Mittun statt mitreden mit Jürgen Czernohorszky

Mittun statt mitreden mit Jürgen Czernohorszky

Wie plant man eine Zukunft für 360.000 Kinder und Jugendliche?
40 Minuten
Podcast
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Beschreibung

vor 6 Jahren
Wien ist seit kurzem das jüngste Bundesland Österreichs. Der
Stadtrat für Bildung, Integration und Jugend über das Projekt
„Werkstadt Junges Wien“, im Zuge dessen aus 22.000 jungen Meinungen
eine Kinder- und Jugendstrategie der nächsten Jahre wird. Ein
Gespräch über Inklusion, Migration und den größten
Beteiligungsprozess Wiens. Hier lesen Sie drei Stichpunkte:
Politische Werkzeuge für Kinder Ernstgemeinte Bürgerbeteiligung
geschieht in Österreich selten. Das liegt einerseits daran, dass es
oft bei Lippenbekenntnissen bleibt, andererseits daran, dass die
Methodik stark unterschätzt wird. Je nach Prozessgestaltung ändert
sich das Ergebnis: „Bei Partizipation geht es nicht umsonst um die
richtige Methodik. Erst wenn vermittelt wird, dass es sich nicht um
eine Meinungsumfrage handelt, sondern um mittun statt mitreden,
funktioniert das wirklich.“ Der Gedanke dahinter war simpel: „Wie
kann man einen transparenten und nachvollziehbaren Prozess
gestalten, der einbindet und dann der Verwaltung und Politik Ziele
vorlegt, die sie abarbeiten müssen?“ Die „Werkstadt Junges Wien“
ist aktuell im Gange. Bisher wurden in mehr als eintausend
Workshops 22.000 Kinder und Jugendliche befragt: Was in Wien gut
oder schlecht funktioniert, welche Ideen zur Verbesserung es gibt
und wie man das Zusammenleben optimieren kann. Organisiert von und
an Schulen, Jugendvereinen, Kindergärten, Magistratsabteilungen und
vielen mehr. Ein sozialwissenschaftliches Institut analysiert die
Ergebnisse in einem ersten Schritt. Im Herbst folgt ein Kongress
mit Vertretern der genannten Institutionen sowie 21 gelosten
Kindern und Jugendlichen. Eine Entscheidung, die keine ist Wie geht
er mit Wünschen um, die gegen sein Parteiprogramm gehen? „Wir haben
uns verpflichtet diese Vorschläge ernst zu nehmen. Die
Einschränkungen sind die der Machbarkeit, nicht die der Relevanz.
Deswegen haben wir eine Feedbackschleife mit den zuständigen
Abteilungen, im Zweifel gilt das Primat des Machbaren“. Unabhängig
davon, was gewünscht wird, geht es um etwas Grundsätzliches: „Ich
bin der festen Entscheidung, dass es keine Option ist, ob man
Kinder mitnimmt oder nicht. Viele verstehen das so, weil es ein
Machtgefälle gibt, weil Kinder mehr Schutz und Förderung brauchen.
Erwachsene haben im Gegenzug mehr Möglichkeiten zur Gestaltung“.
Die Regeln des Staates sollen so gestaltet werden, dass man die
jungen Mitbürger auf Augenhöhe hebt, statt sich zu
hintunterzubücken, sagt Czernohorzsky. Sein Hintergrund aus der
Kinder- und Jugendarbeit prägt sein Denken als Politiker: „Das
Selbstverständnis, Kinder mitzunehmen, macht mich als Typ aus und
ich sehe es auch als meine Aufgabe, daraus keine Typfrage mehr zu
machen“. Mitspielen bei dem Spiel, das Gesellschaft heißt Sein
zweiter Antrieb ist sehr pragmatisch. Wien ist das jüngste
Bundesland Österreich mit mehr als 360.000 Menschen, die unter 19
Jahre alt sind. Da man erst ab 16 Jahren wählen darf, sieht er es
als eine zentrale Aufgabe der Regierung, diese Gruppe stärker zu
hören und zu repräsentieren. Neben der jungen Bevölkerung ist
Czernohorszky auch Stadtrat für Integration. In Wien darf aktuell
ein Viertel der Bevölkerung nicht wählen bei Nationalratswahlen, je
nach Bezirk sogar noch mehr. Tendenz steigend: „Das
Demokratiedefizit, das dadurch entsteht ist groß. Wir arbeiten zum
Beispiel mit dem forum.wien.welt.offen dagegen, haben aber als
Stadt nicht die Spielräume, die der Bund hat“.

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