Die Vermessung der Meinung mit Cornelius Hirsch
"Poll of Polls": Meinungsforschung und Wahlumfragen für 28 Länder
36 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 6 Jahren
In der zweiten Folge zu unserem Europaschwerpunkt trafen wir
Cornelius Hirsch. Er ist der Co-Gründer und Leiter von Poll of
Polls, einer Plattform für Wahlumfragen, die aus ganz Europa Daten
aggregiert und auswertet. Diese Idee hat dem Medium POLITICO so gut
gefallen, dass es Poll of Polls kauft. Ein Gespräch über die Liebe
zur Wissenschaft, warum er bei fast jedem Abendessen über Politik
spricht, diese aber nicht selbst machen möchte. Europas Antwort auf
538 „Begonnen hat alles während dem US-amerikanischen
Präsidentschaftswahlkampf 2016, ich war täglich auf
fivethirtyeight.com und hab mir gedacht, warum gibt es sowas nicht
auch für Europa?“ FiveThirtyEight ist eine Nachrichtenwebsite die
Statistiken und Einschätzungen für Wahlumfragen liefert, Hirsch
gründete davon inspiriert „Poll of Polls“. Gemeinsam mit einem
Studienkollegen begannen sie 2017 mit den niederländischen und
anschließend den französischen Wahlen. Sein Kollege Peter
Reschenhofer programmierte die Website und Skripts, Hirsch übernahm
die Datenarbeit. „Täglich Wikipedia, Umfrageseiten,
Nachrichtenseiten oder sogar Twitter nach den neuesten Statistiken
durchsuchen. Hoffen, dass es jemand eingegeben hat und während dem
Frühstückskaffee eintippen“. Neben dem Vollzeitjob wird Poll of
Polls aufgebaut, Hirsch arbeitet bis vor kurzem am WIFO und ist
Doktorand an der Wirtschaftsuniversität. Nach und nach kommen mehr
Länder mit mehr Wahlen dazu. Der Bedarf viele Befragungen an einem
Ort zu sammeln und auszuwerten, kam von ihm selbst. „Was ich
wollte, gab es nicht. Also habe ich es selbst gemacht, weil ich
wissen wollte wie es steht“. Nachdem jedes Land in der EU online
war, ging es schnell nach oben. Anfragen von internationalen Medien
von Washington Post bis Le Monde kommen, letzten Sommer trifft er
Ryan Heath von Politico Europe am Forum Alpbach und die
Verhandlungen beginnen. Zur Verteidigung und Grenzen der
Meinungsforschung Hirsch verteidigt die Meinungsforschung, die vor
allem nach der Wahl von Trump in die Kritik geraten ist. „Niemand
hat einen Sieg von Trump ausgeschlossen, seine Chancen lagen bei
etwa 30 Prozent“. Die Verantwortung sieht er eher bei Journalisten
und Medien, die aus einer Umfrage gerne eine Schlagzeile machen:
„Eine Umfrage ist wie ein gutes Parfüm, man soll daran riechen,
aber nicht davon trinken“, sagt Hirsch und gibt zu diesen Satz von
Mathias Strolz gestohlen zu haben.Inspiriert aus einem Interview
mit Regula Stämpfli fragt Philipp Weritz nach den Grenzen: Nur,
weil man Demokratie vermessen kann, heißt das auch, dass man sie
vermessen soll? „Das ist eine Frage, die ich mir selbst auch
stelle. Aber es gehört zu meinem Menschenbild dazu, dass Wähler und
Wählerinnen mündig sind. Und nur informierte Bürgerinnen sind
informierte Wählerinnen“. Er sieht seine Rolle als Unterstützer und
Aufklärer, der sich aufgebauschten Nachrichten auch entgegenstellen
kann. „Als Herr Berlusconi in Italien seine Kandidatur bekannt gab,
war das ein großer Tumult. Wenn man sieht, dass er einer Partei mit
acht Prozent vorsteht, relativiert sich das wieder“. Politisierung
á la Ländle Der gebürtige Vorarlberger ist seit jeher neugierig
wenn es um Politik geht. „Ich kann mich gar nicht erinnern, jemals
nicht politisch interessiert gewesen zu sein. Bei uns zu Hause wird
bei jedem Abendessen mindestens einmal über Politik geredet“. Mit
einem christlich-sozialen Großvater, der sich schon für
Umweltagenden einsetzte, war ebenfalls ein Grundstein gelegt. Als
dritten Faktor sieht Hirsch die Schulpolitik. „Ich war
Klassensprecher, Schulsprecher, dann in der
Landesschülervertretung. Einen ordentlichen politischen Streit im
besten Sinne auszutragen war einfach wahnsinnig spannend“.
Allerdings sieht er bereits erste Anzeichen von Parteipolitik, die
ihn abschrecken. Sachliche Auseinandersetzungen finde er sehr
spannend, aber mit Anliegen einer Partei im Hintergrund zu
diskutieren, will er nicht.
