Warum lassen wir uns das Auto Milliarden kosten - während Rad und ÖPNV sogar Nutzen bringen?
Wenn wir ehrlich über Mobilitätskosten sprechen, sieht die Welt
plötzlich ganz anders aus. Der ÖPNV ist nicht das teure Problem,
sondern der Autoverkehr ist der unterschätzte Kostentreiber.
40 Minuten
Podcast
Podcaster
On the way to new mobility: Katja Diehl spricht alle 14 Tage mit Gästen über Mobilität statt Verkehr, Diversität, New Work, Inklusion, kindergerechte Stadt und das Mobilisieren auf dem Land.
Beschreibung
vor 3 Monaten
Diese Episode wurde unterstützt von der GLS Bank. Wenn auch du
selbst oder dein Unternehmen zu meinen Themen passt, melde dich
gern – ob als Gast oder Werbepartnerin. Schön, dass du
reinschaltest! Ich freue ich mich über deinen Support! Meinen
wöchentlichen Newsletter gibt es bei steady. Es gibt es mein erstes
Kinderbuch! Und „Picknick auf der Autobahn.“ In unserem
hoffnungsfrohen Buch bieten wir konkrete und detaillierte Antworten
und somit Doping für unsere Vorstellungskraft. Meinen Podcast schon
abonniert? Wenn dir diese oder auch eine andere Folge gefällt,
lass´ gern eine Bewertung da und/oder supporte mich per Ko-Fi oder
PayPal. Anfragen an backoffice@katja-diehl.de! In dieser Folge
spreche ich mit Prof. Carsten Sommer, dem Leiter des Fachgebiets
Verkehrsplanung und Verkehrssysteme an der Universität Kassel, über
die tatsächlichen Kosten unserer Mobilität. Die zentrale Frage:
Warum haben wir keine Kostentransparenz? „Leider haben wir keine
Kostentransparenz, weil das ist der springende Punkt. Wenn man mal
wissen würde, was der Spaß kostet und das vergleichen würde, wäre
das viel einfacher“, erklärt Carsten Sommer. Während es für den
ÖPNV regelmäßig Berichte zur „Kostenunterdeckung“ gibt – allein der
Begriff suggeriert ein Defizit –, fehlt eine vergleichbare
Transparenz für den Auto- und Lkw-Verkehr vollständig. Das
Cost-Tool: Endlich echte Zahlen! Carsten Sommer und sein Team haben
über zwei Forschungsprojekte ein revolutionäres Verfahren
entwickelt: ein Excel-basiertes Tool, mit dem Kommunen erstmals
verursachergerecht die Kosten aller Verkehrsmittel berechnen können
– betriebswirtschaftlich und unter Einbeziehung der sogenannten
externen Kosten (Umwelt, Gesundheit, Unfälle, Flächenverbrauch).
Die Ergebnisse sind eindeutig und wurden bereits für Kassel,
Heidelberg, Kiel und Bremen angewendet. Carsten Sommer sagt: „Schon
beim betriebswirtschaftlichen Vergleich fließt das meiste Geld in
den Kfz-Verkehr auf Ebene einer Kommune. Das überrascht uns als
Wissenschaftler nicht, ist aber vielleicht gar nicht so bekannt.“
Noch drastischer wird es bei den externen Kosten: „Wenn man diese
mit hinzunimmt, wird deutlich, dass 90 % der externen Kosten
letztendlich auf den Kfz-Verkehr entfallen.“ Und der vielzitierte
Kostendeckungsgrad? „Dann liegt der ÖPNV bei etwa 50 bis 60
Prozent, je nach Kommune, während der Pkw-Verkehr deutlich darunter
liegt.“ Der vergessene Nutzen: Bewegung = Gesundheit =
Wirtschaftskraft. Ein besonders faszinierender Aspekt des
Gesprächs: Die positiven externen Effekte von Fuß- und Radverkehr
werden systematisch unterschätzt. „Fuß- und Radverkehr verursachen
externen Nutzen. Durch unsere Bewegung leben wir viel gesünder,
sind ökonomisch viel arbeitsfähiger und können natürlich auch viel
mehr Wertschöpfung leisten“, erklärt Carsten. „Und das hat mich
selbst überrascht: Die Größenordnung dieses Themas, der Bewegung im
Fuß- und Radverkehr, ist immens. Davon profitiert auch der ÖPNV.“
Von der Kostendeckung zur Wertedebatte Deutschland braucht eine
grundlegend andere Diskussion über Mobilität. „Wir müssen uns als
Gesellschaft überlegen: Was ist uns so etwas wie Daseinsvorsorge
wert? Ich sage einfach lieber: Was ist uns soziale Teilhabe wert?“,
fordert Carsten Sommer. „Ich glaube, wenn man über den Wert und den
Nutzen spricht, ist das eine viel bessere Diskussion, als immer nur
zu sagen, das kostet nur etwas.“ Der Kostendeckungsgrad des ÖPNV
liegt aus der Perspektive der Kommune höher als der des
PKW-Verkehrs. Der Kostendeckungsgrad des LKW-Verkehrs ist aus der
Sicht der Kommune am geringsten. Im Vergleich der
Personenverkehrssysteme erzeugt der PKW-Verkehr die höchsten
externen Kosten (60 bis 79 Prozent) und der Fußgängerverkehr die
geringsten. Der größte Anteil an den gesamten externen Kosten (44
bis 57 Prozent) entfällt auf Unfallkosten und der geringste auf
Kosten durch Lärmbelastung (4 bis 9 Prozent).
