Ein Leben für die Republik mit Manfred Matzka
Ein Blick hinter die Kulissen der Macht mit einem der
langgedientesten und hochrangigsten Beamten des Landes
48 Minuten
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Beschreibung
vor 5 Jahren
Manfred Matzka war Jahrzehnte lang Sektionsleiter, er hat unter
mehreren Bundeskanzlern den höchsten Beamten der Republik gestellt.
Nach mehr als vier Jahrzehnten Staatsdienst blickt er zurück auf
seine Karriere. Ein Gespräch über große und kleine Veränderungen,
wie Entscheidungen hinter den Kulissen entstehen und was er in
seinem neuen Buch „Hofräte Einflüsterer Spindoktoren“ an
Beobachtungen und Entwicklung versammelt hat. Wirtschaft, Politik
oder Verwaltung? Ranghohe Beamte müssen hohe Anforderungen
erfüllen. Netzwerker mit umfassender Bildung, Führungskräfte, eine
normale Sektion umfasst 100 Mitarbeiter, Rhetorik, Schreibtalent,
Charisma und ein starkes Verständnis für das fachliche Fundament.
Was bewegt eine Person mit diesen Qualifikationen sich in den
Dienst des Staates zu begeben? Warum nicht beispielsweise in die
Privatwirtschaft? „Ein Vorteil den ich immer gesehen habe, ist,
dass man auf lange Sicht etwas machen kann. Es ist die Gefahr nicht
da, dass man morgen rausgeschmissen wird und etwas Neues machen
muss“. Das große Streben im Beamtentum sieht er jedoch woanders:
„Der ganz große Vorteil ist, man kann etwas fürs Gemeinwesen
gestalten. Wenn jemand mitgestalten will am Öffentlichen, in der
Demokratie, im Staat, hat er zwei Optionen: Politiker werden oder
in die Verwaltung gehen. Da ist die Verwaltung allemal die
g’scheitere Option. Man ist zwar nicht so berühmt, aber man muss
sich sehr viel weniger anpassen, anschmiegen, bücken“ In der
Verwaltung habe ihn persönlich immer das Mitwirken und Beeinflussen
fasziniert. „Auf der einen Seite mühselig, auf der anderen Seite
aber auch schön, weil man Erfolgserlebnisse hat“. Diese Erfolge
erscheinen von außen vielleicht nicht so spektakulär, er nennt das
Beispiel der Beitrittsverhandlungen zum Schengen-Raum: „Das waren
unendlich mühevolle Verhandlungen zum Grenzkontrollabbau, in Wien,
in Brüssel, monatelang. Am Ende aber hat man dann das Erlebnis,
dass die Grenzbalken weggetragen werden und man lehnt sich zurück
und weiß: Ohne mich hätte das anders ausgesehen. Das ist eine
Motivation, die einen lange dabeibleiben lässt“. Rollen im Wandel
Auch die berühmten Politiker haben sich in ihrem Wesen verändert,
erzählt Matzka. „Eine der entscheidendsten Veränderungen der
letzten Dekaden war der Wechsel vom Gestalten wollen […] zu einer
Haltung von ich möchte meine Position behalten“. Bei Amtsantritt
sei der Minister gekommen und wollte etwas zum Guten im Sinne
seiner politischen Vorstellungen verändern, sagt Matzka. Danach
wurde das gut verkauft, damit er oder sie wiedergewählt wird. Heute
zähle nur mehr das Behalten der Position: „Das Gestalten, das
Verändern steht im Hintergrund, der Verkauf im Vordergrund.
Politik, Ideologie, Werte, Vorstellungen werden nachgeordnet, haben
nicht mehr diese Bedeutung und das spürt man“. Für all jene, die
mit der österreichischen Struktur der österreichischen
Ministerbüros nicht vertraut sind, Sektionschefs sind die
ranghöchsten Beamten in einem Ministerium. Direkt dem Minister*in
unterstellt, auf fünf Jahre bestellt, bleibt er bei Bestätigung im
Amt bis zur Pension. Sie treffen zwar keine politische
Entscheidung, haben bei der Umsetzung aber Macht, Spielraum und
Expertise. Diese Position hat sich verändert in den letzten Jahren,
sagt Matzka: „Das ist fast schon die Vergangenheit. Man hat
zwischen den Minister und Sektionschef den Generalsekretär
eingezogen, als politische Beamte“. Das habe die Sektionschefs
geschwächt, weil sie den direkten Zugang zu den Ministern mitunter
nicht mehr haben.
mehreren Bundeskanzlern den höchsten Beamten der Republik gestellt.
