Schwindel und Psyche - wie gehört das zusammen? | Dr. Andrea Morawe erklärt

Schwindel und Psyche - wie gehört das zusammen? | Dr. Andrea Morawe erklärt

17 Minuten

Beschreibung

vor 2 Wochen

Schwindel gehört zu den Symptomen, die Patient:innen besonders
beunruhigen. Man hat Angst vor einem Schlaganfall oder davor,
dass etwas nicht im Gehirn funktioniert.


Es ist auch unangenehm, denn es betrifft unser Gefühl von
Kontrolle, Sicherheit und Orientierung. Dabei ist Schwindel keine
Diagnose, sondern ein Leitsymptom.


Ein erheblicher Anteil der Fälle hat dabei einen Zusammenhang mit
psychischer Belastung.


Schwindel wird unterteilt in Drehschwindel (Karrussel-Gefühl),
Schwankschwindel (Boot-Gefühl), Benommenheitsschwindel (wie Watte
im Kopf) und unspezifischen Schwindel.


Die subjektive Schilderung des Schwindels ist oft diagnostisch
hilfreicher als operative Befunde. Dazu gehört, wann der
Schwindel auftritt, wie lange er anhält und was ihn
verschlechtert.


Unser Gleichgewichtssystem besteht aus mehreren Komponenten: Das
Innenohr, die Augen, die Tiefensensibilität der Muskulatur und
das Gehirn. Die Psyche hat dabei einen enormen Einfluss, denn bei
Stress, Angst und innerer Anspannung verändern sich bestimmte
vitale Funktionen. Dadurch können Gleichgewichtsinformationen
gestört werden.


Der Schwindel ist real, körperlich spürbar, aber funktionell
bedingt.


Psychische Faktoren sind einer der häufigsten Faktoren für
chronischen Schwindel.


Ein klassisches Beispiel ist der phobische Schwankschwindel, der
oft in großen Menschenmengen auftritt.


Dadurch entsteht ein Teufelskreis:


Die Patient:innen haben Schwindel, dadurch entsteht Angst, was
eine körperliche Stressreaktion auslöst, die wiederum den
Schwindel verstärkt.





Bevor die psychische Ursache angenommen wird, sollte es eine
strukturierte Basisdiagnostik geben. Ein paar Red Flags sind
beispielsweise akute Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen,
Doppelbilder, Gangunsicherheiten, Erbrechen oder ein plötzlich
eintretender schwerer Drehschwindel.





Wenn die Patient:innen verstehen, was los ist, dann reduziert das
die Angst. Es ist also wichtig, dem Patienten empathisch
beizustehen und ihm zu erklären, dass der Schwindel nicht
gefährlich ist.


Das Wichtigste ist, sich nicht zu schonen. Schonung
verschlechtert den funktionellen Schwindel. Man sollte sich
bewegen, den Alltag aktiv gestalten und das Gleichgewicht
fördern. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie ist sinnvoll.





Eine Dauertherapie mit schwindelhemmenden Medikamenten sollte
vermieden werden.


Andrea ist außerdem ein großer Fan der Hypnose-Therapie, die als
ergänzende Maßnahme sehr sinnvoll sein kann. Denn sie kann den
Stress erheblich reduzieren, die vegetative Übererregung senken
und den Angst-Schwindel-Kreislauf dadurch unterbrechen.





Die Patient:innen selbst können selbst autogenes Training
durchführen oder auch die progressive Muskelentspannung.


Dazu helfen Lockerungsübungen für den Schulter- und
Nackenbereich, sowie Gleichgewichtsübungen. Bei Physio- und
Ergotherapeut:innen können schonende Übungen erlernt werden.





Je weniger Aufmerksamkeit der Schwindel bekommt, desto schwächer
wird er werden. Es ist besonders wichtig, den Umgang mit der
Angst zu lernen.








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