Die Regeln einer Gesellschaft finden mit Gertraud Diendorfer
Wanderausstellungen, Wissenstransfer und das Demokratiezentrum Wien
42 Minuten
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Beschreibung
vor 5 Jahren
Das Demokratiezentrum Wien feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen.
Die Leiterin Gertraud Diendorfer im Gespräch über die Vermittlung
des Themas und warum sie es überhaupt nicht für abstrakt oder
trocken hält. Starke politische Bildung als Institution, und der
lange Weg zur Freude an der Demokratie in Österreich. Lesen Sie
hier zwei Stichpunkte aus dem Gespräch. „Ich glaube es wird ein
wenig überbewertet, dass Demokratie trocken und spröde und
schwierig ist. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso
spannender wird sie. Demokratie bestimmt ja unglaublich das eigene
Leben, die Rahmenbedingungen, welche Regeln und Möglichkeiten wir
haben“. Diendorfer sagt, dass auch eine zielgruppenorientiere
Vermittlung wichtig sei. Kinder und Jugendliche werden anders an
das Thema herangebracht als es in einem Workshop für Erwachsene der
Fall wäre. Ende der 1990er Jahre entstanden die ersten Pläne für
das Demokratiezentrum Wien. Zeitgleich mit der Massentauglichkeit
des Internets sieht Diendorfer das Potential: „Das Internet hat ja
versprochen, dass Wissen demokratisiert wird, dass man direkt und
anders kommuniziert, dass eine neue Öffentlichkeit entstehen kann“.
Das war ein Teil der Gründungsgedanken. Gemeinsam mit einem
interdisziplinären Team aus vielen wissenschaftlichen Bereichen ist
aber auch die Forschung und Vermittlung zentral. „Wir wollten das
Demokratiezentrum an der Schnittstelle von Wissenschaft, Bildung
und interessierter Öffentlichkeit gründen“. Bei der Vermittlung ist
Diendorfer sehr direkt, sie hält es nicht für abstrakt: „Das wird
schon so vor sich hergetragen und man scheut gleich zurück. Unsere
Gesellschaft ist generell komplex. Jede Anleitung für ein
technisches Gerät muss ich mir zweimal durchlesen, bei dem Thema
Demokratie will man sich dieser Mühe aber nicht aussetzen. Man soll
das aber tun, denn es ist ein lohnendes Unterfangen“. Woher kommt
die Demokratieverdrossenheit in Österreich? Diendorfer sieht hier
vor allem historische Gründe. Österreich sei eine Gesellschaft ohne
Revolution, zwei mitverursachten Weltkriegen und einer fehlenden
differenzierten Aufarbeitung dieser Verantwortung. „Von daher hat
man politische Bildung sehr verengt als Parteipolitik gesehen und
das als Indoktrination gesehen. Auch unsere Demokratiegeschichte
ist sehr jung“. Demokratie ist nicht gleich Demokratie Die
unterschiedlichen Formen von Demokratie sorgen ebenfalls dafür,
dass eine Realisierung und Begeisterung sich nicht von alleine
einstellt. „Man kann natürlich zur Wahl gehen und dann den
gewählten Vertretern und Vertreterinnen sagen, ihr macht jetzt den
Job. Ich vertrete aber eine partizipative Form, wo ich mich
engagiere und mitbestimmen möchte. Nur dann, wenn ich selbst
Verantwortung übernehme, kann ich mitreden und mitgestalten. Das
war in Österreich ein längerer Prozess über Jahrzehnte, dass wir
Demokratie immer weiterentwickelt haben“. Um dieses Gefühl
voranzutreiben, arbeitet sie gerne mit Ausstellungen, das sie als
Lernformat nutzt. Vor allem bei Schülerinnen und Schülern kommt die
Interaktion des Formats, ergänzt mit technischen Möglichkeiten gut
an. Thematisch bleibt hier auch sehr viel möglich, von Integration,
Migration, Demokratie an sich oder das Beispiel von Grundrechten:
„Schon als junger Mensch habe ich ja gewisse Rechte und kann mich
einbringen. Aber weil so wenig politische Bildung vermittelt wird,
weil es auch von der Bildung der Lehrer abhängt, ob es ein Fach
gibt oder nicht, wissen Schüler oft nicht Bescheid“. Die zweite
Schiene, die Diendorfer für wichtig hält, ist daher eine stärkere
Institutionalisierung der politischen Bildung, um weniger von
einzelnen Schulen, Lehrer*innen und Lehrplänen abhängig zu werden.
