Geld verbrennen für Fortgeschrittene: Die absurde Logik der Silvester-Knallerei

Geld verbrennen für Fortgeschrittene: Die absurde Logik der Silvester-Knallerei

In den langen, dunklen Nächten des Winters gibt es ein Phänomen, das die Menschheit wie kaum ein anderes spaltet und gleichzeitig eint: der Böller. Man könnte meinen, wir hätten uns endlich auf etwas geeinigt. Egal ob jung oder alt, links oder rechts, Men
15 Minuten
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Ein Late Night Comedy Podcast. Gesellschaft, Politik, Klima, Alltag satirisch betrachtet, mit viel schwarzem Humor. Je dunkler die Nacht, umso dunkler der Humor.

Beschreibung

vor 1 Tag

In den langen, dunklen Nächten des Winters gibt es ein Phänomen,
das die Menschheit wie kaum ein anderes spaltet und gleichzeitig
eint: der Böller. Man könnte meinen, wir hätten uns endlich auf
etwas geeinigt. Egal ob jung oder alt, links oder rechts, Mensch
oder Haustier – wir alle hassen diese lärmenden Sprengkörper.
Doch die Realität auf den Straßen von Oktober bis März straft
diese Annahme Lügen. Offensichtlich gibt es eine treue
Fangemeinde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die nächtliche
Ruhe mit einer Mischung aus Tinnitus-Gefahr und Feinstaub-Aroma
zu bereichern. Dabei beweisen diese „Pyrotechniker des Alltags“
oft eine bemerkenswerte Kreativität bei der Wahl ihrer
Einsatzorte.
Vom Krach in der Gasse zur Erleuchtung im Mistkübel

Ob Unterführungen, enge Gassen oder der klassische Mistkübel –
Hauptsache, der Effekt ist maximal destruktiv. Dass dabei der
Müll wie ein modernes Kunstprojekt an den Hauswänden landet oder
manch eine Wohnung durch einen „netten“ Querschläger Heizkosten
spart, scheint ein kollateraler Bonus zu sein. In der
Unterführung hat das Ganze sogar einen fast schon sozialen
Aspekt: Wenn dort ein Böller explodiert, gibt es zumindest einen
kurzen Moment der Erleuchtung. Man kann plötzlich Dinge erkennen,
wie etwa den zwielichtigen Schatten hinter einem, den man zwar
nicht mehr hören kann, weil einem die Ohren klingeln, aber den
man der Polizei wenigstens präzise beschreiben könnte – sofern
die Beamten nicht gerade selbst damit beschäftigt sind, die
Böllerschmeißer mit Nachschub zu beobachten.
Umweltschutz durch Beton und die Millionen im Schwarzpulver

Warum wir Böller eigentlich hassen, muss man niemandem erklären,
der schon einmal versucht hat, am Neujahrsmorgen tief
durchzuatmen. Wir betonieren unsere Umwelt zu, um sie zu
schützen, und lassen dann zu, dass Asche und Lärm unsere Lungen
und Gehörgänge füllen. Doch der wahre Preis ist nicht nur
ökologisch. Es sind die traumatisierten Hunde, die sich in den
hintersten Ecken verkriechen, die schreienden Kinder und die
Kriegsflüchtlinge, für die jeder Knall eine Reise zurück in den
Horror ihrer Heimat bedeutet. Während der Opa Angst hat, dass die
Russen wiederkommen, scheint sich die junge Generation mit jedem
Böllerwurf fast schon prophetisch auf eine Zukunft vorzubereiten,
in der Krach und Asche zum Alltag gehören. Es ist ein bizarrer
Millionen-Wahnsinn: Wir verpulvern gigantische Summen in einer
einzigen Nacht, nur um uns am nächsten Morgen über die Teuerung
zu beschweren.
Die Suche nach dem Drogendealer und der Plan zur totalen
Uncoolness

Man fragt sich unweigerlich, woher die Jugendlichen eigentlich
das ganze Geld für diese explosiven Luxusgüter nehmen. Da nicht
jeder Halbstarke ein erfolgreiches Business als Drogendealer
führen kann – ich habe das überprüft, die Marktdichte ist
überraschend gering –, bleibt die Herkunft der Mittel ein Rätsel.
Vielleicht liegt der Reiz auch in der Gefahr der Billigimporte
aus dem Internet. Ein zerfetzter Finger gibt schließlich
ordentlich Klicks auf TikTok. Ich kann diese Jugendlichen sogar
ein Stück weit verstehen. Früher war ich selbst einer von ihnen.
Wir fühlten uns mächtig, wenn es knallte, und wir wussten
schlichtweg nichts über die Umweltfolgen. Aber sollten die
heutigen Erziehungsberechtigten nicht eigentlich schlauer sein?
Verbote bringen herzlich wenig. Die einzige Lösung wäre, das
Böllern radikal uncool zu machen. Wir, die ältere Generation,
müssten anfangen, so richtig peinlich und exzessiv zu knallen,
bis die Jugendlichen vor Scham nur noch heimlich in ihren Zimmern
zündeln.
Die Raketen-Heuchelei der Dachterrassen-Elite

Doch während wir über Böller schimpfen, pflegen wir bei Raketen
eine bizarre Doppelmoral. Raketen sind zwar genauso laut,
umweltschädlich und gefährlich, aber sie sind halt „schön
anzuschauen“. Da ste...

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