Podcaster
Episoden
09.10.2021
39 Minuten
Wie begegnet man der steigenden Frustration und Abwendung der
Bevölkerung zur Politik? Indem man sie zum entscheidenden Element
macht – mit einem Bürgerinnenrat. Ronya Alev ist Teil des
Zukunftsrat. Mit dem ersten bundesweiten Instrument dieser Art
wollen sie den „Zukunftsrat Demokratie“ etablieren. Ebenfalls ist
sie Präsidentin von Ponto In diesem Gespräch mit den Themen: Wie
begeistert man den „Durchschnittsbürger“ für eine partizpative
Demokratie? Finanzielle, organisatorische und politische Hürden bei
BürgerInnenräten IG Demokratie und mehr-demokratie! mit Vorarbeit
und Projektträger Was ergibt sich daraus, wenn alle Ziele erfült
werden? Crowdfunding in Österreich Ponto in der Pandemie und
darüber hinaus [Anmerkung, das Gespräch wurde im Juli 2021
aufgezeichnet]. Wer jetzt? Biografie und Links Ronya Alev hat
Politikwissenschaften und Peace and Conflict Studies in Zürich und
Manchester studiert, ist Präsidentin von Ponto und war
Mitarbeiterin von respekt.net. MA7 Dieser Podcast wird gefördert
von Stadt Wien Kultur.
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03.07.2021
37 Minuten
Was macht eine Pandemie mit der Einstellung zur Demokratie? Daniela
Ingruber ist Wissenschaftlerin und forscht an der Donauuniversität
Krems zu Demokratie, Krieg und Frieden. Wir lassen Revue passieren,
wie die leeren Straßen nicht nur im übertragenen Sinne für einen
fehlenden öffentlichen Raum gesorgt haben und warum Hoffnung so
wichtig ist, um nicht in eine Dystopie abzudriften. Ebenfalls:
Kriegsfotografie als Propaganda und mehr. Lesen Sie hier zwei
Stichpunkte aus dem Gespräch. Hoffnung gegen Dystopie „Ich habe
schon immer ein Faible für Science-Fiction Filme gehabt“, sagt
Ingruber. Als sie im ersten Lockdown aus dem Fenster blickte, kam
ihr manchmal vor, als wären wir gerade in einem. „Der öffentliche
Raum als Begegnungszone ist dadurch total verloren gegangen“. Sie
sieht dadurch auch eine Verminderung der Demokratiequalität, denn
die Begegnung in Person könne nicht ersetzt werden durch digitale
Treffen. Der öffentliche Raum sei schon seit 20 Jahren dabei,
zurückgedrängt zu werden. „Menschen brauchen physische Begegnungen,
Menschen brauchen Berührung, und das physische gehört auch zur
Kommunikation. Das macht etwas mit uns, wenn das fehlt“. Auch
worüber wir reden, war in dieser Zeit nicht von Vielfalt und
Ideenreichtum geprägt, es ging immer nur um die Pandemie. 8
Millionen Virologen Wie überwindet man solche Phasen als
Gesellschaft? „Mit Hoffnung und Solidarität. Gerade wenn wir
Hoffnung haben – oder nicht haben – ist alles verloren, weil man
sich dann auch alles gefallen lässt“. Ingruber macht den Konnex zu
ihren Erfahrungen in Kriegsgebieten. „Was mich dort fasziniert hat,
ich bin immer auf Menschen gestoßen, die noch Hoffnung hatten, zu
Zeitpunkten wo ich mir dachte, jetzt ist wirklich alles verloren.
Was soll man denn auch anders tun?“. Mit der Hoffnung geht auch ein
Vertrauen in Systeme Hand in Hand. Gerade im ersten Jahr seit
Beginn der Pandemie habe die österreichische Regierung viel
Vertrauen verspielt. „Sie hat Dinge versprochen, die sie nicht
halten konnte und irgendwann wollten die Leute nichts mehr hören“.
