Was fehlender Mut die Autoindustrie kostet
Im Gespräch mit Prof. Dr. Pero Mićić, Experte für
Zukunftsmanagement und Gründer Future Management Group.
32 Minuten
Podcast
Podcaster
Aktuelle Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und mehr
Beschreibung
vor 6 Monaten
Im aktuellen Podcast hatte ich die Gelegenheit, mit Prof. Dr. Pero
Mićić zu sprechen – einem der renommiertesten Experten für
Zukunftsmanagement und Gründer der Future Management Group. Seit
über drei Jahrzehnten beschäftigt sich Pero mit der Frage, wie
Unternehmen sich zukunftssicher aufstellen können. Unser Gespräch
drehte sich um die Zukunft der Mobilität, insbesondere um die Rolle
der Elektromobilität bis 2035 und darüber hinaus – aber auch um
strategische Fehler, verpasste Chancen und mögliche Auswege. Gleich
zu Beginn machten wir deutlich: Die Stimmung in der deutschen
Automobilindustrie ist derzeit alles andere als euphorisch.
Werkschließungen, Rückzüge, Unsicherheit – viele Schlagzeilen
zeichnen ein düsteres Bild. Pero betont jedoch: „Zukunftsfreude
darf keine naive Zukunftsfreude sein, sondern muss begründet sein.“
Er sieht in der aktuellen Situation den Übergang zwischen zwei Ären
– und der sei zwar holprig, aber notwendig. Entscheidend sei, dass
wir lernen, den Wandel als Chance zu sehen, statt an alten Systemen
festzuhalten. Ein zentrales Thema war die Rolle von
Führungskräften. Laut Pero liegt es an ihnen, innerhalb der
Unternehmen ein Bild der nächsten Ära zu entwerfen, das motiviert
und mobilisiert. „Zukunftsfreude entsteht nicht in der Politik,
sondern in den Unternehmen – durch Führungskräfte, die vorangehen“,
so seine klare Aussage. Besonders Mittelständler mit
Familienbindung hätten hier einen Vorteil, da sie langfristiger
denken könnten als börsennotierte Konzerne. Was aber oft fehle, sei
der Mut zu langfristigem Denken – nicht zuletzt wegen falscher
Anreizsysteme. Statt die notwendige Transformation zur
Elektromobilität konsequent voranzutreiben, wird vielerorts lieber
an Hybridlösungen festgehalten, weil sie kurzfristig bessere Zahlen
liefern. Doch das sei gefährlich: „Hybride sind eine bilanzielle
Strategie – das sieht drei, vier Jahre besser aus, aber dann umso
schlechter.“ Besonders spannend war Peros Rückblick: Schon 2006
präsentierte er Tesla als Symbol für die kommende Elektromobilität
– damals noch belächelt. Viele OEMs hätten sich seither auf
Annahmen verlassen, die sich als falsch erwiesen: Dass man als
Maschinenbauer einfach auf E-Antrieb umsteigen könne, dass
Batteriezellen keine Differenzierung ermöglichen oder dass
chinesische Hersteller keine ernstzunehmende Konkurrenz würden. All
das habe sich heute überholt. Ein wichtiges Beispiel war für ihn
Norwegen: Dort habe man schon vor zehn Jahren konsequent in
E-Mobilität investiert – mit Subventionen, die heute gar nicht mehr
nötig wären. Denn: „Die Batteriepreise sind seitdem um 90 Prozent
gefallen – das verändert alles.“ Für Pero ist klar: Der Wandel ist
unausweichlich – ökonomisch, technisch und ökologisch. Neue
Batteriegenerationen wie die Shenxing-Zellen von CATL mit 5 Minuten
Ladezeit für bis zu 400 Kilometer zeigen, wohin die Reise geht. Er
macht aber auch deutlich: Es wird Opfer geben. Zu lange habe man
geschlafen, an alten Erfolgen festgehalten und den Wandel
verschleppt. „Es wird mich nicht überraschen, wenn die deutschen
OEMs künftig andere Eigentümer haben – und deutlich kleiner sind.“
Der Ausweg? Radikaler Strategiewechsel, Fokus auf Elektromobilität,
keine weiteren Investitionen in Verbrenner, dafür volles Commitment
in das Neue. Und: Führungskräfte, die bereit sind, mehr als nur die
nächsten Quartalszahlen im Blick zu haben. Nun aber genug der
Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch mit Pero Mićić
einsteigen.
