tl;dr #47: Simone de Beauvoir: «Das andere Geschlecht»

tl;dr #47: Simone de Beauvoir: «Das andere Geschlecht»

59 Minuten

Beschreibung

vor 11 Monaten
Simone de Beauvoirs 1949 erstmals veröffentlichtes Werk gilt als
Manifest der neuen Frauenbewegung. Es behandelt nicht nur – wie der
klassische Feminismus – die rechtliche und politische
Gleichstellung, also das Wahlrecht für Frauen oder gleiche
Bezahlung für gleiche Arbeit. Ihre zentrale These lautet: Frauen
gibt es nicht – sie werden dazu gemacht. Beauvoir ist überzeugt von
der grundlegenden Freiheit der Menschen. Sie können aus der
Immanenz ihres Körpers oder gesellschaftlicher Verhältnisse
heraustreten und aktiv in eine offene Zukunft handeln. Doch während
Männern dies unter den bestehenden Verhältnissen weithin ermöglicht
wird, bleibt es Frauen oft verwehrt. Dabei werden auch die
spezifischen körperlichen Merkmale des weiblichen und männlichen
Körpers als Mittel geschlechtlicher Herrschaft instrumentalisiert.
Frauen wird der Zugang zu ihrem eigenen Körper, ihrem Begehren,
ihrer Lust und damit zu ihrer Autonomie verstellt. Männer setzen
sich selbst als Maßstab, als Norm. Frauen hingegen gelten als das
"andere", als das bloß zweite Geschlecht – als eines des Mangels.
Die männliche Norm prägt sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen
Lebens. Frauen werden zur Unterordnung erzogen und von ihrem Körper
entfremdet, der als unrein und schwach gilt. Ihre Selbstbestimmung
wird systematisch verhindert. Sie sollen sich selbst zum Objekt,
zur Beute der Männer machen. Das vorherrschende Verständnis des
Verhältnisses der Geschlechter beschreibt Beauvoir als eines des
Kampfes. Dem setzt sie jedoch eine andere Vision entgegen: die
Überwindung von Weiblichkeit und Familie. Sie plädiert für eine
Gesellschaft, in der Gleichheit die Grundlage bildet, Unterschiede
aber dennoch zur Geltung kommen können. Das männlich dominierte,
kriegerische und instrumentelle Modell des
Geschlechterverhältnisses soll durch eines der Wechselseitigkeit
ersetzt werden. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge die
Geschlechtertheoretikerin Andrea Maihofer.

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