Warum Menschen (nicht) wählen gehen mit Sylvia Kritzinger

Warum Menschen (nicht) wählen gehen mit Sylvia Kritzinger

Wahlforschung, Werteforschung und mehr Wirkung für Wissenschaft
40 Minuten
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Beschreibung

vor 4 Jahren
Sylvia Kritzinger forscht am Institut für Staatswissenschaft der
Universität Wien und ist Projektleiterin der
AUTNES-Wahlforschungsstudie. Warum Wahlverhalten komplexer ist als
angenommen, was heiraten damit zu tun hat und warum Familie in
Österreich wieder an Wichtigkeit gewinnt. Lesen Sie hier zwei
Auszüge aus dem Gespräch. Das Wahlverhalten der Österreicherinnen
und Österreicher „Die interessantere Frage ist eigentlich, warum
Menschen nicht zur Wahl gehen. Wenn wir uns exemplarisch die 1950er
oder 1960er Jahre herausholen, stellen wir rasch fest, dass zur
Wahl gehen fast eine Pflicht gewesen ist“. Fast 100 Prozent sind
damals zur Wahl gegangen, was sich über nachfolgenden Jahrzehnte
deutlich nach unten entwickelt hat. Abgesehen von natürlichen
Gründen wie zu hohes Alter, dass man krank oder nicht im Land ist,
haben sich viele neue dazugesellt. Man darf diese jedoch nicht alle
über einen Kamm scheren. „Es gibt Personen, die nicht politisch
interessiert sind, die keine Partei haben für die sie wählen wollen
würden, die sich nicht repräsentiert fühlen. Es ist ein buntes
Gemengenlage von Gründen, warum Personen nicht zur Wahl gehen, das
heißt, es wäre zu einfach zu sagen: Wenn eine Person nicht zur Wahl
geht, ist das aus einem bestimmten Grund, wie zum Beispiel
Desinteresse“. Zusätzlich zur abnehmenden Wahlbeteiligung, ist jede
Wahl auch dynamischer geworden. „Von einer Wahl zur anderen kommen
mehr rationale Gedanken zum Vorschein: Ich habe bestimmte
Präferenzen, welche Partei deckt diese am besten ab? Das kann sich
durchaus innerhalb von fünf Jahren ändern“. Neues Wahlverhalten
nach Hochzeit Wie treffen Menschen, die wählen gehen, eine
Entscheidung für oder gegen eine Partei? Neben den erwähnten
rationalen Gründen spielt auch der emotionalere Zugang mit Nähe und
Identifikation zu einer Partei oder Kandidat*in eine Rolle -
unabhängig von politischen Positionen. „Ich habe immer für eine
bestimmte Partei gewählt, der Kandidat ist mir sympathisch also
wähle ich die wiederum“. Hier spielt vor allem die politische
Sozialisation eine Rolle: „Aus welchem Elternhaus komme ich? Wie
haben meine Verwandten, meine Freunde und Bekanntenkreis mich
sozialisiert? Das ist ein sehr langfristiger Einfluss.“ Dieser kann
sich aber mit einem Wechsel der Lebensumstände schnell ändern.
„Wenn man seine Arbeit wechselt, oder wenn man von der Schule ins
Studium kommt, oder auch heiratet. Da merkt man, dass die
politische Sozialisation durchbrochen werden kann“. Kurzfristig
können vor allem Themen sehr einflussreich sein. „2017 war die Wahl
sehr stark beeinflusst von Migrationspolitik, 2019 war das die
Umwelt“. Themen verstärken Entscheidungen jedoch eher, als sie zu
verändern, merkt Kritzinger noch an. Kampagnen können die Agenda
bestimmen, aber: „Wo ich vorher die Grünen wählen wollte und dann
die FPÖ gewählt habe, solche Veränderungen sind äußerst
unwahrscheinlich“. Kritzinger ergänzt aber, dass vielen Menschen
nicht bewusst sei, wie tief die eigene Ideologie eine
Wahlentscheidung beeinflusse.

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