Die Leiterin Gertraud Diendorfer im Gespräch über die Vermittlung
des Themas und warum sie es überhaupt nicht für abstrakt oder
trocken hält. Starke politische Bildung als Institution, und der
lange Weg zur Freude an der Demokratie in Österreich. Lesen Sie
hier zwei Stichpunkte aus dem Gespräch. „Ich glaube es wird ein
wenig überbewertet, dass Demokratie trocken und spröde und
schwierig ist. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, umso
spannender wird sie. Demokratie bestimmt ja unglaublich das eigene
Leben, die Rahmenbedingungen, welche Regeln und Möglichkeiten wir
haben“. Diendorfer sagt, dass auch eine zielgruppenorientiere
Vermittlung wichtig sei. Kinder und Jugendliche werden anders an
das Thema herangebracht als es in einem Workshop für Erwachsene der
Fall wäre. Ende der 1990er Jahre entstanden die ersten Pläne für
das Demokratiezentrum Wien. Zeitgleich mit der Massentauglichkeit
des Internets sieht Diendorfer das Potential: „Das Internet hat ja
versprochen, dass Wissen demokratisiert wird, dass man direkt und
anders kommuniziert, dass eine neue Öffentlichkeit entstehen kann“.
Das war ein Teil der Gründungsgedanken. Gemeinsam mit einem
interdisziplinären Team aus vielen wissenschaftlichen Bereichen ist
aber auch die Forschung und Vermittlung zentral. „Wir wollten das
Demokratiezentrum an der Schnittstelle von Wissenschaft, Bildung
und interessierter Öffentlichkeit gründen“. Bei der Vermittlung ist
Diendorfer sehr direkt, sie hält es nicht für abstrakt: „Das wird
schon so vor sich hergetragen und man scheut gleich zurück. Unsere
Gesellschaft ist generell komplex. Jede Anleitung für ein
technisches Gerät muss ich mir zweimal durchlesen, bei dem Thema
Demokratie will man sich dieser Mühe aber nicht aussetzen. Man soll
das aber tun, denn es ist ein lohnendes Unterfangen“. Woher kommt
die Demokratieverdrossenheit in Österreich? Diendorfer sieht hier
vor allem historische Gründe. Österreich sei eine Gesellschaft ohne
Revolution, zwei mitverursachten Weltkriegen und einer fehlenden
differenzierten Aufarbeitung dieser Verantwortung. „Von daher hat
man politische Bildung sehr verengt als Parteipolitik gesehen und
das als Indoktrination gesehen. Auch unsere Demokratiegeschichte
ist sehr jung“. Demokratie ist nicht gleich Demokratie Die
unterschiedlichen Formen von Demokratie sorgen ebenfalls dafür,
dass eine Realisierung und Begeisterung sich nicht von alleine
einstellt. „Man kann natürlich zur Wahl gehen und dann den
gewählten Vertretern und Vertreterinnen sagen, ihr macht jetzt den
Job. Ich vertrete aber eine partizipative Form, wo ich mich
engagiere und mitbestimmen möchte. Nur dann, wenn ich selbst
Verantwortung übernehme, kann ich mitreden und mitgestalten. Das
war in Österreich ein längerer Prozess über Jahrzehnte, dass wir
Demokratie immer weiterentwickelt haben“. Um dieses Gefühl
voranzutreiben, arbeitet sie gerne mit Ausstellungen, das sie als
Lernformat nutzt. Vor allem bei Schülerinnen und Schülern kommt die
Interaktion des Formats, ergänzt mit technischen Möglichkeiten gut
an. Thematisch bleibt hier auch sehr viel möglich, von Integration,
Migration, Demokratie an sich oder das Beispiel von Grundrechten:
„Schon als junger Mensch habe ich ja gewisse Rechte und kann mich
einbringen. Aber weil so wenig politische Bildung vermittelt wird,
weil es auch von der Bildung der Lehrer abhängt, ob es ein Fach
gibt oder nicht, wissen Schüler oft nicht Bescheid“. Die zweite
Schiene, die Diendorfer für wichtig hält, ist daher eine stärkere
Institutionalisierung der politischen Bildung, um weniger von
einzelnen Schulen, Lehrer*innen und Lehrplänen abhängig zu werden.
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