Wie durchbrechen wir den Hassschirm? | Von Hermann Ploppa

Wie durchbrechen wir den Hassschirm? | Von Hermann Ploppa

9 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

Die Menschen wenden sich gerade massenhaft ab von der
Politik. Es scheint keine Alternativen mehr zu geben zu den
apokalyptischen Reitern. Oder? 


Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.


Die Menschen in den USA sind gerade fasziniert und verzaubert von
neunzehn buddhistischen Mönchen. Denn am 26. Oktober letzten
Jahres machten sich die rot gewandeten Sandalenträger vom
texanischen Fort Worth auf zu einem beinahe viertausend Kilometer
langen Friedensmarsch durch die amerikanischen Südstaaten (1).
Ziel: die US-amerikanische Hauptstadt Washington D.C.


Die wackeren Mönche wollen ihren Marathon-Marsch nicht als
politische Demonstration verstanden wissen, sondern als fromme
Pilgerreise mit dem Ziel der Erleuchtung. Dennoch hat dieser
Marsch eine politische Dimension. Denn auf dem Weg durch die
Südstaaten werden sie von immer größer werdenden Menschenmassen
empfangen und freudig begrüßt. Die Menschen am Straßenrand sind
so glücklich, endlich wieder einmal friedlich und gewaltlos sein
zu dürfen in einer vollkommen verrohten Welt (2). Und beim
Betrachten dieser Szenen von Friedfertigkeit können sich auch die
meisten Betrachter einer gewissen Rührung nicht entziehen. Es
zeigt sich wieder einmal, dass die überwiegende Mehrheit der
Menschen in den USA den Frieden will. Während der Präsident die
Gewaltspirale immer weiter absichtsvoll eskaliert, verweigern
sich viele Ordinary Americans diesem Wahnsinn. 


Die tapferen Mönche aus dem texanischen Huong Dao Vipassana
Bhavana Center erweisen sich dabei als äußerst geschickt in der
Selbstdarstellung. Sie sind in den sozialen Medien präsent.
Sozusagen als Visualisierung dieser friedlichen Pilgerreise dient
der ehemalige indische Straßenhund Aloka. Ordensbrüder haben ihn
von einer Pilgerreise durch Indien mit in die USA gebracht. Aloka
lief die Strecken am Anfang tapfer mit. Dann hatte der Hund einen
Verkehrsunfall und wurde von Tierärzten behandelt. Aloka hat eine
eigene Facebook-Seite (3). Dort wurde über seine Operation durch
Tierärzte berichtet, unter großer Anteilnahme der amerikanischen
Bevölkerung. Der genesende Hund läuft nun jeden Tag wieder einige
wenige Kilometer mit. Den Rest fährt er mit dem Auto. Vielleicht
ist er bis Washington wieder in der Lage, den ganzen Parcours
zurückzulegen.


Verletzt wurden auch zwei Mönche. Ein LKW fuhr versehentlich in
den Begleitwagen der Mönchsdemo. Dabei wurde ein Mönch so stark
verletzt, dass ihm ein Bein amputiert werden musste (4). Nun
fährt er im Rollstuhl die lange Strecke weiter.


Der fromme Orden aus Texas ist eine Filiation des
Theravada-Buddhismus, der in Sri Lanka, Myanmar, Kambodscha oder
Vietnam vorherrschend ist. Und so wollen auch die texanischen
Theravada-Mönche nicht nur für den Frieden pilgern, sondern
nebenbei Geld sammeln für eine riesige Tempelanlage in Texas. Wer
wie der Autor dieser Zeilen alle diese Theravada-Staaten besucht
hat, der weiß, dass die Armut der Bevölkerung korrespondiert mit
den gigantischen buddhistischen Tempeln, die anstatt mit
Frankfurter Schindeln mit Goldplättchen eingedeckt sind. Der
einfache Gläubige kann sein Karma dadurch verbessern, dass er für
sein karges Geld die Goldplättchen kauft, die dann die Dächer der
Pagoden zieren. Verglichen mit der Shweddagon-Pagode in Rangun in
Myanmar wirkt der Petersdom wie ein Armenhaus (5).


Also, unsere frommen Brüder in Texas wissen den Frieden mit dem
Streben nach üppiger Architektur kongenial zu verbinden. Dennoch
ist die fromme Pilgerreise wunderbar. Und manchmal wird diese
Pilgerreise dann doch noch explizit politisch. Zum Beispiel wenn
die Mönche die Stadt Selma in Alabama erreichen und dort die
Edmund Pettus-Brücke überqueren.


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