Realitäten und Utopien mit Judith Kohlenberger
Mythen und Fakten über Integration und Migration
52 Minuten
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Beschreibung
vor 5 Jahren
Judith Kohlenberger widerlegt im Gespräch mit Philipp Weritz
gängige Mythen zu Migration und Integration. Was bewegt Menschen
dazu, ihr Land zu verlassen? Die Kultur- und
Sozialwissenschaftlerin liefert Fakten und erklärt Zusammenhänge,
die nicht ersichtlich scheinen auf den ersten Blick. Lesen Sie hier
zwei Stichpunkte aus dem Gespräch und hören Sie die Episode in
ganzer Länger überall, wo es Podcasts gibt. „Möchten Sie in den
nächsten 5 Jahren das Land verlassen?“ Migration ist keine Dynamik,
die sich mit Aktion-Reaktion adäquat beschreiben lässt.
Schlagwörter wie „Seenotrettung erlauben/verbieten“ oder „Hilfe vor
Ort“ prägen zwar die Berichterstattung, greifen aber zu kurz, wenn
es nach Judith Kohlenberger geht. Es gebe keine empirischen
Beweise, dass beispielsweise die Erlaubnis von Seenotrettung eine
Steigerung der Migrationszahlen hervorrufen würde. Die Wirklichkeit
ist weitaus komplexer, und kein einfaches „Push-Pull“ Modell. Der
aktuelle Stand der Forschung spricht vom Aspiration-Capability-Gap.
Das sind einerseits klare Wünsche und Intentionen ein Land zu
verlassen, oft in den ärmsten Ländern am stärksten ausgeprägt, zum
Beispiel in der Subsahara Region. Eine „Aspiration“ (engl.
Streben), ein Wunsch, den tatsächlich der Großteil der Bevölkerung
hegt. Dem gegenüber steht jedoch die Realität der „Capabilities“,
also der Fähigkeiten. Aus dieser Differenz ergibt sich der Name des
Modells. „Habe ich überhaupt die Möglichkeit, das Land zu
verlassen? Da spielen finanzielle Ressourcen genauso eine Rolle wie
Bildung, persönlicher Horizont, Infrastruktur – gibt es überhaupt
die Reisemöglichkeiten?“. Diese Einschränkungen gelten besonders in
Ländern der Südhalbkugel. „Weil ihnen einfach die Ressourcen
fehlen, vor allem für internationale und transkontinentale
Migration über weite Strecken“. Vor allem die Corona-Pandemie habe
bewiesen, dass der Kontinent mit der höchsten Mobilität der globale
Norden ist: „In Europa und Nordamerika findet die meiste Mobilität
statt, weil die Menschen die Ressourcen haben“. Das Einkommen hat
den größten Einfluss auf die Capabilities. „Man hat den Wunsch zu
emigrieren, kann es sich aber salopp gesagt nicht leisten“. Wenn
schon nichts Gutes, dann etwas Neutrales Viele Methoden würden in
der Politik eingesetzt, um das Streben nach Migration möglichst zu
senken. „Dieses Schreckensszenario der Migration: Kann es überhaupt
die Lösung oder Hoffnung sein, Migration komplett gegen null zu
bringen? Das würde ich mal an sich hinterfragen. Wenn nicht
positiv, dann sollte sie zumindest neutral gesehen werden.
Migration ist eine Grundkonstante der menschlichen Entwicklung“.
Die metaphorische Karotte vor der Nase und überschätztes
Allheilmittel sei die Hilfe vor Ort: „Wir wollen die Menschen nicht
herholen, aber wir schicken Hilfe vor Ort. Mittlerweile weiß man
aber aus der Forschung, dass etwa Entwicklungszusammenarbeit im
ersten Schritt den Migrationsdruck nicht senkt, sondern steigert“.
Wie erklärt Kohlenberger dieses Phänomen? „Die Länder mit den
höchsten Migrationsvolumen weltweit sind die Türkei, Marokko oder
die Philippinen, also solche mit einer mittleren
Einkommensschwelle. Länder mit niedrigem durchschnittlichem
Einkommen haben ein relativ geringes Migrationsaufkommen, da sie
keine finanziellen Ressourcen haben. Mit steigender
Entwicklungszusammenarbeit steigen diese, aber nicht gleichzeitig
die Lebensqualität im Land selbst“. Dadurch komme es im ersten
Moment sogar zu einem Anstieg der Menschen, die es sich nun leisten
können, das Land zu verlassen. Sie fügt aber auch hinzu: „Das soll
kein Argument gegen Entwicklungshilfe sein, aber die Effekte auf
sollen transparent kommuniziert werden“.
