In Deutschland gibt es viele Tierheime. Ein Tierheim ist ein Ort,
an dem Tiere leben, die kein Zuhause mehr haben. Diese Tiere werden
dort versorgt, bekommen Futter, medizinische Hilfe und Zuwendung.
Die meisten Tierheime kümmern sich um Hunde und Katzen. Aber auch
Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Schildkröten oder sogar
Schlangen finden dort ein neues Zuhause – zumindest vorübergehend.
Die Idee von Tierheimen ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert gab
es in Deutschland Menschen, die sich für Tiere eingesetzt haben.
Der Tierschutzverein München wurde zum Beispiel im Jahr 1842
gegründet. Es war einer der ersten Vereine dieser Art in Europa.
Damals lebten viele Tiere auf der Straße oder wurden schlecht
behandelt. Die Menschen begannen, sich zu fragen: Wer hilft
eigentlich diesen Tieren? Heute gibt es in Deutschland über 500
Tierheime. Die meisten gehören zum Deutschen Tierschutzbund, einem
großen Dachverband. Dieser Verband unterstützt die Tierheime mit
Wissen, Beratung und manchmal auch mit Geld. Die Tierheime selbst
bekommen aber meistens keine regelmäßige Hilfe vom Staat. Sie leben
von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und von kleinen Gebühren, die
Menschen zahlen, wenn sie ein Tier adoptieren. Viele Tiere kommen
ins Tierheim, weil ihre Besitzer sie nicht mehr halten können oder
wollen. Manchmal liegt es daran, dass jemand umzieht und das Tier
nicht mitnehmen kann. Oder eine Person wird krank oder stirbt, und
es gibt niemanden, der sich um das Tier kümmert. Auch Tiere aus
schlechter Haltung oder von der Straße werden oft im Tierheim
aufgenommen. Besonders nach Weihnachten haben viele Heime viel zu
tun – weil Menschen Tiere verschenken und später merken, dass das
keine gute Idee war. Alle Tiere, die keinen Besitzer haben, landen
im Tierheim. Streunende Hunde gibt es in Deutschland nicht. In
einem Tierheim arbeiten oft Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Sie
kümmern sich um die Tiere, reinigen die Käfige und Gehege, geben
Futter und gehen mit den Hunden Gassi. Auch Tierärzte kommen
regelmäßig, um kranke Tiere zu behandeln oder sie zu impfen. Viele
Tierheime bekommen Hilfe von Ehrenamtlichen. Das sind Menschen, die
freiwillig helfen – zum Beispiel beim Spazierengehen mit Hunden
oder beim Spielen mit Katzen. Im Münchner Tierheim können auch
Kinder helfen, indem sie den Katzen vorlesen. Das hilft beiden: die
Kinder bekommen Selbstbewusstsein durch ihr lautes Lesen und die
Katzen sind nicht allein. Ein großes Problem für viele Tierheime
ist das Geld. Die Pflege von Tieren kostet viel. Futter, Impfungen,
Operationen, Strom, Wasser – all das muss bezahlt werden. Deshalb
machen viele Heime Aktionen, um Spenden zu sammeln. Manche
veranstalten Flohmärkte oder einen „Tag der offenen Tür“, bei denen
Besucher das Heim anschauen können. Andere posten süße Tierfotos im
Internet, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Manchmal wird ein Tier so
berühmt, dass es besonders schnell ein neues Zuhause findet. Im
Tierheim München spenden Freiwillige Kuchen, die dann vor Ort
verkauft werden. So bekommt das Tierheim ein wenig Geld. In
den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Immer mehr Menschen
denken über Tierschutz nach. Viele adoptieren lieber ein Tier aus
dem Heim, statt eines vom Züchter oder aus dem Ausland zu kaufen.
Das ist gut für die Tierheime. Aber es gibt auch neue Probleme:
Während der Corona-Pandemie wollten viele Menschen plötzlich ein
Haustier. Sie waren viel zu Hause und dachten, es wäre schön, einen
Hund oder eine Katze zu haben. Doch nach der Pandemie gaben viele
ihre Tiere wieder ab – weil sie keine Zeit mehr hatten oder die
Tiere doch zu anstrengend waren. Die Folge: Viele Tierheime sind
heute überfüllt. Einige Tiere bleiben sehr lange im Tierheim.
Besonders ältere Tiere oder solche mit gesundheitlichen Problemen
haben es schwer, ein neues Zuhause zu finden. Auch Tiere mit
schlechtem Verhalten – etwa Hunde, die Angst haben oder aggressiv
sind – warten oft viele Monate oder sogar Jahre. In Deutschland
dürfen Tiere in Tierheimen grundsätzlich nicht einfach so getötet
werden, wie es in manchen anderen Ländern der Fall ist. Das regelt
das Tierschutzgesetz. Laut diesem Gesetz ist es verboten, ein Tier
ohne „vernünftigen Grund“ zu töten. Ein „vernünftiger Grund“ kann
zum Beispiel sein, dass das Tier sehr krank ist und leidet. Oder
dass das Tier gefährlich ist, etwa ein Hund, der Menschen oder
andere Tiere angreift – aber auch dann muss ein Gutachten
vorliegen. Platzmangel, Alter oder langes Warten auf ein Zuhause
sind kein Grund, ein Tier einzuschläfern. Das ist ein großer
Unterschied zu Ländern wie zum Beispiel den USA oder Rumänien, wo
Tiere in sogenannten „Kill Shelters“ nach einer bestimmten Zeit
getötet werden können, wenn sie nicht adoptiert werden. In
deutschen Tierheimen bleiben Tiere im Prinzip so lange, bis sie ein
neues Zuhause finden – auch wenn das manchmal Jahre dauern kann. Es
gibt viele Fälle von Hunden oder Katzen, die erst nach sehr langer
Zeit adoptiert werden. Die Tierheime versuchen, mit Training und
Geduld auch schwierigen Tieren eine Chance zu geben.Text der
Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg302kurz.pdf
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