Im toten Winkel | Von Alberto Zanardi
15 Minuten
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Beschreibung
vor 1 Monat
Ein Standpunkt von Alberto Zanardi.
Was ist los mit den USA? Eigentlich nichts. Sie verhalten sich
exakt so, wie sich Imperien immer verhalten, wenn ihr Zenit
überschritten ist und der Abstieg nicht mehr aufzuhalten ist.
Nicht moralisch entgleist, sondern machtlogisch konsequent. Sie
pfeifen auf Regeln, weil Regeln nur für Aufsteiger nützlich sind.
Imperien im Niedergang haben keine Geduld mehr für Maskerade. Sie
schalten um auf Faustrecht.
Am 11. Januar 2026 postete US-Präsident Donald Trump auf seinem
Netzwerk Truth Social ein Bild im Stile eines Wikipedia-Eintrags,
in dem er sich selbst als „amtierenden Präsidenten von Venezuela“
bezeichnete, und erklärte in diesem Kontext, die USA würden
Venezuela vorübergehend führen und venezolanisches Öl
kontrollieren und auf den Weltmarkt verkaufen. Offizielle
Anerkennung oder institutionelle Legitimation besteht dafür
nicht. (1)
Ein Imperium lebt nicht nur von Verträgen, nicht von Moral, nicht
von Werten. Es lebt vor allem vom Mythos der eigenen
Unbesiegbarkeit. Es lebt vom Schutz der eroberten Gebiete, indem
es die Eroberten aktiv in die Vereidigung der Beute
miteinbezieht. Es lässt die Unterdrückten glauben, Teil von etwas
Größerem zu sein. (2)
Solange diese Täuschung funktioniert, liefert das Imperium nach
der Eroberung Ordnung, Sicherheit, Recht und Stabilität. Es
schafft eine Währung der Abhängigkeit. Mit dieser Währung kauft
es Loyalität. Die Eroberten werden zu Helfern des Gewaltapparats,
nicht aus Überzeugung, sondern aus Anpassung.
Ein Imperium lebt von der Ausbeutung seiner „Partner“, die ein
Stockholm-Syndrom entwickeln und ihre Unterordnung mit Mitsprache
verwechseln. Die USA bilden hier keine Ausnahme. Sie hatten nie
Freunde. Sie hatten stets nur Interessen. Und diese Interessen
hießen immer zuerst USA. America First ist kein Politikstil,
sondern ein deaktivierter Tarnmodus. (2)
Anders als in der Geschichte üblich, beginnt der Niedergang
diesmal nicht mit Überdehnung, sondern mit einer
Fehlfokussierung. Die USA haben den rasanten Aufstieg von China
unterschätzt, weil sie sich strategisch an Russland festgebissen
haben. Zwei Jahrzehnte NATO-Expansion, Regimewechselpolitik,
Sanktionen und Eskalationsrhetorik, während Peking Lieferketten,
Technologie, Rohstoffe und Märkte gesichert hat. Jetzt dämmert es
in Washington. Zu spät. Die BRICS-Staaten sind nicht mehr
aufzuhalten. Der Petro-Dollar, Fundament der amerikanischen
Machtprojektion seit den 1970er-Jahren, verliert seine
Exklusivität. Wer Öl außerhalb des Dollarraums handelt, wird
nicht mehr automatisch militärisch ausgeschaltet, sondern bleibt
unbehelligt, weil er zu groß ist. Zu wehrhaft. Das ist kein
Detail. Das ist tektonisch. (2)
Was also tun? Pragmatismus ersetzt Ideologie. Es gilt, Konflikte
unterhalb der großen Eskalationsschwelle am Köcheln zu halten.
Etwa Russland militärisch zu beschäftigen, ökonomisch zu binden,
moralisch zu ächten. Nicht besiegen, das geht nicht, aber binden.
Parallel dazu die aufstrebenden oder widerspenstigen Partner
zurückstutzen. Europa, allen voran Deutschland. Wie?
Energieversorgung zerstören, Abhängigkeiten verschärfen.
Ideologische Durchdringung über Parteien, Stiftungen, NGOs.
Atomisierung der Gesellschaft über Identitätspolitik und
Dauererregung. Ein zerstrittenes Land stellt keine Fragen. Wer
zerstritten ist, organisiert keinen Widerstand. (3)
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