Ein Blick zurück mit Karin Kneissl

Ein Blick zurück mit Karin Kneissl

Diplomatie, Macht, Geschichte im Revue
54 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 5 Jahren
Die ehemalige österreichische Außenministerin im Gespräch: Warum
sie heute nicht mehr in die Politik gehen würde, wie sich die
Diplomatie in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie man in
unsicheren Zeiten Dialog pflegen soll erzählt sie in ihrem neuen
Buch „Diplomatie Macht Geschichte“. Lesen Sie hier zwei Auszüge aus
dem Podcast. Wert der Diplomatie Kneissls Karriere im
Außenministerium begann 1990. Wie hat sich die Diplomatie in diesen
fast 30 Jahren verändert? „Ich war ziemlich ernüchtert, als ich im
Jahr 2017 die ersten Unterlagen für bilaterale Gespräche erhielt“.
Nachdem Karin Kneissl fast die gesamten 90er Jahre im
diplomatischen Dienst verbracht hatte, war sie vom Qualitätsverlust
über die Jahre überrascht. „Wir sind abgeglitten in schlecht
geschriebene Drehbücher und lesen uns gegenseitig vorformulierte
Sätze vor“. Früher hätte man sich eingelesen, Briefings bekommen
und dann in einem offenen Gespräch frei gesprochen. „Die Sprache
ist unser Werkzeug und alles was dazugehört ist Teil des
diplomatischen Gespräches. Diese neue ist eine PR-Sprache geworden,
eine vorgefertigte, verarmte Sprache“. Das Handwerk der Diplomatie
habe auch aufgrund der stärkeren Kommerzialisierung der Ausbildung
gelitten. Gefragt, welches Gesetz sie sich aussuchen würde,
antwortet Kneissl mit einem, dass die Bildung soweit wie möglich
unabhängig machen würde von politischen und ökonomischen
Einflüssen. In ihrem neuesten Buch „Diplomatie Macht Geschichte:
Die Kunst des Dialogs in unsicheren Zeiten“ geht noch mehr in die
Tiefe zum Thema Diplomatie, Ausbildung und dem Handwerk. „Ich würde
nicht mehr in die Politik gehen“ Dass Politik auf der höchsten
Ebene mit Fachkompetenz alleine nicht gelingt, ist kein Geheimnis.
Wie unmöglich es allerdings ist, sich diesen Mechanismen zu
entziehen, war eine Überraschung für Kneissl. „Ich habe zum
Beispiel das Budget für Inserate um 80 Prozent gesenkt, das waren
zuvor 3 Millionen Euro - nur in meinem Ressort. Ich wollte lieber
außenpolitische Projekte fördern damit“. Vergleicht man die
Inseratenhöhe beispielsweise mit dem österreichischen Beitrag zum
internationalen Strafgerichthof, stellt sich die Frage der
Relationen. 2017 lag dieser bei 10.000 Euro, eine Printwerbung in
großen Tageszeitung kostet schnell 20.000 und aufwärts. „Da haben
die Chefredakteure persönlich bei mir angerufen“. Einerseits dürfe
man keine Theaterkarte mehr annehmen – das ist rechtlich als
„Anfüttern“ verboten – andererseits ist das indirekte Anfüttern
durch Inserate in Millionenhöhe gern gesehen. Auch der fehlende
parteipolitische Rückhalt einer Ministerin macht das nicht
einfacher. Zwar war Kneissl am FPÖ-Ticket in der Regierung, denn
die FPÖ verlangte im Gegensatz zur ÖVP keine Parteimitgliedschaft
dafür. „Ein Politiker muss einen Wahlkreis betreuen, den hatte ich
nicht. Ich war politisch tätig aber keine Politikerin und ohne
Rückhalt von hinten ist das sehr, sehr schwierig“. Die Folgen ihres
politischen Wirkens spürt sie auch heute noch. „Die medialen
Angriffe dauern an und die Auftragslage als Autorin und Analystin
ist in Österreich nicht mehr vorhanden“. Wer jetzt? Biografie und
Links Karin Kneissl ist eine österreichische Diplomatin, ehemalige
Außenministerin, Nahostexpertin und Autorin. Sie finden sie auf
ihrer Website und Twitter, ihr neuestes Buch ist im Olms Verlag
erschienen.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15