Rosa Luxemburg – SG 314
10 Minuten
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Beschreibung
vor 4 Tagen
Heute stelle ich dir wieder eine wichtige Person aus der
deutschen Geschichte vor. Es geht um eine bedeutende Frau:
Rosa Luxemburg. Hast du ihren Namen schon einmal
gehört?
Rosa Luxemburg war eine politische Denkerin und Aktivistin. Sie
lebte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In
dieser Zeit hatten viele Menschen in Europa große soziale
Probleme. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter waren arm und mussten
unter schlechten Bedingungen leben. Gleichzeitig wuchsen die
Industrie und die Städte sehr schnell. Rosa Luxemburg
beschäftigte sich ihr ganzes Leben mit Fragen von Gerechtigkeit,
Demokratie und Frieden.
Rosa Luxemburg wurde 1871 im heutigen Polen geboren. Damals
gehörte diese Region zum Russischen Reich. Ihre Familie war
jüdisch. Schon als Kind war Rosa sehr klug und wissbegierig. Sie
lernte früh lesen und schreiben. Mit etwa fünf Jahren wurde sie
schwer krank. Ein Jahr lang musste sie im Bett bleiben. In dieser
Zeit las sie sehr viel und lernte noch mehr. Ganz gesund wurde
sie danach nicht mehr. Sie hatte ihr Leben lang Probleme beim
Gehen. Trotzdem gab sie nicht auf.
Schon als junge Frau interessierte sich Rosa Luxemburg stark für
Politik. Sie trat noch als Schülerin einer marxistischen Gruppe
bei und las die Texte von Karl Marx. In Polen gab es damals wenig
Freiheit. Menschen mit kritischen Meinungen wurden verfolgt.
Deshalb musste Rosa Luxemburg das Land verlassen. Sie ging in die
Schweiz, um dort zu studieren. In Zürich studierte sie mehrere
Fächer, zum Beispiel Philosophie, Geschichte und Wirtschaft. Zu
dieser Zeit war es für Frauen noch sehr ungewöhnlich, an einer
Universität zu studieren.
In der Schweiz lernte Rosa Luxemburg viele andere Sozialisten
kennen. Sie war der Meinung, dass der Kapitalismus viele Menschen
benachteiligt. Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihrer Ansicht
nach mehr Rechte haben. Sie glaubte, dass es echte Demokratie nur
geben kann, wenn es auch soziale Gerechtigkeit gibt. Wichtig war
ihr, dass Menschen selbst denken und eigene Entscheidungen
treffen. Sie lehnte blinden Gehorsam und Gewalt durch den Staat
ab. Sie war gegen den Zarismus, gegen den Kapitalismus und gegen
monarchische Herrschaftsformen in Europa.
Später zog Rosa Luxemburg nach Deutschland. Sie ging eine formale
Ehe ein, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. In
Deutschland arbeitete sie in der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands (SPD). Sie schrieb viele Texte und hielt Reden vor
großen Gruppen. Oft kritisierte sie dabei auch ihre eigene
Partei. Sie meinte, dass kleine Reformen nicht ausreichen, um die
Gesellschaft wirklich zu verändern. Gleichzeitig war sie auch
gegen schnelle und gewaltsame Revolutionen. Sie glaubte an die
Stärke der vielen Menschen, aber auch an Freiheit und offene
Diskussionen. Wegen ihrer Reden gegen Krieg und Monarchie wurde
sie mehrmals verhaftet und kam ins Gefängnis.
Der Frieden war für Rosa Luxemburg besonders wichtig. Als 1914
der Erste Weltkrieg begann, unterstützten viele Parteien den
Krieg. Rosa Luxemburg war entschieden dagegen. Sie nannte den
Krieg ein großes Verbrechen. Wegen ihrer Haltung wurde sie
wiederholt ins Gefängnis gebracht. Auch dort schrieb sie Briefe
und politische Texte. In ihren Briefen sieht man, wie sehr sie
die Natur liebte und wie viel Mitgefühl sie für Menschen und
Tiere hatte.
Während des Krieges gründete sie zusammen mit Karl Liebknecht den
Spartakusbund. Diese Gruppe kämpfte gegen den Krieg und gegen die
alte politische Ordnung. Nach dem Ende des Krieges im Jahr 1918
veränderte sich Deutschland stark. Der Kaiser musste abdanken,
und viele Menschen hofften auf mehr Demokratie und bessere
soziale Rechte.
In dieser Zeit war Rosa Luxemburg an der Gründung der
Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) beteiligt. Sie wollte
eine sozialistische Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und freien
Wahlen. Sie warnte davor, Zeitungen zu verbieten oder andere
Meinungen zu unterdrücken. Für sie war klar: Freiheit muss auch
für Menschen gelten, die anders denken. Ihr wohl bekanntestes
Zitat ist: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden,
sich zu äußern.“
Im Januar 1919 kam es in Berlin zu schweren Kämpfen, heute
bekannt als Spartakusaufstand. Hier entwickelten sich
revolutionäre Massendemonstrationen der Linken hin zu
bürgerkriegsähnlichen Straßenkämpfen mit Regierungstruppen. Viele
Menschen starben. Rechte Freikorps ermordeten Rosa Luxemburg und
Karl Liebknecht am 15. Januar 1919, weil sie als Anführer galten.
Ihr Tod erschütterte viele Menschen in Deutschland und darüber
hinaus. Eine Million Menschen sollen an Rosa Luxemburgs
Beerdigung teilgenommen haben.
Rosa Luxemburg hinterließ zahlreiche Texte und Briefe. Bis heute
werden ihre Schriften gelesen und diskutiert. Manche Menschen
bewundern sie, andere lehnen ihre politischen Ideen ab. Sicher
ist jedoch: Sie war eine der bekanntesten politischen Denkerinnen
ihrer Zeit. Und jedes Jahr im Januar gedenken die Menschen Rosa
Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin bei einer großen LL-Demo.
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg314kurz.pdf
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