Grönland oder Iran? | Von Paul Clemente

Grönland oder Iran? | Von Paul Clemente

8 Minuten

Beschreibung

vor 23 Stunden

Trumps nächster Coup: Grönland oder Iran?


Ein Kommentar von Paul Clemente.


Das war ein voller Erfolg. Mögen Oppositionelle im In- und
Ausland noch so aufschreien. Der Angriff auf Venezuela hat Trump
nicht nur Zugriff auf Erdöl und Bodenschätze ermöglicht. Nein, er
hat vor allem gezeigt: Die USA kann kriegerische Interventionen
ohne Verluste durchziehen. Kein einziger US-Soldat kam ums Leben.
Keiner. Null. Eine beispiellos minimierte Schadensbilanz. Das
gibt Mut zu neuen Taten. Zumal der Venezuela-Coup dem
US-Präsidenten ein erfreuliches Nachspiel bot: Die Erfüllung
eines lang gehegten Traumes: Den Friedensnobelpreis. Ja, den
bekommt er. Kein Witz. Noch irrer: Die Verleihung findet nicht in
Oslo statt, sondern in Washington. Ohne langweiliges
Zeremoniell. 


Verantwortlich für diese Verleihung ist María Corina Machado,
venezolanische Oppositionspolitikerin und Trägerin des
Friedensnobelpreises. Gegenüber Fox News erklärte sie, dass sie
ihre Auszeichnung gerne an den Helden im Weißen Haus
weiterreichen möchte. O-Ton:
„Es ist noch nicht passiert. Aber ich würde ihm sicherlich
gerne persönlich sagen, dass wir – das venezolanische Volk, denn
dies ist eine Auszeichnung des venezolanischen Volkes – ihm diese
Auszeichnung gerne überreichen und mit ihm teilen möchten.“

O lala. Friedensnobelpreis für den Bruch des Völkerrechts: Das
ist der feuchte Traum aller Machtpolitiker. 


Wenige Tage nach Frau Machados Ankündigung jammerte das
Nobel-Institut in Oslo:
„Ein Nobelpreis kann weder widerrufen, geteilt noch auf andere
übertragen werden. Sobald die Bekanntgabe erfolgt ist, ist die
Entscheidung endgültig".

Natürlich lassen Trump solche Einwände kalt. Der Ex-Baulöwe weiß:
Nur Schwächlinge befolgen Regeln. Frau Machados Angebot sei eine
„große Ehre“. Er werde die Auszeichnung annehmen. Ohnehin sei es
„eine große Schande für Norwegen“, dass er den Preis nicht gleich
erhalten habe. 


Dieser Anspruch irritiert. Schließlich hatte die Chefin des
US-Southern Command erst letzte Woche gestanden: Ziel der
Intervention war keine Demokratisierung von Venezuela, sondern
die Kontrolle über Öl, Lithium, Gold und seltenen Erden. Wie auch
immer: Frau Machado will nächste Woche nach Washington reisen,
Trump besuchen und ihm die langersehnte Medaille
überreichen. 


Ebenso schräg wie Trumps Anspruch auf den Friedensnobelpreis
wirkte die Rede von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Der
konstatierte: Der Angriff auf Venezuela sei „in der Tat der
Wertebruch unseres wichtigsten Partners USA.“ Wertebruch? Hat die
USA sich jemals für das Völkerrecht interessiert? Hat Steinmeier
wirklich bis letzte Woche vom Werte-Westen geträumt? Sein
anschließender Appell: Man müsse verhindern, „dass sich die Welt
in eine Räuberhöhle verwandelt, in der sich die Skrupellosesten
nehmen, was sie wollen“ und „kleine und schwächere Staaten
gänzlich ohne Schutz dastehen.“ Aber wie soll man sie schützen?
Natürlich durch Aufrüstung. O-Ton Steinmeier:
„Wir dürfen eben nicht schwach sein.“ 

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