#5 Mit Kochlöffeln und Trillerpfeifen

#5 Mit Kochlöffeln und Trillerpfeifen

3 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten

Lärm war selbstverständlich in Stuttgart im Sommer und im Herbst
2010: Fenster auf, raus auf die Balkone oder vor die Häuser,
Töpfe mit Kochlöffeln schlagen, Deckel zu Tschinellen
umfunktionieren, überhaupt jedwedes Instrument verwenden,
Trillerpfeifen oder die eigenen Stimmbänder. Tagtäglich um 19 Uhr
ging es so eine Minute lang akustisch rund - für den Kopfbahnhof
und gegen Stuttgart 21.


An dem Donnerstag, der als der „schwarze Donnerstag“ in die
Landesgeschichte einging, hatten die Verantwortlichen eine der
vielen Demos, ausgerechnet eine Schülerdemo, nicht auf dem
Schirm. Im Schlossgarten brach zuerst Chaos und dann, als
Wasserwerfer eingesetzt wurden, Panik aus. Am Ende der vielen
Stunden und eines völlig misslungenen Polizeieinsatzes gab es
Hunderte Verletzte, ein älterer Demonstrant büßte fast sein
Augenlicht ein. Cem Özdemir wurde bitterböse und warf Mappus vor,
er habe „Blut sehen“ wollen, friedliche Demonstranten als Chaoten
beschimpft und auf Eskalation gesetzt. Tatsächlich kam es spät,
aber doch zu einem Baustopp.


Es folgte eine Schlichtung unter Leitung von Heiner Geißler,
deren neun live im Fernsehen übertragene Sitzungen Millionen
Zuschauer fanden. Am Ende, nach einer fragwürdigen
Volksabstimmung, vielen Verzögerungen und immer neuen
Kostensteigerungen, wurde doch gebaut. Aber: Selbst der vorerst
letzte bekanntgemachte Eröffnungstermin, Ende 2026, ist schon
wieder überholt.



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