Du kannst deine Schwester nicht feuern – sie ist deine
Schwester. Aber das Geschäft braucht kompetente Führung. Zwei
Logiken, die sich widersprechen. Keine kann gewinnen. Beide
müssen täglich navigiert werden.


Der Unterschied liegt in der Mitgliedschaft. In einem
Unternehmen: Du hast einen Arbeitsvertrag oder nicht. Binär,
eindeutig. In einer Familie? Viel Glück beim Ziehen der Grenzen.
Organisationen schaffen künstliche Klarheit. Andere soziale
Strukturen leben mit produktiver Ambiguität.


Und dann die Exit-Option. Wenn der Job nicht gefällt, kannst du
kündigen. Aus einer Familie kannst du nicht austreten. Das
verändert alles. "Wir sind wie eine Familie" – eine gefährliche
Phrase in Organisationen. Sie übernimmt das Gefühl von Familie
ohne die tatsächlichen Verpflichtungen. Die Verwundbarkeit einer
Familienbeziehung mit ihrer Loyalität, aber nicht den Schutz. Die
Organisation kann dich jederzeit feuern. Eine Familie nicht.


Erwähnte Personen: -


Schreib mir: mail@robin-taylor.de


Mehr Infos: www.robin-taylor.de

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