Warum E-Autos jetzt wie Autos verkauft werden müssen
Im Gespräch mit Thomas Kiefer, Journalist und Asien-Experte
27 Minuten
Podcast
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Aktuelle Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und mehr
Beschreibung
vor 5 Monaten
In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich die Gelegenheit, mit Dr.
Thomas Kiefer zu sprechen – Journalist, Asien-Experte und profunder
Kenner der chinesischen Industriepolitik. Seit Ende der 1980er
Jahre beobachtet er vor Ort in Shanghai die Entwicklungen, war
unter anderem in Joint Ventures wie Shanghai Volkswagen unterwegs
und hat über Jahrzehnte hinweg verschiedene Länder Asiens bereist
und analysiert. Sein Fokus liegt dabei weniger auf einzelnen
Produkten als vielmehr auf den politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Strukturen, die dahinterstehen. Schon früh erkannte
Thomas, wie weitreichend die chinesische Industriepolitik geplant
und umgesetzt wird – insbesondere im Bereich der Elektromobilität.
„Diese Entwicklung ist nicht primär nach außen gerichtet, um die
Weltmärkte zu erobern. Sie ist binnengerichtet – auf die
ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen Chinas
selbst.“ Bereits in den 1990er Jahren sei das Ziel gewesen, die
Luftverschmutzung in Städten zu reduzieren und technologische
Innovationen voranzutreiben, um langfristig nachhaltige
Mobilitätslösungen zu schaffen. Im Gespräch hebt Thomas hervor, wie
grundlegend anders die chinesische Politik tickt: Während in Europa
sektorale Einzellösungen dominieren, verfolgt China eine
ganzheitliche Strategie. „Man denkt nicht in Schubladen, sondern
vernetzt ökonomische, ökologische und soziale Aspekte.“ Ein
Beispiel: Als Shanghai Volkswagen expandieren wollte, bestand die
Stadt darauf, auch Bauern aus dem betroffenen Dorf zu beschäftigen.
Diese Art der Systemvernetzung sei typisch für chinesische
Industriepolitik. Besonders spannend war seine Einschätzung zur
Fehlerkultur. Während hierzulande oft Erfolge ins Schaufenster
gestellt und Fehler vermieden werden, gehe man in China viel
offener damit um. „Man weiß, dass man noch nicht am Ziel ist.
Fehler werden benannt – und daraus wird gelernt.“ Diese Haltung
sieht er als eine zentrale Voraussetzung für die enorme
Geschwindigkeit und Konsequenz, mit der China die Elektromobilität
ausbaut. Kritisch äußert sich Thomas zur europäischen Förder- und
Industriepolitik. Subventionen für Batteriefabriken, die am Ende
gar nicht gebaut werden, bezeichnet er als „eine Katastrophe“. Es
fehle an Ergebnisverantwortung und technischem Sachverstand in den
zuständigen Ministerien. Gleichzeitig sieht er Potenzial für ein
besseres Miteinander: „Wenn wir es schaffen, chinesische
Unternehmen nicht als Feindbild zu sehen, sondern als Partner –
dann kann das eine klassische Win-win-Situation werden.“ Viele
chinesische Autohersteller würden laut Thomas gerne in Deutschland
produzieren, halten sich an Tarifverträge und Arbeitnehmerrechte –
stoßen aber auf strukturelle Skepsis. Dabei könnte Europa
profitieren: „Die Technologie kommt zu uns, ohne dass wir einen
Cent Subvention zahlen müssen.“ Voraussetzung dafür sei jedoch mehr
Offenheit und Neugier. Denn auch das sei ein zentrales Learning aus
seinem China-Blick: Wer sich ohne Vorurteile auf andere
Perspektiven einlässt, gewinnt Erkenntnisse, die vorher gar nicht
denkbar waren. Nun aber genug der Vorrede – steigen wir direkt ein
ins Gespräch mit Dr. Thomas Kiefer.
Thomas Kiefer zu sprechen – Journalist, Asien-Experte und profunder
Kenner der chinesischen Industriepolitik. Seit Ende der 1980er
Jahre beobachtet er vor Ort in Shanghai die Entwicklungen, war
unter anderem in Joint Ventures wie Shanghai Volkswagen unterwegs
und hat über Jahrzehnte hinweg verschiedene Länder Asiens bereist
und analysiert. Sein Fokus liegt dabei weniger auf einzelnen
Produkten als vielmehr auf den politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Strukturen, die dahinterstehen. Schon früh erkannte
Thomas, wie weitreichend die chinesische Industriepolitik geplant
und umgesetzt wird – insbesondere im Bereich der Elektromobilität.
„Diese Entwicklung ist nicht primär nach außen gerichtet, um die
Weltmärkte zu erobern. Sie ist binnengerichtet – auf die
ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen Chinas
selbst.“ Bereits in den 1990er Jahren sei das Ziel gewesen, die
Luftverschmutzung in Städten zu reduzieren und technologische
Innovationen voranzutreiben, um langfristig nachhaltige
Mobilitätslösungen zu schaffen. Im Gespräch hebt Thomas hervor, wie
grundlegend anders die chinesische Politik tickt: Während in Europa
sektorale Einzellösungen dominieren, verfolgt China eine
ganzheitliche Strategie. „Man denkt nicht in Schubladen, sondern
vernetzt ökonomische, ökologische und soziale Aspekte.“ Ein
Beispiel: Als Shanghai Volkswagen expandieren wollte, bestand die
Stadt darauf, auch Bauern aus dem betroffenen Dorf zu beschäftigen.
Diese Art der Systemvernetzung sei typisch für chinesische
Industriepolitik. Besonders spannend war seine Einschätzung zur
Fehlerkultur. Während hierzulande oft Erfolge ins Schaufenster
gestellt und Fehler vermieden werden, gehe man in China viel
offener damit um. „Man weiß, dass man noch nicht am Ziel ist.
Fehler werden benannt – und daraus wird gelernt.“ Diese Haltung
sieht er als eine zentrale Voraussetzung für die enorme
Geschwindigkeit und Konsequenz, mit der China die Elektromobilität
ausbaut. Kritisch äußert sich Thomas zur europäischen Förder- und
Industriepolitik. Subventionen für Batteriefabriken, die am Ende
gar nicht gebaut werden, bezeichnet er als „eine Katastrophe“. Es
fehle an Ergebnisverantwortung und technischem Sachverstand in den
zuständigen Ministerien. Gleichzeitig sieht er Potenzial für ein
besseres Miteinander: „Wenn wir es schaffen, chinesische
Unternehmen nicht als Feindbild zu sehen, sondern als Partner –
dann kann das eine klassische Win-win-Situation werden.“ Viele
chinesische Autohersteller würden laut Thomas gerne in Deutschland
produzieren, halten sich an Tarifverträge und Arbeitnehmerrechte –
stoßen aber auf strukturelle Skepsis. Dabei könnte Europa
profitieren: „Die Technologie kommt zu uns, ohne dass wir einen
Cent Subvention zahlen müssen.“ Voraussetzung dafür sei jedoch mehr
Offenheit und Neugier. Denn auch das sei ein zentrales Learning aus
seinem China-Blick: Wer sich ohne Vorurteile auf andere
Perspektiven einlässt, gewinnt Erkenntnisse, die vorher gar nicht
denkbar waren. Nun aber genug der Vorrede – steigen wir direkt ein
ins Gespräch mit Dr. Thomas Kiefer.
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