Wenn Journalismus auf ÖPNV-Realität trifft: Susanne Risch (brandeins) und Philipp Kühn (Zukunft Nahverkehr).

Wenn Journalismus auf ÖPNV-Realität trifft: Susanne Risch (brandeins) und Philipp Kühn (Zukunft Nahverkehr).

Manchmal sind es die ungewöhnlichsten Kooperationen, die die interessantesten Erkenntnisse bringen. Als brandeins und die Initiative Zukunft Nahverkehr beschlossen, gemeinsam den Report "Mobilität in Zahlen" zu entwickeln, lernten beide Seiten!
54 Minuten
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On the way to new mobility: Katja Diehl spricht alle 14 Tage mit Gästen über Mobilität statt Verkehr, Diversität, New Work, Inklusion, kindergerechte Stadt und das Mobilisieren auf dem Land.

Beschreibung

vor 1 Tag
Werbung: Diese Episode wird unterstützt von myclimate. Solltest
auch du ein Unternehmen, ein Produkt oder eine Veranstaltung haben,
die einem interessierten Publikum vorgestellt werden MUSS, melde
dich gern unter backoffice@katja-diehl.de! Susanne Risch, seit 26
Jahren bei brandeins, gibt offen zu: "Als wir gelernt haben, wie
komplex das System Mobilität im öffentlichen Schienenverkehr
eigentlich gemanagt wird – wenn du dir die Zahlen anguckst, wie
viele Aufgabenträger, wie viele Verkehrsverbünde, wie viele
regionale, lokale und sonstige Betreiber es gibt: Es ist eigentlich
ein Wunder, dass überhaupt irgendwo in diesem Land irgendetwas
fährt." Philipp Kühn von der Deutschen Bahn, der die Initiative
Zukunft Nahverkehr verantwortet, kennt diese Komplexität natürlich.
Aber auch für ihn war die Zusammenarbeit mit brandeins eine
Entdeckungsreise. Der Impuls für die ganze Initiative kam, als der
damalige Kanzler Scholz zu einem Mobilitätsgipfel lud. Auf den
Abschlussfotos: sechs Herren von Automobilkonzernen und ein Kollege
vom Fahrradverband. Öffentliche Mobilität? Fehlte komplett. "Da
kann man aber keinem zum Vorwurf machen, weil wir dezentral
organisiert sind und es lokale Verantwortlichkeiten gibt. Aber es
gibt einfach einen Mangel an übergreifender Sichtbarkeit des
Themas", erklärt Philipp. Die Autoindustrie macht seit Jahrzehnten
erfolgreich Lobbyarbeit. Der ÖPNV hat das nie systematisch gelernt
– oder konnte es aufgrund seiner föderalen Struktur nicht. Das
Spannende an der Kooperation: brandeins arbeitet journalistisch
unabhängig Susanne betont: "In diesem speziellen Fall war es
tatsächlich so, dass es an keiner einzigen Stelle auch nur den
Hauch des Versuchs einer Einflussnahme gab, etwas zugunsten von
ÖPNV oder Schiene oder zu Ungunsten von Auto zu kuratieren.
Wirklich nicht ansatzweise." Was dabei herauskam, ist ein Report
voller überraschender Zahlen. Philipp nennt eine, die ihm besonders
im Gedächtnis blieb: "60 Prozent wissen nicht, dass ÖPNV zur
staatlichen Daseinsvorsorge gehört. Und mehr als die Hälfte weiß
überhaupt nicht, wie der ÖPNV finanziert wird." Das muss man sich
mal auf der Zunge zergehen lassen. Wir diskutieren ständig über
Verkehrswende, aber die Grundlagen sind vielen Menschen gar nicht
klar. Noch absurder wird es bei den Widersprüchen, die die
repräsentative Umfrage zutage brachte. Susanne lacht, als sie davon
erzählt: "62 Prozent wünschen sich, dass die Innenstädte autofrei
werden und sind gleichzeitig große Fans und sagen, wir können auf
gar keinen Fall aufs Auto verzichten. Wir hatten vorgehabt, eine
Seite zu machen mit nur solchen Widersprüchlichkeiten – haben wir
aufgegeben, weil es gibt zu viele." Am Ende unseres Gesprächs
landet Susanne bei einem Gedanken, der eigentlich banal klingt,
aber offenbar schwer umzusetzen ist: "Das sind manchmal
Minischritte und es sind vielleicht auch größere Schritte und es
hat was mit Geld zu tun, jawohl. Aber es hat schon vor allen Dingen
damit zu tun, dass wir aufhören, immer wieder mit dem Finger auf
die anderen zu zeigen, weil die bescheuert und blöd sind. Sondern
ja, den ersten Schritt macht jeder für sich selbst." Vielleicht ist
das der eigentliche Wert solcher Reports. Nicht die pädagogische
Belehrung, sondern Fakten, die einen ins Nachdenken bringen.
Küchenzurufgeschichten, wie Susanne sie nennt. Zahlen, die man mit
ins Büro nimmt, an den Abendbrottisch, in die Diskussion mit
Freunden. Die einen vielleicht dazu bringen, einen Moment
innezuhalten und zu fragen: Moment mal, warum mache ich das
eigentlich so?

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