Wie werde ich Politikerin? Mit Peter Grabner

Wie werde ich Politikerin? Mit Peter Grabner

Handwerk, Persönlichkeitsentwicklung und Organisation
39 Minuten
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Beschreibung

vor 5 Jahren
Peter Grabner bildet Menschen für den politischen Betrieb aus,
abseits von Parteiakademien. An der FH Campus Wien leitet er die
Studiengänge für „Führung, Politik und Management“ sowie
„Digitalisierung, Politik und Kommunikation“. Im Gespräch über das
Handwerk Politik, die Brücke zu Technologie und wie man Komplexität
reduziert. Wie vermittelt man Politik als Handwerk? Vor 8 Jahren
stellte sich Peter Grabner diese Fragen, als er mit einem Team an
einem neuen Studiengang arbeitet. Ausgangspunkt war die
Beobachtung, dass einerseits politische Akademien und andererseits
wirtschaftliche Ausbildungen das lehrten, was der jeweils anderen
Seite fehlte. „Die Frage ist auch, ob man das überhaupt lernen
kann? Diese Frage ist am Anfang der Curricular-Entwicklung
gestanden. Ich habe sie auch nicht allein beantwortet, sondern mit
Menschen aus der Verwaltung, dem politischen System, die sich für
demokratische Prozesse interessieren“. Ganz praktisch brauche es
die drei Säulen Führung, Management sowie das politische Handwerk.
„Wenn du heute Spitzenpolitiker oder Spitzenentscheider werden
willst, musst du in der Lage sein modern zu führen. Das heißt,
Komplexität zu bewältigen und das schafft man nicht, in dem man
permanent versucht alles persönlich zu kontrollieren“. Das bedeutet
einen Fokus auf persönliche Entwicklung, denn „Persönlichkeit ist
kein Schicksal“. Sie hängt daran, dass sich Menschen begegnen, an
Beispielen lernen können und Platz zum Reflektieren haben. „Vor der
Erziehung kommt die Beziehung, an das glaube ich zutiefst. Es ist
auch eine Grundsatzfrage, ob Menschen sich ändern können. Ich glaub
an das, sonst wäre ich im falschen Beruf“. Daneben braucht es ein
Verständnis für Organisationskultur. Genauso wenig wie
Persönlichkeit einfach geschieht, müsse auch Kultur aktiv geformt
werden, um von ihr zu profitieren. Zu guter Letzt sieht Grabner
auch die Übersetzungsleistung als essentiell: „Wie wird aus
politischer Willensbildung Verwaltungshandeln? Da brauchst du gute
Leute, und in diesem Werkzeugkoffer ist es geschickt, wenn
Budgetanalyse, Managementsysteme und prozessuales Denken vorhanden
sind“. Die (un)komplizierte Welt Grabner hat vor seiner Tätigkeit
als Studiengangsleiter zu Komplexität, Risiko und
Managementsystemen geforscht. Ist unsere Welt tatsächlich
komplizierter geworden, oder ist das Gefühl der kollektiven
Überforderung und Informationsflut ein Phänomen der Gegenwart?
„Nein, unsere Welt ist nicht komplizierter geworden“, sagt er. Auch
früher mussten Entscheidungen getroffen werden, die nicht alle
Informationen zur Verfügung hatten. Natürlich müssen neuen
Technologien Rechnung getragen werden, dafür habe er auch den
zweiten Studiengang Digitalisierung, Politik und Management
gegründet. Allerdings sieht er das nicht im direkten Berufsfeld
eines Politikers, einer Politikerin. „Unsere Welt wird zunehmend
technologisiert, und jemand technische Projekte leiten kann und die
Implikationen für Gesamtsysteme übersetzen kann, wird immer mehr
gebraucht“.

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