Rohstoffexperte: „Ohne Lithium keine Energiewende“
Michael Schmidt, Senior Analyst der Deutschen Rohstoffagentur
(DERA)
1 Stunde 10 Minuten
Podcast
Podcaster
Aktuelle Entwicklungen, Diskussionen, Interviews und mehr
Beschreibung
vor 7 Monaten
In der aktuellen Folge des Elektroauto-News-Podcast hatte ich die
Gelegenheit, mit Michael Schmidt zu sprechen – einem der
profiliertesten Rohstoffexperten Deutschlands. Als Senior Analyst
der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) innerhalb der Bundesanstalt
für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beschäftigt er sich seit
Jahren mit kritischen Rohstoffen wie Lithium. Unser Gespräch drehte
sich um genau diesen Stoff – und warum Lithium für die Mobilitäts-
und Energiewende unverzichtbar ist. Michael hat gleich zu Beginn
klargestellt, dass Lithium nicht nur für Elektroautos gebraucht
wird. „Wir reden nicht nur über E-Mobilität, sondern über eine
ganzheitliche Energiewende. Ohne Lithium keine Batterien, ohne
Batterien keine Speicherung von Wind- und Solarstrom – und ohne das
keine Energiewende.“ Besonders spannend: Auch der rapide wachsende
Energiebedarf von KI-Rechenzentren wird künftig massiv
Speicherlösungen erfordern – mit Lithiumbatterien. Ein Thema, das
im Gespräch immer wieder aufkam: der ökologische Fußabdruck von
Lithium. Dabei wurde deutlich, dass nicht jede Quelle gleich
belastend ist. „Faktenbasiert ist das nachhaltigste Produkt, was
CO₂-Abdrücke abgeht, momentan das aus Chile – mit 5 Tonnen CO₂ pro
produzierter Tonne Lithium. Aus China liegt man schnell beim vier-
bis fünffachen.“ Der Unterschied liegt in der Fördermethode:
Während in Chile Sonnenenergie zur Verdunstung genutzt wird, wird
in China energieintensiv Gestein verarbeitet. Diese Unterschiede
müssten laut Michael viel stärker kommuniziert werden – nicht
zuletzt, um gegen die Emotionalisierung in der Debatte vorzugehen.
Wir sprachen auch über die bizarre Entwicklung hin zu immer
größeren E-SUVs. Michael brachte es trocken auf den Punkt: „Ein
zweieinhalb Tonnen schwerer SUV mit 120-kWh-Batterie ist keine
nachhaltige Mobilität. Das ist, als würde man vom Rot- auf Weißwein
umsteigen – man trinkt trotzdem weiter Wein.“ Gerade hier sieht er
eine große Chance für kleinere E-Autos aus China, die mit
kompakteren LFP-Batterien und geringeren Produktionskosten punkten.
Ein weiteres zentrales Thema: Europas Rolle im globalen
Rohstoffwettlauf. Während China frühzeitig auf strategische
Partnerschaften mit Förderländern wie Australien setzte und sich so
große Teile der Lieferkette sicherte, hinkt Europa hinterher. Der
„Critical Raw Materials Act“ der EU ist ein Schritt in die richtige
Richtung, aber: „Wir haben 15 bis 16 Lithium-Projekte in Europa,
aber keinen einzigen europäischen Eigner. Es fehlt an Investoren,
an Genehmigungen, an Akzeptanz – und am politischen Willen.“ Die
Ziele des EU-Gesetzes seien theoretisch erreichbar, aber es fehle
an der konkreten Umsetzung. Schmidt plädiert für mehr Kooperation
statt Konfrontation – etwa durch Rohstoffpartnerschaften mit
Ländern wie Chile oder Kanada. Was mir besonders im Gedächtnis
geblieben ist: Michaels Aufruf, Mobilität neu zu denken – über das
Auto hinaus. Es geht nicht nur darum, den Verbrenner durch einen
Stromer zu ersetzen, sondern um eine fundamentale Veränderung in
unserem Denken und Handeln. „Was soll Mobilität sein? Von A nach B
kommen, ohne nass zu werden. Nicht unbedingt ein
700-Kilometer-SUV.“ Ein starkes Gespräch mit vielen Impulsen – über
Lieferketten, politische Rahmenbedingungen, Marktmechanismen und
die Macht des Mindsets. „Wir brauchen einen regulatorischen Rahmen,
der stark und stabil ist – damit Hersteller wie Verbraucher wissen,
wohin die Reise geht.“ Dem ist wenig hinzuzufügen. Nun aber genug
der Vorrede – hör selbst rein ins Gespräch mit Michael Schmidt.