Nach mehr als vier Jahrzehnten Staatsdienst blickt er zurück auf
seine Karriere. Ein Gespräch über große und kleine Veränderungen,
wie Entscheidungen hinter den Kulissen entstehen und was er in
seinem neuen Buch „Hofräte Einflüsterer Spindoktoren“ an
Beobachtungen und Entwicklung versammelt hat. Wirtschaft, Politik
oder Verwaltung? Ranghohe Beamte müssen hohe Anforderungen
erfüllen. Netzwerker mit umfassender Bildung, Führungskräfte, eine
normale Sektion umfasst 100 Mitarbeiter, Rhetorik, Schreibtalent,
Charisma und ein starkes Verständnis für das fachliche Fundament.
Was bewegt eine Person mit diesen Qualifikationen sich in den
Dienst des Staates zu begeben? Warum nicht beispielsweise in die
Privatwirtschaft? „Ein Vorteil den ich immer gesehen habe, ist,
dass man auf lange Sicht etwas machen kann. Es ist die Gefahr nicht
da, dass man morgen rausgeschmissen wird und etwas Neues machen
muss“. Das große Streben im Beamtentum sieht er jedoch woanders:
„Der ganz große Vorteil ist, man kann etwas fürs Gemeinwesen
gestalten. Wenn jemand mitgestalten will am Öffentlichen, in der
Demokratie, im Staat, hat er zwei Optionen: Politiker werden oder
in die Verwaltung gehen. Da ist die Verwaltung allemal die
g’scheitere Option. Man ist zwar nicht so berühmt, aber man muss
sich sehr viel weniger anpassen, anschmiegen, bücken“ In der
Verwaltung habe ihn persönlich immer das Mitwirken und Beeinflussen
fasziniert. „Auf der einen Seite mühselig, auf der anderen Seite
aber auch schön, weil man Erfolgserlebnisse hat“. Diese Erfolge
erscheinen von außen vielleicht nicht so spektakulär, er nennt das
Beispiel der Beitrittsverhandlungen zum Schengen-Raum: „Das waren
unendlich mühevolle Verhandlungen zum Grenzkontrollabbau, in Wien,
in Brüssel, monatelang. Am Ende aber hat man dann das Erlebnis,
dass die Grenzbalken weggetragen werden und man lehnt sich zurück
und weiß: Ohne mich hätte das anders ausgesehen. Das ist eine
Motivation, die einen lange dabeibleiben lässt“. Rollen im Wandel
Auch die berühmten Politiker haben sich in ihrem Wesen verändert,
erzählt Matzka. „Eine der entscheidendsten Veränderungen der
letzten Dekaden war der Wechsel vom Gestalten wollen […] zu einer
Haltung von ich möchte meine Position behalten“. Bei Amtsantritt
sei der Minister gekommen und wollte etwas zum Guten im Sinne
seiner politischen Vorstellungen verändern, sagt Matzka. Danach
wurde das gut verkauft, damit er oder sie wiedergewählt wird. Heute
zähle nur mehr das Behalten der Position: „Das Gestalten, das
Verändern steht im Hintergrund, der Verkauf im Vordergrund.
Politik, Ideologie, Werte, Vorstellungen werden nachgeordnet, haben
nicht mehr diese Bedeutung und das spürt man“. Für all jene, die
mit der österreichischen Struktur der österreichischen
Ministerbüros nicht vertraut sind, Sektionschefs sind die
ranghöchsten Beamten in einem Ministerium. Direkt dem Minister*in
unterstellt, auf fünf Jahre bestellt, bleibt er bei Bestätigung im
Amt bis zur Pension. Sie treffen zwar keine politische
Entscheidung, haben bei der Umsetzung aber Macht, Spielraum und
Expertise. Diese Position hat sich verändert in den letzten Jahren,
sagt Matzka: „Das ist fast schon die Vergangenheit. Man hat
zwischen den Minister und Sektionschef den Generalsekretär
eingezogen, als politische Beamte“. Das habe die Sektionschefs
geschwächt, weil sie den direkten Zugang zu den Ministern mitunter
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