Die Demokratie in der Pandemie mit Daniela Ingruber
Über die Wichtigkeit von Hoffnung und das Vertrauen in Systeme
37 Minuten
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Beschreibung
vor 4 Jahren
Was macht eine Pandemie mit der Einstellung zur Demokratie? Daniela
Ingruber ist Wissenschaftlerin und forscht an der Donauuniversität
Krems zu Demokratie, Krieg und Frieden. Wir lassen Revue passieren,
wie die leeren Straßen nicht nur im übertragenen Sinne für einen
fehlenden öffentlichen Raum gesorgt haben und warum Hoffnung so
wichtig ist, um nicht in eine Dystopie abzudriften. Ebenfalls:
Kriegsfotografie als Propaganda und mehr. Lesen Sie hier zwei
Stichpunkte aus dem Gespräch. Hoffnung gegen Dystopie „Ich habe
schon immer ein Faible für Science-Fiction Filme gehabt“, sagt
Ingruber. Als sie im ersten Lockdown aus dem Fenster blickte, kam
ihr manchmal vor, als wären wir gerade in einem. „Der öffentliche
Raum als Begegnungszone ist dadurch total verloren gegangen“. Sie
sieht dadurch auch eine Verminderung der Demokratiequalität, denn
die Begegnung in Person könne nicht ersetzt werden durch digitale
Treffen. Der öffentliche Raum sei schon seit 20 Jahren dabei,
zurückgedrängt zu werden. „Menschen brauchen physische Begegnungen,
Menschen brauchen Berührung, und das physische gehört auch zur
Kommunikation. Das macht etwas mit uns, wenn das fehlt“. Auch
worüber wir reden, war in dieser Zeit nicht von Vielfalt und
Ideenreichtum geprägt, es ging immer nur um die Pandemie. 8
Millionen Virologen Wie überwindet man solche Phasen als
Gesellschaft? „Mit Hoffnung und Solidarität. Gerade wenn wir
Hoffnung haben – oder nicht haben – ist alles verloren, weil man
sich dann auch alles gefallen lässt“. Ingruber macht den Konnex zu
ihren Erfahrungen in Kriegsgebieten. „Was mich dort fasziniert hat,
ich bin immer auf Menschen gestoßen, die noch Hoffnung hatten, zu
Zeitpunkten wo ich mir dachte, jetzt ist wirklich alles verloren.
Was soll man denn auch anders tun?“. Mit der Hoffnung geht auch ein
Vertrauen in Systeme Hand in Hand. Gerade im ersten Jahr seit
Beginn der Pandemie habe die österreichische Regierung viel
Vertrauen verspielt. „Sie hat Dinge versprochen, die sie nicht
halten konnte und irgendwann wollten die Leute nichts mehr hören“.
Viel stärker war aber das Versagen, den Menschen ein Warum zu
geben. Warum müssen wir durchhalten und noch weiter Einschränkungen
hinnehmen? Wie in den meisten Konflikten bringt ein Scheitern in
der Kommunikation ein Scheitern auf ganzer Linie mit sich. „Man hat
zum Teil mit uns geredet als wären wir kleine Kinder, und das ist
gemein, denn kleine Kinder verstehen viel mehr als man meint. Man
hat nicht zugehört, sondern Befehle ausgegeben. Man hat viel zu
wenig auf Eigenverantwortung gepocht, und irgendwann haben viele
Menschen beschlossen sie nehmen sich jetzt ihre Eigenverantwortung
und zimmern sich ihre Wahrheit, denn wir sind ein Land von 8
Millionen Virologen“. Allerdings sagt Ingruber auch, dass es nicht
zu spät ist, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. „Die
österreichische Seele ist sehr geduldig, man immer wieder sieht,
wir neigen nicht unbedingt zu Revolutionen und Rebellion. Aber die
Kommunikation muss sich massiv verändern, und ich glaube nicht,
dass das jeder in der Regierung überleben wird“. [Anmerkung, das
Gespräch wurde im April 2021 aufgezeichnet].
Ingruber ist Wissenschaftlerin und forscht an der Donauuniversität
Krems zu Demokratie, Krieg und Frieden. Wir lassen Revue passieren,
wie die leeren Straßen nicht nur im übertragenen Sinne für einen
fehlenden öffentlichen Raum gesorgt haben und warum Hoffnung so
wichtig ist, um nicht in eine Dystopie abzudriften. Ebenfalls:
Kriegsfotografie als Propaganda und mehr. Lesen Sie hier zwei
Stichpunkte aus dem Gespräch. Hoffnung gegen Dystopie „Ich habe
schon immer ein Faible für Science-Fiction Filme gehabt“, sagt
Ingruber. Als sie im ersten Lockdown aus dem Fenster blickte, kam
ihr manchmal vor, als wären wir gerade in einem. „Der öffentliche
Raum als Begegnungszone ist dadurch total verloren gegangen“. Sie
sieht dadurch auch eine Verminderung der Demokratiequalität, denn
die Begegnung in Person könne nicht ersetzt werden durch digitale
Treffen. Der öffentliche Raum sei schon seit 20 Jahren dabei,
zurückgedrängt zu werden. „Menschen brauchen physische Begegnungen,
Menschen brauchen Berührung, und das physische gehört auch zur
Kommunikation. Das macht etwas mit uns, wenn das fehlt“. Auch
worüber wir reden, war in dieser Zeit nicht von Vielfalt und
Ideenreichtum geprägt, es ging immer nur um die Pandemie. 8
Millionen Virologen Wie überwindet man solche Phasen als
Gesellschaft? „Mit Hoffnung und Solidarität. Gerade wenn wir
Hoffnung haben – oder nicht haben – ist alles verloren, weil man
sich dann auch alles gefallen lässt“. Ingruber macht den Konnex zu
ihren Erfahrungen in Kriegsgebieten. „Was mich dort fasziniert hat,
ich bin immer auf Menschen gestoßen, die noch Hoffnung hatten, zu
Zeitpunkten wo ich mir dachte, jetzt ist wirklich alles verloren.
Was soll man denn auch anders tun?“. Mit der Hoffnung geht auch ein
Vertrauen in Systeme Hand in Hand. Gerade im ersten Jahr seit
Beginn der Pandemie habe die österreichische Regierung viel
Vertrauen verspielt. „Sie hat Dinge versprochen, die sie nicht
halten konnte und irgendwann wollten die Leute nichts mehr hören“.
Viel stärker war aber das Versagen, den Menschen ein Warum zu
geben. Warum müssen wir durchhalten und noch weiter Einschränkungen
hinnehmen? Wie in den meisten Konflikten bringt ein Scheitern in
der Kommunikation ein Scheitern auf ganzer Linie mit sich. „Man hat
zum Teil mit uns geredet als wären wir kleine Kinder, und das ist
gemein, denn kleine Kinder verstehen viel mehr als man meint. Man
hat nicht zugehört, sondern Befehle ausgegeben. Man hat viel zu
wenig auf Eigenverantwortung gepocht, und irgendwann haben viele
Menschen beschlossen sie nehmen sich jetzt ihre Eigenverantwortung
und zimmern sich ihre Wahrheit, denn wir sind ein Land von 8
Millionen Virologen“. Allerdings sagt Ingruber auch, dass es nicht
zu spät ist, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. „Die
österreichische Seele ist sehr geduldig, man immer wieder sieht,
wir neigen nicht unbedingt zu Revolutionen und Rebellion. Aber die
Kommunikation muss sich massiv verändern, und ich glaube nicht,
dass das jeder in der Regierung überleben wird“. [Anmerkung, das
Gespräch wurde im April 2021 aufgezeichnet].
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