Cornelius Hirsch. Er ist der Co-Gründer und Leiter von Poll of
Polls, einer Plattform für Wahlumfragen, die aus ganz Europa Daten
aggregiert und auswertet. Diese Idee hat dem Medium POLITICO so gut
gefallen, dass es Poll of Polls kauft. Ein Gespräch über die Liebe
zur Wissenschaft, warum er bei fast jedem Abendessen über Politik
spricht, diese aber nicht selbst machen möchte. Europas Antwort auf
538 „Begonnen hat alles während dem US-amerikanischen
Präsidentschaftswahlkampf 2016, ich war täglich auf
fivethirtyeight.com und hab mir gedacht, warum gibt es sowas nicht
auch für Europa?“ FiveThirtyEight ist eine Nachrichtenwebsite die
Statistiken und Einschätzungen für Wahlumfragen liefert, Hirsch
gründete davon inspiriert „Poll of Polls“. Gemeinsam mit einem
Studienkollegen begannen sie 2017 mit den niederländischen und
anschließend den französischen Wahlen. Sein Kollege Peter
Reschenhofer programmierte die Website und Skripts, Hirsch übernahm
die Datenarbeit. „Täglich Wikipedia, Umfrageseiten,
Nachrichtenseiten oder sogar Twitter nach den neuesten Statistiken
durchsuchen. Hoffen, dass es jemand eingegeben hat und während dem
Frühstückskaffee eintippen“. Neben dem Vollzeitjob wird Poll of
Polls aufgebaut, Hirsch arbeitet bis vor kurzem am WIFO und ist
Doktorand an der Wirtschaftsuniversität. Nach und nach kommen mehr
Länder mit mehr Wahlen dazu. Der Bedarf viele Befragungen an einem
Ort zu sammeln und auszuwerten, kam von ihm selbst. „Was ich
wollte, gab es nicht. Also habe ich es selbst gemacht, weil ich
wissen wollte wie es steht“. Nachdem jedes Land in der EU online
war, ging es schnell nach oben. Anfragen von internationalen Medien
von Washington Post bis Le Monde kommen, letzten Sommer trifft er
Ryan Heath von Politico Europe am Forum Alpbach und die
Verhandlungen beginnen. Zur Verteidigung und Grenzen der
Meinungsforschung Hirsch verteidigt die Meinungsforschung, die vor
allem nach der Wahl von Trump in die Kritik geraten ist. „Niemand
hat einen Sieg von Trump ausgeschlossen, seine Chancen lagen bei
etwa 30 Prozent“. Die Verantwortung sieht er eher bei Journalisten
und Medien, die aus einer Umfrage gerne eine Schlagzeile machen:
„Eine Umfrage ist wie ein gutes Parfüm, man soll daran riechen,
aber nicht davon trinken“, sagt Hirsch und gibt zu diesen Satz von
Mathias Strolz gestohlen zu haben.Inspiriert aus einem Interview
mit Regula Stämpfli fragt Philipp Weritz nach den Grenzen: Nur,
weil man Demokratie vermessen kann, heißt das auch, dass man sie
vermessen soll? „Das ist eine Frage, die ich mir selbst auch
stelle. Aber es gehört zu meinem Menschenbild dazu, dass Wähler und
Wählerinnen mündig sind. Und nur informierte Bürgerinnen sind
informierte Wählerinnen“. Er sieht seine Rolle als Unterstützer und
Aufklärer, der sich aufgebauschten Nachrichten auch entgegenstellen
kann. „Als Herr Berlusconi in Italien seine Kandidatur bekannt gab,
war das ein großer Tumult. Wenn man sieht, dass er einer Partei mit
acht Prozent vorsteht, relativiert sich das wieder“. Politisierung
á la Ländle Der gebürtige Vorarlberger ist seit jeher neugierig
wenn es um Politik geht. „Ich kann mich gar nicht erinnern, jemals
nicht politisch interessiert gewesen zu sein. Bei uns zu Hause wird
bei jedem Abendessen mindestens einmal über Politik geredet“. Mit
einem christlich-sozialen Großvater, der sich schon für
Umweltagenden einsetzte, war ebenfalls ein Grundstein gelegt. Als
dritten Faktor sieht Hirsch die Schulpolitik. „Ich war
Klassensprecher, Schulsprecher, dann in der
Landesschülervertretung. Einen ordentlichen politischen Streit im
besten Sinne auszutragen war einfach wahnsinnig spannend“.
Allerdings sieht er bereits erste Anzeichen von Parteipolitik, die
ihn abschrecken. Sachliche Auseinandersetzungen finde er sehr
spannend, aber mit Anliegen einer Partei im Hintergrund zu
diskutieren, will er nicht.
Weitere Episoden
39 Minuten
vor 4 Jahren
37 Minuten
vor 4 Jahren
40 Minuten
vor 4 Jahren
54 Minuten
vor 5 Jahren
30 Minuten
vor 5 Jahren
In Podcasts werben
Kommentare (0)