Gelegenheit, mit Michael Schmidt zu sprechen – einem der
profiliertesten Rohstoffexperten Deutschlands. Als Senior Analyst
der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) innerhalb der Bundesanstalt
für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beschäftigt er sich seit
Jahren mit kritischen Rohstoffen wie Lithium. Unser Gespräch drehte
sich um genau diesen Stoff – und warum Lithium für die Mobilitäts-
und Energiewende unverzichtbar ist. Michael hat gleich zu Beginn
klargestellt, dass Lithium nicht nur für Elektroautos gebraucht
wird. „Wir reden nicht nur über E-Mobilität, sondern über eine
ganzheitliche Energiewende. Ohne Lithium keine Batterien, ohne
Batterien keine Speicherung von Wind- und Solarstrom – und ohne das
keine Energiewende.“ Besonders spannend: Auch der rapide wachsende
Energiebedarf von KI-Rechenzentren wird künftig massiv
Speicherlösungen erfordern – mit Lithiumbatterien. Ein Thema, das
im Gespräch immer wieder aufkam: der ökologische Fußabdruck von
Lithium. Dabei wurde deutlich, dass nicht jede Quelle gleich
belastend ist. „Faktenbasiert ist das nachhaltigste Produkt, was
CO₂-Abdrücke abgeht, momentan das aus Chile – mit 5 Tonnen CO₂ pro
produzierter Tonne Lithium. Aus China liegt man schnell beim vier-
bis fünffachen.“ Der Unterschied liegt in der Fördermethode:
Während in Chile Sonnenenergie zur Verdunstung genutzt wird, wird
in China energieintensiv Gestein verarbeitet. Diese Unterschiede
müssten laut Michael viel stärker kommuniziert werden – nicht
zuletzt, um gegen die Emotionalisierung in der Debatte vorzugehen.
Wir sprachen auch über die bizarre Entwicklung hin zu immer
größeren E-SUVs. Michael brachte es trocken auf den Punkt: „Ein
zweieinhalb Tonnen schwerer SUV mit 120-kWh-Batterie ist keine
nachhaltige Mobilität. Das ist, als würde man vom Rot- auf Weißwein
umsteigen – man trinkt trotzdem weiter Wein.“ Gerade hier sieht er
eine große Chance für kleinere E-Autos aus China, die mit
kompakteren LFP-Batterien und geringeren Produktionskosten punkten.
Ein weiteres zentrales Thema: Europas Rolle im globalen
Rohstoffwettlauf. Während China frühzeitig auf strategische
Partnerschaften mit Förderländern wie Australien setzte und sich so
große Teile der Lieferkette sicherte, hinkt Europa hinterher. Der
„Critical Raw Materials Act“ der EU ist ein Schritt in die richtige
Richtung, aber: „Wir haben 15 bis 16 Lithium-Projekte in Europa,
aber keinen einzigen europäischen Eigner. Es fehlt an Investoren,
an Genehmigungen, an Akzeptanz – und am politischen Willen.“ Die
Ziele des EU-Gesetzes seien theoretisch erreichbar, aber es fehle
an der konkreten Umsetzung. Schmidt plädiert für mehr Kooperation
statt Konfrontation – etwa durch Rohstoffpartnerschaften mit
Ländern wie Chile oder Kanada. Was mir besonders im Gedächtnis
geblieben ist: Michaels Aufruf, Mobilität neu zu denken – über das
Auto hinaus. Es geht nicht nur darum, den Verbrenner durch einen
Stromer zu ersetzen, sondern um eine fundamentale Veränderung in
unserem Denken und Handeln. „Was soll Mobilität sein? Von A nach B
kommen, ohne nass zu werden. Nicht unbedingt ein
700-Kilometer-SUV.“ Ein starkes Gespräch mit vielen Impulsen – über
Lieferketten, politische Rahmenbedingungen, Marktmechanismen und
die Macht des Mindsets. „Wir brauchen einen regulatorischen Rahmen,
der stark und stabil ist – damit Hersteller wie Verbraucher wissen,
wohin die Reise geht.“ Dem ist wenig hinzuzufügen. Nun aber genug
der Vorrede – hör selbst rein ins Gespräch mit Michael Schmidt.
Weitere Episoden
24 Minuten
vor 2 Tagen
31 Minuten
vor 1 Woche
45 Minuten
vor 1 Woche
30 Minuten
vor 2 Wochen
37 Minuten
vor 2 Wochen
In Podcasts werben
Kommentare (0)