Viel stärker war aber das Versagen, den Menschen ein Warum zu
geben. Warum müssen wir durchhalten und noch weiter Einschränkungen
hinnehmen? Wie in den meisten Konflikten bringt ein Scheitern in
der Kommunikation ein Scheitern auf ganzer Linie mit sich. „Man hat
zum Teil mit uns geredet als wären wir kleine Kinder, und das ist
gemein, denn kleine Kinder verstehen viel mehr als man meint. Man
hat nicht zugehört, sondern Befehle ausgegeben. Man hat viel zu
wenig auf Eigenverantwortung gepocht, und irgendwann haben viele
Menschen beschlossen sie nehmen sich jetzt ihre Eigenverantwortung
und zimmern sich ihre Wahrheit, denn wir sind ein Land von 8
Millionen Virologen“. Allerdings sagt Ingruber auch, dass es nicht
zu spät ist, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. „Die
österreichische Seele ist sehr geduldig, man immer wieder sieht,
wir neigen nicht unbedingt zu Revolutionen und Rebellion. Aber die
Kommunikation muss sich massiv verändern, und ich glaube nicht,
dass das jeder in der Regierung überleben wird“. [Anmerkung, das
Gespräch wurde im April 2021 aufgezeichnet].
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25.02.2021
40 Minuten
Sylvia Kritzinger forscht am Institut für Staatswissenschaft der
Universität Wien und ist Projektleiterin der
AUTNES-Wahlforschungsstudie. Warum Wahlverhalten komplexer ist als
angenommen, was heiraten damit zu tun hat und warum Familie in
Österreich wieder an Wichtigkeit gewinnt. Lesen Sie hier zwei
Auszüge aus dem Gespräch. Das Wahlverhalten der Österreicherinnen
und Österreicher „Die interessantere Frage ist eigentlich, warum
Menschen nicht zur Wahl gehen. Wenn wir uns exemplarisch die 1950er
oder 1960er Jahre herausholen, stellen wir rasch fest, dass zur
Wahl gehen fast eine Pflicht gewesen ist“. Fast 100 Prozent sind
damals zur Wahl gegangen, was sich über nachfolgenden Jahrzehnte
deutlich nach unten entwickelt hat. Abgesehen von natürlichen
Gründen wie zu hohes Alter, dass man krank oder nicht im Land ist,
haben sich viele neue dazugesellt. Man darf diese jedoch nicht alle
über einen Kamm scheren. „Es gibt Personen, die nicht politisch
interessiert sind, die keine Partei haben für die sie wählen wollen
würden, die sich nicht repräsentiert fühlen. Es ist ein buntes
Gemengenlage von Gründen, warum Personen nicht zur Wahl gehen, das
heißt, es wäre zu einfach zu sagen: Wenn eine Person nicht zur Wahl
geht, ist das aus einem bestimmten Grund, wie zum Beispiel
Desinteresse“. Zusätzlich zur abnehmenden Wahlbeteiligung, ist jede
Wahl auch dynamischer geworden. „Von einer Wahl zur anderen kommen
mehr rationale Gedanken zum Vorschein: Ich habe bestimmte
Präferenzen, welche Partei deckt diese am besten ab? Das kann sich
durchaus innerhalb von fünf Jahren ändern“. Neues Wahlverhalten
nach Hochzeit Wie treffen Menschen, die wählen gehen, eine
Entscheidung für oder gegen eine Partei? Neben den erwähnten
rationalen Gründen spielt auch der emotionalere Zugang mit Nähe und
Identifikation zu einer Partei oder Kandidat*in eine Rolle -
unabhängig von politischen Positionen. „Ich habe immer für eine
bestimmte Partei gewählt, der Kandidat ist mir sympathisch also
wähle ich die wiederum“. Hier spielt vor allem die politische
Sozialisation eine Rolle: „Aus welchem Elternhaus komme ich? Wie
haben meine Verwandten, meine Freunde und Bekanntenkreis mich
sozialisiert? Das ist ein sehr langfristiger Einfluss.“ Dieser kann
sich aber mit einem Wechsel der Lebensumstände schnell ändern.
„Wenn man seine Arbeit wechselt, oder wenn man von der Schule ins
Studium kommt, oder auch heiratet. Da merkt man, dass die
politische Sozialisation durchbrochen werden kann“. Kurzfristig
können vor allem Themen sehr einflussreich sein. „2017 war die Wahl
sehr stark beeinflusst von Migrationspolitik, 2019 war das die
Umwelt“. Themen verstärken Entscheidungen jedoch eher, als sie zu
verändern, merkt Kritzinger noch an. Kampagnen können die Agenda
bestimmen, aber: „Wo ich vorher die Grünen wählen wollte und dann
die FPÖ gewählt habe, solche Veränderungen sind äußerst
unwahrscheinlich“. Kritzinger ergänzt aber, dass vielen Menschen
nicht bewusst sei, wie tief die eigene Ideologie eine
Wahlentscheidung beeinflusse.