Mićić zu sprechen – einem der renommiertesten Experten für
Zukunftsmanagement und Gründer der Future Management Group. Seit
über drei Jahrzehnten beschäftigt sich Pero mit der Frage, wie
Unternehmen sich zukunftssicher aufstellen können. Unser Gespräch
drehte sich um die Zukunft der Mobilität, insbesondere um die Rolle
der Elektromobilität bis 2035 und darüber hinaus – aber auch um
strategische Fehler, verpasste Chancen und mögliche Auswege. Gleich
zu Beginn machten wir deutlich: Die Stimmung in der deutschen
Automobilindustrie ist derzeit alles andere als euphorisch.
Werkschließungen, Rückzüge, Unsicherheit – viele Schlagzeilen
zeichnen ein düsteres Bild. Pero betont jedoch: „Zukunftsfreude
darf keine naive Zukunftsfreude sein, sondern muss begründet sein.“
Er sieht in der aktuellen Situation den Übergang zwischen zwei Ären
– und der sei zwar holprig, aber notwendig. Entscheidend sei, dass
wir lernen, den Wandel als Chance zu sehen, statt an alten Systemen
festzuhalten. Ein zentrales Thema war die Rolle von
Führungskräften. Laut Pero liegt es an ihnen, innerhalb der
Unternehmen ein Bild der nächsten Ära zu entwerfen, das motiviert
und mobilisiert. „Zukunftsfreude entsteht nicht in der Politik,
sondern in den Unternehmen – durch Führungskräfte, die vorangehen“,
so seine klare Aussage. Besonders Mittelständler mit
Familienbindung hätten hier einen Vorteil, da sie langfristiger
denken könnten als börsennotierte Konzerne. Was aber oft fehle, sei
der Mut zu langfristigem Denken – nicht zuletzt wegen falscher
Anreizsysteme. Statt die notwendige Transformation zur
Elektromobilität konsequent voranzutreiben, wird vielerorts lieber
an Hybridlösungen festgehalten, weil sie kurzfristig bessere Zahlen
liefern. Doch das sei gefährlich: „Hybride sind eine bilanzielle
Strategie – das sieht drei, vier Jahre besser aus, aber dann umso
schlechter.“ Besonders spannend war Peros Rückblick: Schon 2006
präsentierte er Tesla als Symbol für die kommende Elektromobilität
– damals noch belächelt. Viele OEMs hätten sich seither auf
Annahmen verlassen, die sich als falsch erwiesen: Dass man als
Maschinenbauer einfach auf E-Antrieb umsteigen könne, dass
Batteriezellen keine Differenzierung ermöglichen oder dass
chinesische Hersteller keine ernstzunehmende Konkurrenz würden. All
das habe sich heute überholt. Ein wichtiges Beispiel war für ihn
Norwegen: Dort habe man schon vor zehn Jahren konsequent in
E-Mobilität investiert – mit Subventionen, die heute gar nicht mehr
nötig wären. Denn: „Die Batteriepreise sind seitdem um 90 Prozent
gefallen – das verändert alles.“ Für Pero ist klar: Der Wandel ist
unausweichlich – ökonomisch, technisch und ökologisch. Neue
Batteriegenerationen wie die Shenxing-Zellen von CATL mit 5 Minuten
Ladezeit für bis zu 400 Kilometer zeigen, wohin die Reise geht. Er
macht aber auch deutlich: Es wird Opfer geben. Zu lange habe man
geschlafen, an alten Erfolgen festgehalten und den Wandel
verschleppt. „Es wird mich nicht überraschen, wenn die deutschen
OEMs künftig andere Eigentümer haben – und deutlich kleiner sind.“
Der Ausweg? Radikaler Strategiewechsel, Fokus auf Elektromobilität,
keine weiteren Investitionen in Verbrenner, dafür volles Commitment
in das Neue. Und: Führungskräfte, die bereit sind, mehr als nur die
nächsten Quartalszahlen im Blick zu haben. Nun aber genug der
Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch mit Pero Mićić
einsteigen.
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