gängige Mythen zu Migration und Integration. Was bewegt Menschen
dazu, ihr Land zu verlassen? Die Kultur- und
Sozialwissenschaftlerin liefert Fakten und erklärt Zusammenhänge,
die nicht ersichtlich scheinen auf den ersten Blick. Lesen Sie hier
zwei Stichpunkte aus dem Gespräch und hören Sie die Episode in
ganzer Länger überall, wo es Podcasts gibt. „Möchten Sie in den
nächsten 5 Jahren das Land verlassen?“ Migration ist keine Dynamik,
die sich mit Aktion-Reaktion adäquat beschreiben lässt.
Schlagwörter wie „Seenotrettung erlauben/verbieten“ oder „Hilfe vor
Ort“ prägen zwar die Berichterstattung, greifen aber zu kurz, wenn
es nach Judith Kohlenberger geht. Es gebe keine empirischen
Beweise, dass beispielsweise die Erlaubnis von Seenotrettung eine
Steigerung der Migrationszahlen hervorrufen würde. Die Wirklichkeit
ist weitaus komplexer, und kein einfaches „Push-Pull“ Modell. Der
aktuelle Stand der Forschung spricht vom Aspiration-Capability-Gap.
Das sind einerseits klare Wünsche und Intentionen ein Land zu
verlassen, oft in den ärmsten Ländern am stärksten ausgeprägt, zum
Beispiel in der Subsahara Region. Eine „Aspiration“ (engl.
Streben), ein Wunsch, den tatsächlich der Großteil der Bevölkerung
hegt. Dem gegenüber steht jedoch die Realität der „Capabilities“,
also der Fähigkeiten. Aus dieser Differenz ergibt sich der Name des
Modells. „Habe ich überhaupt die Möglichkeit, das Land zu
verlassen? Da spielen finanzielle Ressourcen genauso eine Rolle wie
Bildung, persönlicher Horizont, Infrastruktur – gibt es überhaupt
die Reisemöglichkeiten?“. Diese Einschränkungen gelten besonders in
Ländern der Südhalbkugel. „Weil ihnen einfach die Ressourcen
fehlen, vor allem für internationale und transkontinentale
Migration über weite Strecken“. Vor allem die Corona-Pandemie habe
bewiesen, dass der Kontinent mit der höchsten Mobilität der globale
Norden ist: „In Europa und Nordamerika findet die meiste Mobilität
statt, weil die Menschen die Ressourcen haben“. Das Einkommen hat
den größten Einfluss auf die Capabilities. „Man hat den Wunsch zu
emigrieren, kann es sich aber salopp gesagt nicht leisten“. Wenn
schon nichts Gutes, dann etwas Neutrales Viele Methoden würden in
der Politik eingesetzt, um das Streben nach Migration möglichst zu
senken. „Dieses Schreckensszenario der Migration: Kann es überhaupt
die Lösung oder Hoffnung sein, Migration komplett gegen null zu
bringen? Das würde ich mal an sich hinterfragen. Wenn nicht
positiv, dann sollte sie zumindest neutral gesehen werden.
Migration ist eine Grundkonstante der menschlichen Entwicklung“.
Die metaphorische Karotte vor der Nase und überschätztes
Allheilmittel sei die Hilfe vor Ort: „Wir wollen die Menschen nicht
herholen, aber wir schicken Hilfe vor Ort. Mittlerweile weiß man
aber aus der Forschung, dass etwa Entwicklungszusammenarbeit im
ersten Schritt den Migrationsdruck nicht senkt, sondern steigert“.
Wie erklärt Kohlenberger dieses Phänomen? „Die Länder mit den
höchsten Migrationsvolumen weltweit sind die Türkei, Marokko oder
die Philippinen, also solche mit einer mittleren
Einkommensschwelle. Länder mit niedrigem durchschnittlichem
Einkommen haben ein relativ geringes Migrationsaufkommen, da sie
keine finanziellen Ressourcen haben. Mit steigender
Entwicklungszusammenarbeit steigen diese, aber nicht gleichzeitig
die Lebensqualität im Land selbst“. Dadurch komme es im ersten
Moment sogar zu einem Anstieg der Menschen, die es sich nun leisten
können, das Land zu verlassen. Sie fügt aber auch hinzu: „Das soll
kein Argument gegen Entwicklungshilfe sein, aber die Effekte auf
sollen transparent kommuniziert werden“.
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