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25.01.2021
54 Minuten
Die ehemalige österreichische Außenministerin im Gespräch: Warum
sie heute nicht mehr in die Politik gehen würde, wie sich die
Diplomatie in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie man in
unsicheren Zeiten Dialog pflegen soll erzählt sie in ihrem neuen
Buch „Diplomatie Macht Geschichte“. Lesen Sie hier zwei Auszüge aus
dem Podcast. Wert der Diplomatie Kneissls Karriere im
Außenministerium begann 1990. Wie hat sich die Diplomatie in diesen
fast 30 Jahren verändert? „Ich war ziemlich ernüchtert, als ich im
Jahr 2017 die ersten Unterlagen für bilaterale Gespräche erhielt“.
Nachdem Karin Kneissl fast die gesamten 90er Jahre im
diplomatischen Dienst verbracht hatte, war sie vom Qualitätsverlust
über die Jahre überrascht. „Wir sind abgeglitten in schlecht
geschriebene Drehbücher und lesen uns gegenseitig vorformulierte
Sätze vor“. Früher hätte man sich eingelesen, Briefings bekommen
und dann in einem offenen Gespräch frei gesprochen. „Die Sprache
ist unser Werkzeug und alles was dazugehört ist Teil des
diplomatischen Gespräches. Diese neue ist eine PR-Sprache geworden,
eine vorgefertigte, verarmte Sprache“. Das Handwerk der Diplomatie
habe auch aufgrund der stärkeren Kommerzialisierung der Ausbildung
gelitten. Gefragt, welches Gesetz sie sich aussuchen würde,
antwortet Kneissl mit einem, dass die Bildung soweit wie möglich
unabhängig machen würde von politischen und ökonomischen
Einflüssen. In ihrem neuesten Buch „Diplomatie Macht Geschichte:
Die Kunst des Dialogs in unsicheren Zeiten“ geht noch mehr in die
Tiefe zum Thema Diplomatie, Ausbildung und dem Handwerk. „Ich würde
nicht mehr in die Politik gehen“ Dass Politik auf der höchsten
Ebene mit Fachkompetenz alleine nicht gelingt, ist kein Geheimnis.
Wie unmöglich es allerdings ist, sich diesen Mechanismen zu
entziehen, war eine Überraschung für Kneissl. „Ich habe zum
Beispiel das Budget für Inserate um 80 Prozent gesenkt, das waren
zuvor 3 Millionen Euro - nur in meinem Ressort. Ich wollte lieber
außenpolitische Projekte fördern damit“. Vergleicht man die
Inseratenhöhe beispielsweise mit dem österreichischen Beitrag zum
internationalen Strafgerichthof, stellt sich die Frage der
Relationen. 2017 lag dieser bei 10.000 Euro, eine Printwerbung in
großen Tageszeitung kostet schnell 20.000 und aufwärts. „Da haben
die Chefredakteure persönlich bei mir angerufen“. Einerseits dürfe
man keine Theaterkarte mehr annehmen – das ist rechtlich als
„Anfüttern“ verboten – andererseits ist das indirekte Anfüttern
durch Inserate in Millionenhöhe gern gesehen. Auch der fehlende
parteipolitische Rückhalt einer Ministerin macht das nicht
einfacher. Zwar war Kneissl am FPÖ-Ticket in der Regierung, denn
die FPÖ verlangte im Gegensatz zur ÖVP keine Parteimitgliedschaft
dafür. „Ein Politiker muss einen Wahlkreis betreuen, den hatte ich
nicht. Ich war politisch tätig aber keine Politikerin und ohne
Rückhalt von hinten ist das sehr, sehr schwierig“. Die Folgen ihres
politischen Wirkens spürt sie auch heute noch. „Die medialen
Angriffe dauern an und die Auftragslage als Autorin und Analystin
ist in Österreich nicht mehr vorhanden“. Wer jetzt? Biografie und
Links Karin Kneissl ist eine österreichische Diplomatin, ehemalige
Außenministerin, Nahostexpertin und Autorin. Sie finden sie auf
ihrer Website und Twitter, ihr neuestes Buch ist im Olms Verlag
erschienen.