selbst oder dein Unternehmen zu meinen Themen passt, melde dich
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Verkehrsplanung und Verkehrssysteme an der Universität Kassel, über
die tatsächlichen Kosten unserer Mobilität. Die zentrale Frage:
Warum haben wir keine Kostentransparenz? „Leider haben wir keine
Kostentransparenz, weil das ist der springende Punkt. Wenn man mal
wissen würde, was der Spaß kostet und das vergleichen würde, wäre
das viel einfacher“, erklärt Carsten Sommer. Während es für den
ÖPNV regelmäßig Berichte zur „Kostenunterdeckung“ gibt – allein der
Begriff suggeriert ein Defizit –, fehlt eine vergleichbare
Transparenz für den Auto- und Lkw-Verkehr vollständig. Das
Cost-Tool: Endlich echte Zahlen! Carsten Sommer und sein Team haben
über zwei Forschungsprojekte ein revolutionäres Verfahren
entwickelt: ein Excel-basiertes Tool, mit dem Kommunen erstmals
verursachergerecht die Kosten aller Verkehrsmittel berechnen können
– betriebswirtschaftlich und unter Einbeziehung der sogenannten
externen Kosten (Umwelt, Gesundheit, Unfälle, Flächenverbrauch).
Die Ergebnisse sind eindeutig und wurden bereits für Kassel,
Heidelberg, Kiel und Bremen angewendet. Carsten Sommer sagt: „Schon
beim betriebswirtschaftlichen Vergleich fließt das meiste Geld in
den Kfz-Verkehr auf Ebene einer Kommune. Das überrascht uns als
Wissenschaftler nicht, ist aber vielleicht gar nicht so bekannt.“
Noch drastischer wird es bei den externen Kosten: „Wenn man diese
mit hinzunimmt, wird deutlich, dass 90 % der externen Kosten
letztendlich auf den Kfz-Verkehr entfallen.“ Und der vielzitierte
Kostendeckungsgrad? „Dann liegt der ÖPNV bei etwa 50 bis 60
Prozent, je nach Kommune, während der Pkw-Verkehr deutlich darunter
liegt.“ Der vergessene Nutzen: Bewegung = Gesundheit =
Wirtschaftskraft. Ein besonders faszinierender Aspekt des
Gesprächs: Die positiven externen Effekte von Fuß- und Radverkehr
werden systematisch unterschätzt. „Fuß- und Radverkehr verursachen
externen Nutzen. Durch unsere Bewegung leben wir viel gesünder,
sind ökonomisch viel arbeitsfähiger und können natürlich auch viel
mehr Wertschöpfung leisten“, erklärt Carsten. „Und das hat mich
selbst überrascht: Die Größenordnung dieses Themas, der Bewegung im
Fuß- und Radverkehr, ist immens. Davon profitiert auch der ÖPNV.“
Von der Kostendeckung zur Wertedebatte Deutschland braucht eine
grundlegend andere Diskussion über Mobilität. „Wir müssen uns als
Gesellschaft überlegen: Was ist uns so etwas wie Daseinsvorsorge
wert? Ich sage einfach lieber: Was ist uns soziale Teilhabe wert?“,
fordert Carsten Sommer. „Ich glaube, wenn man über den Wert und den
Nutzen spricht, ist das eine viel bessere Diskussion, als immer nur
zu sagen, das kostet nur etwas.“ Der Kostendeckungsgrad des ÖPNV
liegt aus der Perspektive der Kommune höher als der des
PKW-Verkehrs. Der Kostendeckungsgrad des LKW-Verkehrs ist aus der
Sicht der Kommune am geringsten. Im Vergleich der
Personenverkehrssysteme erzeugt der PKW-Verkehr die höchsten
externen Kosten (60 bis 79 Prozent) und der Fußgängerverkehr die
geringsten. Der größte Anteil an den gesamten externen Kosten (44
bis 57 Prozent) entfällt auf Unfallkosten und der geringste auf
Kosten durch Lärmbelastung (4 bis 9 Prozent).
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