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15.11.2020
30 Minuten
Magda Stumvoll ist Co-Präsidentin des Thinktanks Ponto. Als Teil
des europäischen Netzwerks „Open Think Tank Network“ widmen sie
sich mit Grassroots Strukturen europapolitischen Themen. Das Ziel?
Internationale Policygestaltung zu demokratisieren. „Thinktanks
sind in Österreich eher im Hintergrund. Mir selbst waren die
internationalen mehr ein Begriff als die österreichischen, bevor
ich selbst in die Szene eingetaucht bin“. Während die jungen, neuen
Thinktanks untereinander gut vernetzt seien, fehlt der Anschluss zu
den großen. „Wir versuchen gehört zu werden, unsere Ideen an die
Politik weiterzugeben, aber natürlich kann man sich dabei noch nach
oben verbessern“. Außenpolitik ist das Thema, was ist das Ziel?
„Eine Plattform für junge Leute zu etablieren, wo man sich
unabhängig von vollständigem Expertenwissen einbringen kann“. Auch
das Werkzeug will Ponto zur Verfügung stellen, mit einem Netzwerk
an Kontakten und partizipativen Methoden. Besonders der Brexit war
ein einschneidendes Erlebnis für Stumvoll, der auch Motivation für
Ponto war: „Viele junge Leute haben sich zu spät zu dem Thema eine
Meinung gebildet, und andere über ihre Zukunft bestimmen lassen.
Das wollen wir auf alle Fälle verhindern“. Frisch geschlüpft Die
erste Idee für das heutige Ponto entstand Anfang 2017. „Wir haben
eine Lücke festgestellt, dass es in Wien keine Möglichkeit gab,
sich außenpolitisch zu engagieren, ohne Parteifarbe zu bekennen“.
Zeitgleich traf sich eine gemischte Truppe an Interessenten,
während der Schweizer Thinktank Foraus mit seinem Grassroots-Ansatz
für Aufsehen in der Szene sorgte. Ableger in Paris, Berlin oder
London waren ein Beweis für das Funktionieren der Idee und dass
auch der Bedarf vorhanden ist. „In dieser Runde waren wir der
fünfte, heute ist das als Open Think Tank Netzwerk bekannt“.
Während der Gründungszeit wechseln die Köpfe dahinter, im Mai 2018
findet der offizielle Launch statt. Seitdem ist das Team
ehrenamtlich am Schaffen. „Beim letzten Vorstandstreffen hat eine
auf den Tisch gehaut: ‚Wir müssen endlich aufhören die Finanzierung
stiefmütterlich zu behandeln‘“. Auch wenn die inhaltliche Arbeit
die Hauptmotivation ist, leide diese ohne entsprechende
Finanzierung, vor allem Administration würde Stumvoll als erstes
abgeben wollen. Einiges geht über Projektfinanzierungen und
entsprechende Anträge, eine stetige Basisfinanzierung stellt eine
große Hürde dar. Europäische Erfahrung Aus dem gemeinsamen Netzwerk
konnte Ponto bereits einiges lernen, vieles scheitert aber an
nationalen Gegebenheiten und Unterschieden. So sind die Schweizer
mit Foraus bereits seit mehr als 10 Jahren aktiv und auch einige
Kooperationen mit Stiftungen. „Gerade die Stiftungslandschaft ist
in der Schweiz ganz anders als bei uns“. Kleiner und vor allem
nicht sehr NGO-freundlich, muss auf jede Stiftungsauszahlung noch
Kapitalertragssteuer bezahlt werden.
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Über diesen Podcast
Wir reden über die Zukunft der Demokratie. "Wer jetzt?" ist der
Podcast fürs Praktische. Mit und über Menschen, die an der
Weiterentwicklung und Förderung unserer Demokratie arbeiten, und
unser politisches System von innen oder außen verändern. Philipp
Weritz als Gastgeber interviewt Menschen aus Politik, Wissenschaft,
Medien, Zivilgesellschaft und mehr in 30-40 Minuten Folgen über
Ideen und Projekte, wie Demokratie morgen aussehen kann.
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